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Ostholsteiner Anzeiger

13. Dezember 2017 | 08:38 Uhr

Vertrauen missbraucht

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Es war die Tochter seiner langjährigen Freundin, deren Schambereich der 55-Jährige fotografieren wollte

shz.de von
erstellt am 07.Mär.2016 | 12:17 Uhr

Anna M.* kommt mit verweintem Gesicht in den Gerichtssaal. Auf der Anklagebank sitzt der Mann, der bis Sommer 2014 Teil ihres Lebens war – als Partner ihrer Mutter, als Vater ihrer Halbschwester. Doch am Morgen des 19. Juni 2014 legte er sich zu der damals 13-Jährigen ins Bett, zog ihre Jogginghose aus, die Unterhose runter und wollte ihren Schambereich fotografieren. Anna wehrte sich.

Christian A.* (55) musste sich gestern vor dem Eutiner Amtsgericht wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes verantworten – und wurde zur gesetzlichen Mindestfreiheitsstrafe von sechs Monaten (auf zwei Jahre auf Bewährung) verurteilt.

„Wie kamen sie nur auf die Idee?“, wollte Richter Otto Witt wissen. Der Angeklagte zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es nicht. Ich schäme mich dafür.“ Er sei seitdem sozial abgestürzt, habe nicht nur die Familie verloren, sondern auch wieder angefangen zu trinken und das täglich. „Sie haben das Vertrauensverhältnis zu dem Mädchen ausgenutzt. Heute kann noch keiner sagen, wie sehr sie das in ihrem weiteren Leben beeinflussen wird“, sagte Witt. Er rechnete es dem Angeklagten an, dass er Anna M. eine Zeugenaussage ersparte, weil sowohl bei der Polizei als auch im Gerichtssaal die Tat gestand. „Ich glaube Ihnen, dass es Ihnen leid tut, aber so etwas darf einfach nicht passieren“, machte Witt deutlich. In seinem Urteil folgte er der Staatsanwältin, die sechs Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung gefordert hatte. Beide sahen es als erwiesen an, dass „das Lichtbild zur Befriedigung der eigenen sexuellen Idee“ hätte dienen sollen, der Straftatbestand deshalb erfüllt ist. Der Angeklagte hatte zuvor angegeben, keine genauen Ziele verfolgt zu haben, akzeptierte aber das Urteil.

Annas Mutter schmiss ihn nach eigener Schilderung „direkt nach dem Vorfall“ raus. Um die gemeinsame eigene Tochter sorge er sich seitdem nicht. Annas Mutter sei das recht: „Mit dem will ich nichts mehr zu tun haben“, sagt sie nach der Verhandlung. Sieben Jahre waren sie ein Paar, eineinhalb Jahre davon lebte er mit ihr und den Mädchen im selben Haushalt.

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Namen geändert

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