Vermieter bleiben auf der Strecke

Saskia und Sebastian Steckel betreiben die Häuser am Bosauer Strand mit Blick über den Großen Plöner See und blicken gerade auf eine düstere Saison.  Fotos: Michael Kuhr (Archiv)
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Saskia und Sebastian Steckel betreiben die Häuser am Bosauer Strand mit Blick über den Großen Plöner See und blicken gerade auf eine düstere Saison. Fotos: Michael Kuhr (Archiv)

Saskia und Sebastian Steckel haben in Bosau rund 2,5 Millionen Euro investiert und fürchten wegen Corona um eine schlechte Saison

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08. April 2020, 22:00 Uhr

Bosau | Seit fast einem Jahr entwickelt sich die Ferienhaussiedlung am Bosauer Badestand zu einem Geheimtipp für Urlauber am Großen Plöner See. Die Vermieter Saskia und Sebastian Steckel aus Schashagen haben offenbar den Nerv der Urlauber getroffen. Es läuft in ihren fünf gut ausgestatteten Ferienhäusern. Doch dann erreichte die Corona-Pandemie Deutschland und damit auch ihre Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) kalt. Die Saison 2020 scheint gelaufen – Zinsen, Tilgung und laufende Kosten müssen aber bedient werden. Doch: „Geld vom Staat gibt es für uns nicht“, beklagt sich Saski Steckel.

Mindestens 2,5 Millionen Euro haben sie im Bosauer Strandweg in die 32 Betten für den Fremdenverkehr aber auch ihre eigene Zukunft investiert. Zudem betreiben sie gemeinsam mit den Eltern Saskia Steckels bereits seit mindestens 31 Jahren 22 Ferienobjekte im Bereich Bliesdorf, Dahme und Kellenhusen. Auch dort wird eine dramatische Saison erwartet. Sie sitzen im Boot mit allen privaten Vermietern an der Ostseeküsten und im Binnenland, die – so Steckel – durch das Land oder den Bund gezwungen wurden, die Objekte zu schließen.

„Im Moment trifft es gerade uns kleinen Privatvermieter tatsächlich sehr hart“, sagt Saskia Steckel. Privatvermieter fielen durch das Raster der Hilfsprogramme, weil die private Vermietung nicht gewerblich sei. 65 Prozent aller Vermieter seien private Vermieter sind. Steckel: „Wir privaten Vermieter werden komplett von der Politik vergessen.“ Dabei stellten die Privatvermieter den größten Teil der Betten für Touristen in Schleswig Holstein.

„Sterben die privaten Vermieter wegen unterlassener Hilfeleistung, sterben auch die Cafés, die Eisdielen, die Restaurants und auch die Promenaden“, ist sich die Vermieterin sicher. Damit stürben auch die touristischen Orte. Saskia Steckel hat sich nach eigenen Worten bereits erfolglos an die SPD-Bundestagsabgeordnete Bettina Hagedorn und die SPD-Landesvorsitzende Serpil Midyatli gewandt.

Wie entsteht der finanzielle Verlust? „Wir mussten 46 Buchungen bis zum 19. April absagen – ein Kostenvolumen von 35.000 Euro“, rechnet Steckel vor. Es sei gesetzlich geregelt, dass die Vermieter die Kosten zu 100 Prozent erstatten mussten. Doch die Kosten in allen Objekten liefen weiter, ein Kredit helfe nicht. Jeder Tag an dem ein Haus nicht vermietet werde, sei nicht aufzufangen: „Ich kann die Häuser nächstes Jahr nicht doppelt vermieten.“ Mietverträge und Zahlungen von Gästen würden alle storniert. Durch Angst auch vor Kurzarbeit sagen Gäste ihren Urlaub ab. Saskia Steckel: „Es sind weit mehr als 30 Stornierungen, wobei wir natürlich hoffen, dasss wir die wieder auffangen können sobald der Tourismus in Schleswig-Holstein wieder zugelassen wird.“ Aktuell würden nur noch die Nebenkosten herunter gefahren und Rücklagen aufgebraucht um die Darlehen und weitere laufenden Kosten zu bedienen. Zur Rechtslage: Gewerbliche Vermieter dürfen Anträge stellen. Aber die meisten Vermieter betreiben ihre Vermietung privat. Sie zahlen Einkommensteuer auf ihren Gewinn an den Ferienhäusern, auch sind sie Mehrwertsteuerpflichtig, zahlen Tourismusabgabe für jedes einzelne Haus und treiben die Kurabgabe für die Kommunen ein. Saskia Steckel: „Wir können unsere Ausfälle sogar nachweisen.“ Ein Café könne nur Hochrechnungen anstellen was verdient worden wäre.

Steckel sieht dringenden Handlungsbedarf: „Sonst wird es im Sommer, wenn die Maßnahmen hoffentlich alle aufgehoben werden, keine Vermieter mehr geben.“ Keine Vermieter heiße keine Betten für Urlaub – das heiße keine Urlauber, die in Cafés, Restaurants, auf die Promenaden und in die kleinen Städte zum bummeln gehen. Dann gehe der Tourismus in die Knie.

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