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Ostholsteiner Anzeiger

24. Oktober 2017 | 10:35 Uhr

Verleumdung blieb ungesühnt

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Angeklagte schwärzte eine Altenpflegerin zu Unrecht bei ihrem Arbeitgeber an / Eutiner Amtsgericht stellt Verfahren trotzdem ein

shz.de von
erstellt am 05.Apr.2016 | 15:17 Uhr

Wer jemanden einer Straftat bezichtigt oder ihn bei seinem Arbeitgeber anschwärzt, seinen Job nicht korrekt zu machen, muss das auch beweisen können. Andernfalls macht er sich selbst strafbar. Diese Erfahrung machte eine 28-jährige Eutinerin gestern vor dem Eutiner Amtsgericht. Dort musste sich die Frau wegen Verleumdung und übler Nachrede verantworten, kam jedoch ungeschoren davon.

Die Angeklagte hatte im August vergangenen Jahres unter Nennung ihres vollen Namens beim Arbeitgeber einer 31-jährigen Altenpflegerin angerufen und diese laut Anklage gleich mehrfach denunziert. So soll sie behauptet haben, die Altenpflegerin betanke ihr Privatfahrzeug auf Kosten des Pflegedienstes, außerdem habe sie eine Patientin, weil sie ihr zu gewichtig gewesen sei, einfach auf dem Boden liegen lassen. Weiterer Vorwurf: Weil sie ihren Arbeitgeber schädigen wolle, beabsichtige sie, schwanger zu werden. Das alles habe ihr die Altenpflegerin selbst oder ihrer Mutter erzählt, erklärte die Angeklagte vor Gericht.

Die Pflegedienstleiterin und der Vorstand der Einrichtung zitierten die Altenpflegerin umgehend zum Personalgespräch und konfrontierten sie mit den Vorwürfen. „Ich war erst mal vor den Kopf gestoßen“, erklärte die 31-Jährige. Sowohl im Gespräch mit ihren Vorgesetzten als auch vor Gericht bestritt sie alle Vorwürfe.

Allerdings schienen die nicht in jedem Punkt völlig aus der Luft gegriffen zu sein. So berichtete die Pflegedienstleiterin, dass sich das Opfer der Anschuldigungen tatsächlich dagegen gesperrt habe, eine schwergewichtige Patientin zu duschen. Außerdem habe sie offenbar unter Kolleginnen eine derart schlechte Laune verbreitet, dass diese ihr die Entlassung der Altenpflegerin vorgeschlagen hätten. Ein Betrug mit der Tankkarte des Pflegedienstes habe sich allerdings nicht erhärten lassen. „Ich sehe das als ausgeräumt an“, erklärte die Pflegedienstleiterin. Den Vorwurf, sie habe ihren Arbeitgeber durch eine Schwangerschaft schädigen wollen, wies die Altenpflegerin entrüstet zurück: „Ich bekomme von meinem Arbeitgeber keine Prämie dafür, dass ich schwanger werde.“

Immerhin wirkte das Personalgespräch für die Altenpflegerin wohl wie ein Weckruf. In der Folgezeit habe es keine wirklichen Kritikpunkte mehr gegeben, berichtete der Vorstand. „Die Einstellung hat sich deutlich gebessert.“

Hintergrund der Anschuldigungen war offenbar ein „Zickenkrieg“, wie es die Pflegedienstleiterin vermutete. So wohnt die Altenpflegerin in Nachbarschaft zur Mutter der Angeklagten. Zunächst habe man öfter zusammen Kaffee getrunken oder auch gemeinsam gegrillt, berichtete die Altenpflegerin. Dann habe sich das Verhältnis jedoch abgekühlt. Es seien Dinge vorgefallen, aufgrund derer sie sich zurückgezogen habe. Das habe der Familie der Angeklagten wohl nicht gepasst.

Zwar ließ auch Oberamtsanwalt Joachim Eckelt keinen Zweifel daran, dass die Angeklagte zu weit gegangen war. „Fakt ist: Es bleiben Behauptungen, die sie nicht hätte aufstellen dürfen.“ Doch von der vollen Härte des Gesetzes wollte er dann doch nichts wissen. Der Zweck der Hauptverhandlung sei auch erfüllt, wenn das Verfahren eingestellt werde, sagte Eckelt. Die Angeklagte sei dafür sensibilisiert worden, dass sie keine Behauptungen aufstellen dürfe, die sie nicht beweisen könne. Das sah auch Richterin Annette Rakel so: „Unter der Annahme, dass sie hinreichend beeindruckt sind, wäre ich damit einverstanden, das Verfahren einzustellen“, erklärte sie. Obwohl die Angeklagte sich ihre Einsicht nicht unbedingt anmerken ließ, hatte sie gegen den Vorschlag naturgemäß nichts einzuwenden.

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