Verjüngter WVE-Vorstand hat viel zu tun

WVE-Vorstandsvorsitzender Hans-Wilhelm Hagen (mitte) freut sich über die neuen und deutlich jüngeren Mitglieder Stefan Dose (v.r.) und Tim Phillip Dreyer, Karsten Hinz wurde ebenso wie Manfred Reinhardt (2.v.l.) wiedergewählt. Jan Thaysen und Thomas Menke behalten ihre Vorstandsfunktionen.
WVE-Vorstandsvorsitzender Hans-Wilhelm Hagen (mitte) freut sich über die neuen und deutlich jüngeren Mitglieder Stefan Dose (v.r.) und Tim Phillip Dreyer, Karsten Hinz wurde ebenso wie Manfred Reinhardt (2.v.l.) wiedergewählt. Jan Thaysen und Thomas Menke behalten ihre Vorstandsfunktionen.

Neue Mitglieder wollen frischen Wind einbringen / Entscheidungen zu Dauerthemen wie verkaufsoffene Sonntage und Lichterstadt vertagt

shz.de von
31. Mai 2018, 00:28 Uhr

Einzelhandelskonzept, Lichterstadt, verkaufsoffene Sonntage – die Themen, die die Wirtschaftsvereinigung Eutin (WVE) bewegen, sind nicht neu. Der Diskussionsbedarf darüber aber ist längst nicht gestillt, das zeigte die jüngste Versammlung der Kaufleute in der sanierten Opernscheune am Dienstagabend. Die fast vierstündige Sitzung reichte nicht aus. Viele Entscheidungen und der ausführliche Austausch wurden auf eine Sitzung nach der Sommerpause vertagt, weil unter anderem geladenen Referenten der Industrie- und Handelskammer über den Online-Handel und Beratungsangebote informieren wollten.

Doch vorab wählten die 25 anwesenden Mitglieder der WVE neue Vorstandsmitglieder. Achim Bogs (57), der seit gut sieben Jahren im Vorstand ist, wollte kein weiteres Mal antreten und wurde mit einem Präsent und Dank für sein Wirken unter Beifall verabschiedet. Manfred Reinhardt vom gleichnamigen Waffengeschäft wurde ebenso im Amt bestätigt wie Rechtsanwalt Karsten Hinz. Neu hinzu gewählt wurde als erste Frau Anne Grüter (46), Tim Phillip Dreyer (30) und Stefan Dose (36). „Wir freuen uns, dass junge Kaufleute nachrücken“, sagte Vorstandsvorsitzender Hans-Wilhelm Hagen nach der Wahl. Er sowie Stellvertreter Thomas Menke und Schatzmeister Jan Thaysen standen nicht zur Wahl, gehören weiterhin dem Vorstand in ihren Funktionen an.

Anne Grüter ist im Social-Media-Marketing tätig und Food-Bloggerin (kochen machtglücklich.de), die sich freue, ihr Know-how einzubringen, sagte sie gestern auf Nachfrage. Tim Dreyer ist seit neun Jahren in Eutin selbstständig mit Piconaja Men: „Für mich wird es jetzt Zeit, ein solches Ehrenamt zu übernehmen, denn ich möchte mich einbringen und so ist auch die jüngere Generation vertreten. Wir sind die Zukunft und bringen bestimmt ein bisschen frischen Wind mit“, sagte Dreyer auf Nachfrage mit Blick zu Cobobes-Geschäftsführer Stefan Dose. „Ich möchte auch die junge Generation vertreten und natürlich auch die sogenannte grüne Wiese. Das soll auch Berücksichtigung finden“, sagte Dose.


Offene Sonntage und Lichterstadt

Neben den Geschäften sind es in Eutin auch die Aktionen, mit denen die Kaufleute regelmäßig versuchen, Kunden in die Stadt zu locken. Nachdem Andreas Booke (LMK-Geschäftsführer) in den Ruhestand gegangen sei, müsse nun ein neuer Verantwortlicher gefunden oder die Arbeit auf mehr als zwei Schultern verteilt werden, sprach Hagen an: „Wenn ich da zu Treffen einlade und nur zu zweit oder dritt sitze, können wir nicht viel bewegen. Da wünsche ich mir mehr Engagement.“ Ein Blick in die Finanzen ergab, dass die Radiowerbung rund 20 000 Euro im Jahr für die verkaufsoffenen Sonntage verschlingt und die Lichterstadt mit mehr als 50 000 Euro der größte Posten auf der Liste ist.

„Früher war die Lichterstadt ein Zuschauermagnet, heute beleuchtet jeder im Umland, ob Malente oder Plön, seinen Baum. Das ist kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Wenn man das Konzept überdenken würde, würde viel Werbegeld für andere, sinnvollere Aktionen frei“, sagte Stefan Knorr vom Weingeist, der anregte, vielleicht mehr „ins hyggelige“ zu dekorieren. Die Eisbahn mit Bandenwerbung wäre trotzdem da, so Knorr. Detlef Zinn kritisierte die Farbgestaltung der Lichter im vergangenen Jahr als „katastrophal“, Kunden hätten sich außerdem über die Art der Beleuchtung am Schloss beschwert: „Das war mal etwas Besonderes.“

Jan Hoffmann von der gleichnamigen Buchhandlung sprach die verkaufsoffenen Sonntage an: „Früher wurden wir mal beneidet, weil sie so toll waren. Damals war der Online-Handel auch noch nicht so vorangeschritten. Heutzutage hat die Frequenz an den Wochenenden erheblich nachgelassen.“ Außerdem könne Eutin bislang mit den Marketingaktivitäten vom Strand mit Schlagerfest oder Poloturnieren nicht mithalten. „Da haben andere Städte eindeutig attraktivere Marketingmaßnahmen und wir sollten überlegen, wie wir das umgestalten könnten, damit auch wir wieder erfolgreiche Sonntage haben“, regte Hoffmann an. Das Problem der Ladenöffnungszeiten ist kein neues und kam auch zur Sprache: „Ich brauche kein Geld fürs Radio ausgeben, wenn an den Sonntagen, an denen alle von 13 bis 18 Uhr aufhaben, die ersten um 15 Uhr schon wieder schließen, weil nicht genug los ist. Schlechter kann eine Werbung für die Stadt nicht sein“, kritisierte Zinn eine bislang gängige Praxis einzelner Geschäftstreibender. Außerdem sei es für die Kunden schwer zu unterscheiden, ob es ein Sonntag aller oder von LMK sei, die Enttäuschung dann entsprechend groß, wenn viele andere nicht aufhätten, merkte Zinn an. Sonntage und Lichterstadt sollen nach der Sommerpause nochmal aufgegriffen werden. Bürgervorsteher Dieter Holst brachte die Hauptaufgabe des teils neuen Vorstandes im Grußwort auf den Punkt: „Es muss gelingen, den minimalen Konsens der Gemeinsamkeiten zu finden, dann wird ganz Eutin gestärkt.“

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