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Ostholsteiner Anzeiger

23. Oktober 2017 | 19:43 Uhr

Verhärtete Fronten im Abwasser-Streit

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Gießelrader werfen der Gemeinde Ahrensbök vor, die Kosten für das dezentrale Mischwassersystem künstlich hoch zu halten

shz.de von
erstellt am 12.Feb.2014 | 00:34 Uhr

Beim Thema Abwasser sind die Gießelrader nicht gut zu sprechen auf ihren Bürgermeister Andreas Zimmermann (parteilos), das wurde bei der Dorfschaftsversammlung am Montag deutlich. Im vollbesetzen Feuerwehrgerätehaus musste sich der Verwaltungschef nicht nur jede Menge Kritik anhören, er erntete für seine Aussagen auch immer wieder Kopfschütteln. Im Kern geht bei dem Streit zwischen der Gemeinde Ahrensbök und den Gießelrader Einwohnern um die Kosten für die künftige Abwasserentsorgung in dem 160-Seelen-Ort.

Der Dorfvorstand hatte sich vor gut zwei Jahren mit seinem Vorschlag durchgesetzt, ein dezentrales Mischwassersystem mit Hauskläranlagen und Regenrückhaltebecken zu installieren. Nun wirft er der Verwaltung vor, dass Projekt durch ungerechtfertigt hohe Investitionskosten und Abwassergebühren zu sabotieren. Bürgermeister Zimmermann gab sich bei der Versammlung zurückhaltend: „Wir arbeiten gemeinsam mit dem Dorfvorstand daran, die Kosten und Gebühren so schlank wie möglich zu halten. Ich kann Ihnen jedoch nicht sagen, was am Ende dabei rauskommen wird.“

Da für Dörfer mit dezentraler Abwasserbeseitung stets eine eigene Gebührensatzung erarbeitet werden müsste, hätten sich die Planungen zuletzt verzögert.
Eine wasserbehördliche Genehmigung liege jedoch schon vor. „Gerne hätte ich Sie heute über Bauzeiten informiert, aber so weit sind wir noch nicht.“ Es bräuchte noch einige Gesprächsrunden mit dem Dorfvorstand, um belastbare Zahlen zu präsentieren.

Wesentlich konkreter wurde an diesem Punkt Dorfvorsteher Hilbert Neumann, der aus einem internen Papier der Verwaltung zitierte. Für 55 Anschlüsse seien hier Investitionskosten von 1,05 Millionen Euro veranschlagt worden. „Wie kommt man zu solchen Zahlen? Sie sind für uns absolut nicht nachvollziehbar“, so Neumann. Seine Berechnungen würden sich lediglich auf 850 000 Euro
belaufen. Besonders beim Grunderwerb seien die Kosten viel zu hoch angesetzt. Eklatant ist auch die Differenz bei den Abwassergebühren. Während die Gemeinde acht Euro pro Kubikmeter veranschlagen würde, käme Neumanns „Abwassergruppe“ auf lediglich 2,19 Euro. Kostentreiber seien hier die Unterhaltungskosten. „Man will jedes Jahr 770 Stunden unsere Anlagen kontrollieren, also 14 Stunden pro Anlage.“ Das Papier der Verwaltung gehe von einem jährlichen Wartungsaufwand in Höhe von 42 000 Euro aus.

Neumann glaubt, dass die Gemeinde die Zahlen absichtlich zu hoch angesetzt hat. „Man hat mit allen Möglichkeiten versucht, unsere dezentrale Lösung zu verhindern. Es kann mir keiner erzählen, dass Fachleute so weit daneben liegen. Die Zahlen waren von Anfang an nicht nachvollziehbar.“ Mit diesen Sätzen sprach der Dorfvorsteher den Gießelradern offensichtlich aus der Seele und erntete kräftigen Applaus.

Zimmermann wollte die Zahlen nicht weiter kommentieren. Das Papier sei ein Arbeitsentwurf für interne Besprechungen gewesen. „Ich kommuniziere keine Zahlen, die nach außen nicht belastbar sind.“ Neumann verkündete im Gegenzug, dass sich beide Parteien in den Gesprächen bereits angenähert hätten. Derzeit gehe man etwa von 14 000 Euro Unterhaltungskosten im Jahr aus. Ein Wert, den
der Kommunalpolitiker auch weiterhin für zu hoch hält.

Wesentlich weniger Gegenwind bekam Zimmermann indes beim Thema Biogasanlage. Diese hätte im vergangenen Jahr eigentlich aus rechtlichen Gründen stillgelegt werden sollen, erhielt
ihren Priviligierungsstatus jedoch kurzfristig wieder, nachdem ein Betreiberwechsel stattgefunden hatte. Unter der Zustimmung der Gießelrader vereinbarte er mit dem Dorfvorstand Gespräche, um nach Lösungen für die Anwohner der Sibliner Straße zu suchen, durch deren Gasse der Verkehr zur Biogasanlage rollt.

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