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Ostholsteiner Anzeiger

20. Oktober 2017 | 20:30 Uhr

Freispruch : Vergewaltigung nicht zu beweisen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Gericht stellt Verfahren gegen 20-jährigen Eutiner ein, der einer 13-Jährigen Drogen gab und sich dann an ihr vergangen haben soll

shz.de von
erstellt am 04.Feb.2014 | 00:34 Uhr

Der Vorwurf gegen einen 20-jährigen Eutiner wog schwer. Im Juni vergangenen Jahres soll er in seiner Unterkunft in Eutin ein damals 13-jähriges Mädchen vergewaltigt haben. In der Beweisaufnahme deutete zwar vieles darauf hin, dass die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft stimmen, doch zu einer Verurteilung kam es gestern vor dem Eutiner Schöffengericht trotzdem nicht: „Wir sind einvernehmlich der Auffassung, dass wir den Anklagevorwurf nicht ohne Zweifel feststellen können“, erklärte der Vorsitzende Richter Otto Witt. Zuvor hatte sich das Gericht mit dem Verteidiger und der Staatsanwältin zu einem rund halbstündigen Rechtsgespräch hinter verschlossenen Türen zurückgezogen.

Übereinstimmend hatten der Angeklagte und die heute 14-jährige Zeugin zuvor geschildert, dass sie sich erst am Tag des Geschehens auf dem Marktplatz kennengelernt hatten. Über das, was danach geschah, gingen die Darstellungen allerdings erheblich auseinander.

Glaubt man dem Angeklagten, der als Asylbewerber mit Duldung in Eutin lebt, habe das Mädchen behauptet, bereits 17 Jahre alt zu sein und sich ihm regelrecht aufgedrängt. „Sie hat sich mir ständig genähert“, übersetzte die Dolmetscherin des Angeklagten mehrmals. Deshalb habe er sie auch mit zu sich auf sein Zimmer genommen. Sie habe behauptet, allein zu sein und habe ihm auch leid getan. Die Initiative zum Liebesspiel sei von dem Mädchen ausgegangen. „Sie hat sich auf mich gelegt und versucht mich zu küssen.“ Schließlich habe sie sich und ihn ausgezogen, dann sei es zum Geschlechtsverkehr gekommen. „Sie wollte das alles selber“, beteuerte der junge Mann.

Ganz anders hörte sich die Geschichte aus dem Mund der 14-Jährigen an, die vor Gericht trotz des Erlebten gefasst wirkte. Eigentlich habe sie gar keinen Kontakt zu dem Angeklagten gewünscht, schilderte sie. Dann habe er ihr allerdings „Gras“ angeboten. Da sie zum damaligen Zeitpunkt oft Alkohol und Drogen konsumiert und ein Verlangen danach gespürt habe, habe sie sich darauf eingelassen, das Haschisch bei ihm zu konsumieren.

In der Wohnung rauchten beide das Rauschmittel mit einer Wasserpfeife. Dann habe der Angeklagte sich ihr genähert. Gegen ihren Willen habe er sie geküsst und ausgezogen, berichtete das Mädchen. Wegen des konsumierten Rauschgifts habe sie sich kaum gewehrt: „Da war ich schon voll ,stoned‘. Ich hab das gar nicht realisiert“, schilderte die Zeugin ihre hilflose Situation. Zwar habe sie versucht, ihre Hose festzuhalten und den Geschlechtsverkehr durch Zusammendrücken der Beine zu verhindern, doch das sei ihr nicht gelungen. Statt dessen habe sie die Situation weinend über sich ergehen lassen.

Unmittelbar nach dem Geschehen ließ sich die Zeugin von dem Angeklagten zu einer Freundin bringen. „Sie war aufgelöst, so habe ich sie noch nie gesehen“, schilderte die Freundin. Deren Mutter bestätigte den Eindruck: „Sie hat 15 Minuten lang geweint ohne Pause.“ Die Mutter informierte die Eltern des Mädchens, die die Polizei einschalteten. Auf deren anraten erfolgte eine Untersuchung im Krankenhaus, wo der Geschlechtsverkehr bestätigt, aber keine größeren Verletzungen festgestellt wurden.

Es sei durchaus nicht so, dass das Gericht den Eindruck habe, die Zeugin habe gelogen, betonte Amtsrichter Witt. Dennoch reiche das nicht für eine Verurteilung, denn: „Dazu gehört auch die zweifellose Feststellung, dass derjenige, der den Geschlechtsverkehr vollzieht, den Eindruck hat, dass dieser von der anderen Seite nicht gewollt ist.“ Und da blieben offenbar selbst der Staatsanwältin Zweifel. Aufgrund der sprachlich schwierigen Verständigung zwischen dem Angeklagten und der Zeugin sei auch nicht sicher, dass er wirklich gewusst habe, dass das Mädchen erst 13 Jahre alt gewesen sei, führte Witt weiter aus.

Was aus strafrechtlicher Sicht blieb, war die Abgabe von Drogen an eine Minderjährige. Diesen Vorwurf sehe man zwar als bewiesen an, erklärte Witt. Jedoch beließ es das Gericht in diesem Punkt bei einer Ermahnung und stellte das gesamte Verfahren ein.

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