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Verfahren gegen Polizeischüler wurde eingestellt

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Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

23-Jähriger hat seine Ex-Freundin bedroht – und muss 600 Euro zahlen

shz.de von
erstellt am 15.Dez.2016 | 00:00 Uhr

„Ich werde dich finden, du Hure ...und dich beenden...ich werde nicht mehr ertragen, was du mir angetan hast.“ Für diese Bedrohung, die der einstige Polizeischüler Hakim I.* (23) seiner Ex-Freundin per Facebook-Nachricht schickte, musste er sich gestern vor dem Eutiner Amtsgericht verantworten.

Hakim I. versuchte sachlich und selbstreflektiert die Umstände des vergangenen Sommers zu schildern: „Ich habe dienstliche und private Probleme gehabt. Ich war mitten in der Klausurenphase, durfte nicht durchfallen, sonst wäre ich entlassen worden und in dieser Zeit ist auch noch meine Großmutter gestorben.“ All das, zusätzlich zur vorangegangenen Trennung von Tanja P.* (21) nach etwa zwei Jahren Beziehung, habe bei ihm zu dieser „emotionalen Kurzschlussreaktion“ geführt, wie er gestern die Facebook-Nachricht beschrieb. Er habe damit lediglich erreichen wollen, dass sie ihn nicht laufend kontaktiere – „ich wollte einfach, dass sie weg ist und dass ich meine Ruhe habe“.

Aus Tanja P.’s Sicht klang das anders: Es sei nicht das erste Mal gewesen, dass er ihr gedroht habe, „aber das Heftigste“. Drohungen habe sie immer dann bekommen, wenn etwas nicht so lief, wie Hakim I. sich das vorstellte oder er dachte, sie sei ihm fremdgegangen. „Wir hatten vorher auch schon über Schluss machen gesprochen, aber er versuchte mich immer wieder von einer Beziehung mit ihm zu überzeugen. Doch diesmal war es vorbei für mich“, sagt sie vor Gericht mit leiser Stimme.

Auf Nachfrage des Richters, ob sie auch heute noch Angst habe, antwortete sie leise „ja“. „Er hat mir immer gesagt: ‚Wenn ich deinetwegen meinen Job verliere, dann bist du tot‘. Und jetzt hat er seine Kündigung bekommen. Dieses Verfahren wird seine Wut auf mich wachsen lassen.“ Ihr sei auch heute noch nicht an einer Strafverfolgung gelegen, sagt sie: „Ich versuche alles zu vermeiden, was uns wieder zusammenbringt, so wie dieses Verfahren. Und ich möchte nicht, dass es negative Auswirkung auf unser beider Leben hat.“ Die Anzeige, die letztlich zum Verfahren führte, hatte sie nicht selbst erstattet.

Abschließend will Richter Otto Witt wissen, ob er sich entschuldigt hat, wie er zuvor dem Gericht glaubhaft machte: „Eher gerechtfertigt“, antwortete sie kurz und fügte dann hinzu: „Er hat sich vorher auch für viele Sachen entschuldigt. Das hat ihn aber nicht davon abgehalten, es beim nächsten mal wieder zu tun.“ Hakim I. schaute seine Ex-Freundin während der ganzen Zeit nicht an – nur für den einen letzten Satz, den er ihr sagte, bevor sie den Saal verließ: „Ich wollte mich noch einmal ausdrücklich dafür entschuldigen.“

Seine Verteidigerin bat um Unterbrechung mit ihrem Mandanten. Danach verständigten sich Richter, Staatsanwalt und Verteidigung auf eine Einstellung des Verfahrens gegen die Zahlung von 600 Euro an die Hospizinitiative bis Ende Januar 2017. Der Angeklagte stimmte dem zu. Sein Vorteil: Durch die Einstellung hat er weder die Kosten des Verfahrens zu tragen, noch einen Eintrag im Register zu fürchten, was für die Jobsuche nicht unerheblich sein dürfte. Seit zwei Wochen ist der einstige Polizeischüler nicht mehr Beamter auf Widerruf. Er habe etwas Neues im Auge, sagte er auf Nachfrage. Tanja P. wünscht sich für die Zukunft nur „Ruhe von ihm“.


*Name geändert

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