Verfahren eingestellt – Angeklagter wird abgeführt

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08. August 2018, 11:20 Uhr

Wegen räuberischer Erpressung unter Androhung von Gewalt stand ein Eutiner gestern vor Gericht. Der 64-Jährige hatte von seinem Freund an die 400 Euro gefordert, die der unerlaubterweise mit der Bankkarte des Angeklagten von dessen Konto abgehoben haben soll. Am Ende konnte das Schöffengericht um Richterin Anja Farries das Verbrechen nicht nachweisen und wertete ausschließlich die Schläge des Angeklagten als vorsätzliche Körperverletzung unter erheblichem Alkoholeinfluss. Das Gericht stellte das Verfahren unter Arbeitsauflagen ein. Der Eutiner hat 75 Sozialstunden abzuleisten.

Damit war der Angeklagte aber noch längst nicht aus dem Schneider. Denn auf den arbeitslosen Mann wartete bei Prozessende die Polizei, die ihn in die Justizvollzugsanstalt brachte. Der Eutiner Arbeitslose hatte frühere Geldstrafen nicht beglichen.

Im gestrigen Prozess hörten Richterin Farries und die beiden Schöffenrichter drei Zeugen, die mehr oder weniger freiwillig einen ähnlichen Tathergang schilderten. Demnach wohnte der angeklagte Eutiner zu der Zeit bei seinem Freund am Lindenbruchredder, weil es bei dem 64-Jährigen am Meinsdorfer Weg Wochen zuvor gebrannt hatte. Am Tattag, dem 4. Juni des vorigen Jahres, forderte der Angeklagte von seinem Freund Geld. Dem 52-Jährigen Freund habe er vorgeworfen, mehrmals Geld vom Konto abgehoben zu haben, insgesamt mindestens 380 Euro. Die beiden Freunde hätten an dem Pfingstsonntag viel Alkohol getrunken. Während der Angeklagte von 32-prozentigem Korn mit weißer Brause berichtet hatte, sprach einer der Zeugen auch von Bier.

Doch nicht nur da unterschieden sich die Aussagen der Zeugen einerseits und die des Angeklagten andererseits. Vor allem bei den Schilderungen der Gewalttaten kamen die Zeugen mit dem Angeklagten nicht überein.

Die Zeugen schilderten, wie der 64-Jährige seinen 52-jährigen arbeitslosen Freund und auch dessen 59-jährige Freundin mit der flachen Hand geschlagen, den Freund von der Toilette geholt und die Freundin an der Flucht aus der Wohnung gehindert habe. Die 59-Jährige schaffte es am Ende doch und informierte danach sofort die Polizei.

Die Beamten hatten die Frau mit blutiger Kleidung vorgefunden. Nach einigen Erinnerungsschwierigkeiten war sich die Zeugin dann sicher, dass es nicht ihr Blut, sondern das ihres Freundes gewesen sei. Der als Zeuge geladene Polizist erschien gestern aus Urlaubsgründen nicht.

Eingangs hatte der Angeklagte versichert, dass er seinen Freund nur mit den Kontoauszügen konfrontiert, aber nicht geschlagen habe. Auch Fragen von Richterin Farries, ob er mit 2,66 Promille Atemalkohol an dem Abend nicht aggressiv gewesen sein könne, wies der Mann, der mit eingegipster Nase erschienen war, von sich. Am Ende gab er auf Rat seines Anwalts die Schläge zu.

Das war die Voraussetzung für das Gericht, den Vorwurf der räuberischen Erpressung fallen zu lassen und für die vorsätzliche Gewalt, 75 Stunden Sozialarbeit unter Weisung der Gerichtshilfe zu leisten. Das kann der Angeklagte allerdings erst, wenn er 50 Tage Haft abgesessen hat.

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