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Ostholsteiner Anzeiger

18. Dezember 2017 | 04:44 Uhr

Verdirbt Lesen unter der Decke die Augen?

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Experten diskutieren im Schloss Plön über weltweite Zunahme von Kurzsichtigkeit

von
erstellt am 11.Mär.2015 | 12:47 Uhr

„Ließ nicht unter der Bettdecke, du verdirbst dir die Augen“. Diese Ermahnung kennen fast alle Menchen aus ihrer Kindheit. Bis heute versuchen Eltern ihre Kinder vom heimlichen Lesen im Schummerlicht abzuhalten.

Aber stimmt dies wirklich? Werden die Augen durch schlechtes Licht geschädigt? Welche Sehgewohnheiten bringen Nachteile für die Entwicklung der Augen? Sehexperten aus ganz Deutschland diskutierten beim 28. Fielmann-Akademie-Kolloquium auf Schloss Plön über Ursachen der Kurzsichtigkeit.

Brillen sollen oft Kurzsichtigkeit korrigieren. Die sogenannte Myopie entsteht durch zu starkes Längenwachstum der Augen. Bei Menschen, die ohne Brille gut sehen, hat die Natur Präzisionsarbeit geleistet. Bereits eine Abweichung von einem zehntel Millimeter von der korrekten Augenlänge sorgt für Einbußen bei der Sehschärfe.

Die gute Nachricht: zumeist lässt sich die Fehlsichtigkeit problemlos mit Brille oder Kontaktlinse korrigieren. Auffallend ist jedoch, dass die Zahl der Kurzsichtigen in den vergangenen Jahrzehnten weltweit deutlich zunimmt.

Der international renommierte Myopie-Forscher Prof. Frank Schaeffel von der Universität Tübingen erläutert: „Besonders stark ist die Zunahme in Asien. In großen Städten sind mittlerweile über 80 Prozent der jungen Menschen betroffen. In nur zehn Jahren haben sich die Zahlen verdoppelt“. Die Fachleute fragen sich natürlich nach der Ursache dieses Anstiegs. Bereits Ende der 80er Jahre wies Schaeffel bei Hühnerküken nach, dass Kurzsichtigkeit nicht zufällig entsteht. Er setzte Tieren spezielle Brillen auf und beeinflusste damit das Wachstum der Augen.

Es sind aber verschiedene Faktoren, die am Ende die Stärke der Brille festlegen. „Natürlich spielt auch die Vererbung eine wichtige Rolle“, so Schaeffel. Kinder kurzsichtiger Eltern tragen deshalb ein erhöhtes Risiko, selbst kurzsichtig zu werden.

Damit lässt sich jedoch der massive Anstieg der Kurzsichtigen nicht erklären. Es muss mit den Lebensumständen der Industriegesellschaft zu tun haben. Sobald Kinder in die Schule kommen und auch später an der Universität ist ein Fortschreiten der Kurzsichtigkeit zu finden. Längere Naharbeit begünstigt offensichtlich die Entwicklung der Myopie.

Der Zusammenhang ist aber komplizierter. „Die Naharbeit alleine erklärt nur einige Prozent der Kurzsichtigkeiten“, so Schaeffel. Dafür hat sich etwas anderes gezeigt: Kinder, die sich viel im Freien aufhalten, werden weniger kurzsichtig als Altersgenossen, die die Wohnung nur selten verlassen.

Aus Hühnerexperimenten leitete Schaeffel ab, dass helles Licht, wie es die Sonne bietet, das übermäßige Augenwachstum bremsen kann. Schaeffel: „Wir beginnen erst langsam zu verstehen, wie das Wachstum der Augen gesteuert wird. Wir wissen aber heute schon, dass Kinder viel im Freien spielen sollten, um der Kurzsichtigkeit entgegen zu wirken“.

Kurzsichtigkeit lässt sich zwar mit Brille und Kontaktlinse gut korrigieren, mit zunehmender Stärke erhöht sich aber das Risiko für Schäden am Auge. Prof. Anselm Jünemann, Direktor der Universitäts-Augenklinik Rostock erklärt: „Netzhautablösung, Netzhautdegeneration, grauer und grüner Star können Spätfolgen der Kurzsichtigkeit sein“. Deshalb sollten Betroffene regelmäßig zu einer augenärztlichen Untersuchung gehen. „Frühzeitig erkannt, können viele Folgeschäden gut behandelt werden“, so Jüneman

Einig waren sich die Experten in einem Punkt: Gelegentliches Lesen unter der Bettdecke ist nicht schädlich. Stundenlanges Computerspielen ohne Pausen im Freien dagegen schon.

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