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Ostholsteiner Anzeiger

28. Juli 2017 | 02:52 Uhr

Verbindungen mit langer Tradition

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Beim traditionellen Deutsch-Amerikanischen Abend der Freunde von Lawrence standen historische und aktuelle Kontakte im Mittelpunkt

Ein „volles Haus“ gab es beim Deutsch-Amerikanischen Abend, den der Partnerschaftsverein „Freunde von Lawrence“ am Donnerstag zum zweiten Mal im Casino der Rettberg-Kaserne organisiert hatte. Neben der zwanglosen Begegnung von Studenten und Schülern aus der US-Partnerstadt Lawrence mit Gasteltern, Vereinsmitgliedern und Gästen stand der Blick auf aktuelle wie historische Verbindungen zwischen Eutin und den USA im Mittelpunkt.

Angesichts des aktuellen Austausches – 13 Studenten, acht Schüler und eine Berufspraktikantin sind zurzeit in Eutin – resümierte Vereinsvorsitzender Martin Vollertsen, dass alle Austauschprogramme zwischen Eutin und Lawrence in diesem Jahr aktiv seien – mit einer Ausnahme: Leider verzichteten die Eutiner Festspiele in diesem Jahr auf eine Zusammenarbeit mit dem Institut für Musik der Kansas-Universität, „was wir sehr bedauern.“ Insgesamt reisten dieses Jahr etwa 50 Personen wieder über den Atlantik in die jeweilige Partnerstadt.

Arne Scholz, ehemaliger Voß-Lehrer und mittlerweile in Lawrence lebend, begleitet die acht Highschool-Schüler aus Kansas, die in Eutin sind. Er betonte in den Grußworten die enorme Bedeutung von Gasteltern bei der Unterbringung von Studenten und Schülern: „Ohne die Gasteltern würde hier gar nichts funktionieren.“ Andrea Meyertholen, Betreuerin der Studenten, stellte fest: „Es ist eine große Ehre, an der Freundschaft und Städtepartnerschaft teilnehmen zu dürfen.“

Die reicht, wie Bürgervorsteher Dieter Holst rekapitulierte, in das Jahr 1964 zurück, als Professor Helmut Huelsbergen eine norddeutsche Stadt suchte, in der sich ein Sommersprachseminar für Germanistik-Studenten organisieren ließe – nachdem Huelsbergen mit einer Reise nach Bayern schlechte Erfahrungen gesammelt hatte.

In der Universitätsstadt Kiel fand er mit seinem Anliegen kein Gehör, dort empfahl man ihm eine Reise nach Lübeck – die in Eutin endete. 1966 kamen 21 Studenten aus Lawrence zu einem Deutsch-Intensivkursus nach Eutin. Seither gab es kein Jahr, in dem keine Studenten ein „Summer KU German Language Institute“ in Eutin absolvierten.

Holst würdigte auch die Verdienste von Helmut Scheewe an der Partnerschaft, Scheewe war auch treibende Kraft bei der Gründung eines Freundschaftsvereines und einer Städtepartnerschaft zwischen Lawrence und Eutin. Und der Bürgervorsteher erinnerte an das Engagement Martin Vollertsens bei der Pflege Partnerschaft.

Vollertsen selbst richtete den Fokus auf eine Frau, von der er wertvolles Material für die Ausstellung bekam, die 2014 unter dem Titel „Das bessere Leben“ in Eutin und ein Jahr später auch in Lawrence gezeigt wurde. Mit ihr wurde der Weg von Eutinern geschildert, die in den USA Karriere gemacht hatten.

Elke Struve-Dencher (Jahrgang 1936) hat aus dem Nachlass ihres Mannes Andreas Dencher (Jahrgang 1916) eine Sammlung von Briefen, die der Eutiner August Wilhelm Otto (1830-1867) an seine Familie in der Heimat geschrieben hatte. August Otto war Oberstleutnant in der Army of the Potomac der Nordstaaten. Der Eutiner nahm an der berühmten Schlacht von Gettysburg (1. bis 3. Juli 1863) in Pennsylvania teil, die als ein Wendepunkt im US-amerikanischen Bürgerkrieg gilt.

Ottos Briefe seien wertvolle Zeitdokumente, sagte Volertsen, und seine Nachfahrin Elke Struve-Dencher habe sie nicht nur in lesbare Schrift übersetzt, sondern auch in Buchform publiziert.

Der 1867 in den USA verstorbene August Otto war Sproß einer interessanten Familie. Die Großmutter von Andreas Dencher war Emma Dencher, geborene Otto (1858–1940). Sie war Kastellanin im Schloss, Tochter von Oberforstmeister Christian Friedrich Ferdinand Otto (1820–1901) und dieser wiederum ein Vetter des Gettysburg-Veteranen August Wilhelm Otto.

Emma Dencher bekam die Anstellung durch ihren Vater, sie wohnte in einem Teil der damaligen Reithalle. Viele Angehörige der Familie Otto waren beim Großherzog im Ostholsteinischen tätig.

Elke Struve-Denchers Mann Andreas Dencher (Jahrgang 1916) half seinem Onkel Georg Struve nach dem Zweiten Weltkrieg, den Betrieb Struve’s Buchdruckerei und Verlag wieder in Gang zu bringen, in dem der Ostholsteiner Anzeiger bis zum Jahr 2009 erschien.

Andreas Dencher wurde 1964 von dem kinderlosen Verleger Georg Struve adoptiert, damit der Familienname erhalten blieb. Die Firma ging aber nach dem Tod von Georg Struve an die ebenfalls verwandte Familie Wachholtz in Neumünster.

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erstellt am 23.Jun.2017 | 14:54 Uhr

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