Eutin : Verbales Kräftemessen endet vor Gericht

Das Eutiner Amtsgericht stellte das Verfahren gegen Zahlung von Schmerzensgeld ein.
Das Eutiner Amtsgericht stellte das Verfahren gegen Zahlung von Schmerzensgeld ein.

Er ist zwar Berufskraftfahrer. Das hielt einen Busfahrer aber nicht von fragwürdigem Verhalten im Straßenverkehr ab.

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09. Januar 2019, 11:35 Uhr

Eutin | Cholerisches Verhalten und Rechthaberei führen schnell zu Ärger. Das erfuhr ein Busfahrer, der mit seinem Privat-Pkw einen Lkw-Fahrer am Knie verletzt hatte. Der Lkw-Fahrer hatte sich dabei ebenso in Rage geredet wie der Angeklagte, der in dieser Woche in Eutin vor Gericht stand. Amtsrichterin Anja Farries stellte das Verfahren gegen eine Zahlung von 300 Euro vorläufig ein.

Dem 60-jährigen Oldenburger warf die Staatsanwaltschaft fahrlässige Körperverletzung und Unfallflucht vor. Dem Busfahrer drohte ein einmonatiges Fahrverbot.

Der Vorfall ereignete sich am 15. Mai vergangenen Jahres. An diesem Tag habe er gerade seinen Personenbeförderungsschein verlängern lassen, berichtete der Angeklagte. Davon habe er einem in Röbel wohnenden Kollegen berichten wollen. An der Röbeler Kreuzung zur B 76 trafen dann Angeklagter und Zeugen aufeinander. Der Oldenburger wollte die K 61 nach Röbel befahren, als sich ihm Lkw-Fahrer in den Weg stellten und erklärte, dass er nicht durchkomme. Damals waren die Straßen wegen der Sanierung der B 76 gesperrt, die K 61 nur für Busse freigegeben. „Haben Sie das Verkehrszeichen ‚Durchfahrt verboten‘ gesehen?“, fragte Richterin Farries den Angeklagten. „Nein“, sagte der erst, räumte dann ein, „das mag ich wohl gesehen haben, bin dann aber durchgefahren.“ Ihm seien vorher Pkw aus der Straße nach Röbel entgegengekommen.

Als der Angeklagte scheinbar zurücksetzen wollte, trat der Lkw-Fahrer von dessen Wagen zurück. Doch daraufhin fuhr der Oldenburger wieder vor, worauf der Lkw-Fahrer erneut vor das Auto sprang. Er wurde vom Fahrzeug am Knie getroffen und trug eine Prellung davon, wie sich im Krankenhaus zeigte.

Ohne Weiteres zu klären, wendete der Angeklagte und fuhr Richtung Bockholt davon. „Ich wollte mich beruhigen“, sagte der 60-Jährige. Er sei nach 500, 600 Metern umgekehrt und wieder zur Kreuzung gefahren, aber auf der anderen Seite an der Scheune stehen geblieben.

„Hat es gegenseitige Beleidigungen gegeben?, wollte Richterin Farries wissen. „Natürlich haben die mich beleidigt“, antwortete der Berufskraftfahrer. „Haben Sie die anderen auch beleidigt?“, fragte sie nach. „Ja, natürlich“, gab der Oldenburger zu. Auch die Zeugen bestätigten beiderseitige Pöbeleien. „Mit dem Herrn war es einfach nicht möglich, ein vernünftiges Wort zu sprechen“, erinnert sich der Zeuge, der die Prellung davon trug. Die Rückkehr des Angeklagten an den Unfallort hätten sie erst nach Eintreffen der Polizei bemerkt.

In anderen Details, wie einer Delle in der Motorhaube und der Pkw-Farbe, stimmten die Aussagen nicht überein. Das hielten Farries und Rechtsreferendar Max Brocks von der Staatsanwaltschaft für weniger wichtig. Der Richterin war vielmehr an der Einsichtsfähigkeit des Angeklagten interessiert. „Sie sind Berufskraftfahrer. Ist das Verständnis da, dass Sie hätten den anderen Weg nehmen müssen?“, fragte sie. Der Busfahrer antwortete: „Ja, natürlich.“

Das reichte dem Gericht in Absprache mit der Staatsanwaltschaft, das Verfahren gegen 300 Euro Schmerzensgeld für den Lkw-Fahrer einzustellen. Mit der tatsächlichen Zahlung bis Monatsende wären nicht nur das Verfahren mit drohendem Urteil abgewendet, sondern auch das Fahrverbot.

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