Veränderungssperre am Vogelberg

Jetzt sollen Jüngere ran: Dr. Henning Höppner tritt bei den Kommunalwahlen nicht mehr für ein Mandat in der Plöner Ratsversammlung an.
Jetzt sollen Jüngere ran: Dr. Henning Höppner tritt bei den Kommunalwahlen nicht mehr für ein Mandat in der Plöner Ratsversammlung an.

Bewohner übten im Stadtentwicklungsausschuss und danach in der Ratsversammlung erhebliche Kritik an Bauplanung der Stadt Plön

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30. Mai 2018, 22:19 Uhr

Die Anwohner des Vogelbergs sind ziemlich sauer. Der Stadtentwicklungsausschuss hat am Mittwochabend einen Aufstellungsbeschluss für einen B-Plan für ihr Gebiet gefasst und die Ratsversammlung in ihrer letzten Sitzung der Legislaturperiode gleich hinterher eine Veränderungssperre für das Gebiet südlich der Rodomstorstraße, nordöstlich der Parkstraße und westlich des Langenbuschs beschlossen – beides allerdings gegen die Stimmen der CDU.

Damit geht erst einmal in den nächsten zwei Jahren auf dem Vogelberg bautechnisch nichts mehr. Offenbar waren die Stadtplaner erst auf den fehlenden Bebauungsplan aufmerksam geworden, als ein Bewohner einen Bauantrag gestellt hatte. Die Stadt ist der Auffassung, dass die Bauvoranfragen dem dortigen Siedlungscharakter auf dem Vogelberg nicht entsprechen. Deshalb werden durch den Aufstellungsbeschluss eines B-Planes und dem Erlass einer Veränderungssperre das bisherigen Verfahren gestoppt.

Anwohner Ralf Christen war mit knapp 30 Anwohnern zur Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses gekommen und verstand die Welt nicht mehr: „Das alles wegen einer Bauvoranfrage?“ Er hätte sich für die Anwohner eine frühere Einbindung gewünscht: „Mit dem kostenintensiven Plan-Vorhaben wird die ganze Nachbarschaft in Geiselhaft genommen.“

Bürgermeister Lars Winter stellte klar, dass die Öffentlichkeit im anstehenden Verfahren beteiligt wird. Damit werde auch der Prozess gestaltet. Es gehe nicht um die Familie, die die Bauvoranfrage gestellt habe, sondern um Verfahrensfragen. Ohne die jetzt gefassten Beschlüsse sei die Bauvoranfrage genehmigungsfähig gewesen. Doch die Stadt habe die Planung im Blick und das geplante Bauvorhaben passe nicht in die Straßen-Optik. Ingo Buth (parteilos) stellte klar, dass ein B-Plan die Nachbarschaft schätzen könne und sie nicht in „Geiselhaft“ nehme. Einen B-Plan hält er „für nicht zwingend erforderlich“. Auch Gernot Melzer (CDU) sah dafür keine Erfordernis: „Die Familie muss bauen dürfen.“ So ein B-Plan könne auch bremsen und sollte lieber dort eingesetzt werden, wo es freie Flächen auf Grundstücken gebe.

Bernd Möller (SPD) stellte klar, Ziel des B-Plans sei die Steuerung einer geordneten städtebaulichen Entwicklung. Die Anwohner würden in den Prozess einbezogen. Ursula Soltau (SPD) stellte klar, dass das Vorgehen der Stadt „der Regelfall“ sei. Dr. Henning Höppner (SPD) sieht in Plön ein „städtebauliches Kleinod“: „So ein B-Plan ist eine historische Verpflichtung für die Stadt“ und dabei gehe es auch um den Nachbarschutz, weil durch die geplante Baumaßnahme ein benachbartes Grundstück erheblich an Wert verliere. Thomas Roth (SPD) verließ wegen Befangenheit die Ratsversammlung beim Beschluss über die Veränderungssperre.

Jan Zender (CDU) erinnerte daran, dass der Bauherr seine Pläne mehrfach an die Maßgaben der Stadt angepasst habe und dass die Anwohner offensichtlich damit alle zufrieden seien. Dr. Detlef Erdtmann (FWG) sprach von einer „öffentlichen Aufgabe unter Einbeziehung privater Eigentümer“. Für eine Beteiligung der Bürger werde im Verfahren hinreichend gesorgt.

Im Ausschuss für Stadtentwicklung stimmten außer den beiden CDU-Vertreter die SPD, die Grünen und die FWG für einen Aufstellungsbeschluss und die Veränderungssperre. In der Ratsversammlung stimmten die CDU-Fraktion geschlossen mit Frank Evers (FWG) gegen die Veränderungssperre, SPD, Grüne, Buth und Rest-FWG dafür. Gabriele Killig (FDP) enthielt sich.

Das Votum für die Veränderungssperre konnte auch Kim Hasse vom Vogelberg in einem engagierten Vortrag in der folgenden Einwohnerfragestunde der Ratsversammlung in der Schiffsthalaula nicht verhindern. Er verstand nicht, welche Gründe gegen das geplante Bauvorhaben sprechen. Jan Zender (CDU) fragte in der Ratsversammlung, welche Interessen von den gewählten Vertretern eigentlich vertreten würden? Doch wohl die der Bürger! Die Kosten von bis zu 30 000 Euro für das jetzt eingeleitete Bauvorhaben könnte Plön gut in andere Projekt stecken, wo es besser angelegt sei - zum Beispiel im Baugebiet „Trammer See“.

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