VdK warnt: Kommunen nicht gerüstet

Folgen der wachsenden Zahlen Pflegebedürftiger

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04. Juni 2014, 11:34 Uhr

Auf die Kommunen in Schleswig-Holstein kommt in den nächsten Jahrzehnten ein massives Pflegeproblem zu. Wenn die örtlichen Versorgungsstrukturen nicht stärker an den wachsenden Anteil pflegebedürftiger und demenzkranker Menschen angepasst würden, gelte das auch für die Kreise Ostholstein und Plön, warnt der Sozialverband VdK. Er hat Daten von den Statistischen Landes- und Bundesämtern, dem Pflegereport 2030 der Bertelsmann Stiftung sowie dem Statistischen Landesamt ausgewertet.

Im Jahr 2011 gab es demnach im Kreis Ostholstein 6500 Pflegebedürftige (Pflegestufe I bis III). Die Zahl wird nach Experteneinschätzungen bis zum Jahr 2030 um 46 Prozent auf 9500 ansteigen. Voraussichtlich 5800 Menschen im Kreis werden die Diagnose Demenz haben. Im Kreis Plön wird die Zahl der Pflegebedürftigen voraussichtlich um 64 Prozent von 3700 auf auf 6100 anwachsen, geschätzt 3300 Menschen werden dement sein.

„Der Kreis und die Kommunen müssen sich dringend mit dem steigenden
Anteil alter, pflegebedürftiger und demenzerkrankter Menschen auseinandersetzen“, fordert VdK-Bezirksverbandsvorsitzender Hans-Jürgen Albien. Die heutige Versorgungslandschaft sei darauf nur unzureichend ausgerichtet. Pflege finde vor Ort statt – in den Städten und Gemeinden. Ein wichtiges Ziel der Lokalpolitik müsse es daher sein, die kommunalen Strukturen im Hinblick auf altengerechtes Wohnen und Leben zu stärken.

Eine zukunftsorientierte Pflege- und Seniorenpolitik beginnt für den VdK beispielsweise bei der kommunalen Planung. Kommunen und Kreise müssten eine Bestandsaufnahme der Wohn- und Lebenssituation sowie des Bedarfs der Bürger an sozialen, Wohn-, Pflege-, Versorgungs- und Dienstleistungsangeboten vornehmen. Die Erkenntnisse sollten in ein seniorenpolitisches Gesamtkonzept einfließen. Auch das Angebot an Wohn- und Pflegeberatung sollte ausgebaut werden, etwa durch wohnortnahe Wohnraumberatungsstellen und Pflegestützpunkte.

Untersuchungen hätten gezeigt, dass bundesweit 95 Prozent der älteren Menschen täglich mit erheblichen Barrieren in ihrer Wohnung konfrontiert sind. Barrierefreies Wohnen müsse daher ein vorrangiges Ziel der kommunalen Wohnungspolitik werden. Ebenso erfordere ein altersgerechtes Wohnumfeld auch Barrierefreiheit im öffentlichen Raum und einen guten, behindertengerechten öffentlichen Nahverkehr.

Besonders wichtig sei es, die Versorgung der Bürger sicherzustellen. Kurzzeit- und Tagespflegeangebote, ambulante Pflege, betreutes Wohnen und alternative Wohnformen müssten entwickelt werden. Kommunen, Kirchen und Vereine seien darüber hinaus gefordert, Nachbarschaftshilfe und ehrenamtliches Engagement zu fördern.

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