Urteil nach Polizeieinsatz bei Abiball

Eutiner Amtsgericht verurteilt 22-Jährigen nach Randale an den Schlossterrassen zu einer Geldstrafe

shz.de von
05. Juli 2018, 00:09 Uhr

Mit dem Abschlusszeugnis in der Tasche wollten die Abiturienten der Weber-Schule vor einem Jahr den Beginn eines neuen Lebensabschnittes feiern. Doch gegen 4 Uhr morgens eskalierte die Situation an den Schlossterrassen , weil ein paar ihrer Gäste sich nicht mehr unter Kontrolle hatten (wir berichteten). Gestern musste sich Kevin H.* (22) , der maßgeblich in den bislang größten Einsatz der Polizei im Kreis Ostholstein bei einer Abi-Party verwickelt war, vor dem Amtsgericht Eutin verantworten.

Der Sicherheitsdienst alarmierte damals die Polizei. Die Mitarbeiter hatten bei einem Partygast Drogen gefunden. Als die Beamten jedoch am Einsatzort eintrafen und den Mann in Gewahrsam nehmen wollten, stießen sie auf massiven Widerstand. Rund 30 Gäste versuchten wiederholt, den Gefangenen aus dem Polizeifahrzeug zu befreien. „Eine so aggressive Stimmung habe ich noch nie bei einem Einsatz erlebt“, sagte der Polizeibeamte. „Für die Menschen vor Ort waren wir die Bösen. Das war eine ganz neue Situation für mich“, erinnerte er sich.

Auch der ungelernte Kevin H. habe sich in der Gruppe befunden. „Bereits kurz nach unserer Ankunft kam er gezielt auf mich zu und hat versucht, mich anzugreifen. Seine Freunde konnten ihn allerdings davon abhalten“, fügte der Zeuge hinzu. Wenig später habe der Angeklagte versucht, seinem Kollegen mit der Faust auf den Kopf zu schlagen. „Das konnte ich nur verhindern, indem ich ihm Pfefferspray in das Gesicht gesprüht habe“, sagte der Polizist.

Die Staatsanwaltschaft klagte Kevin H. deshalb wegen eines Angriffes auf einen Vollstreckungsbeamten und versuchter Körperverletzung an. Der Angeklagte zeigte sich teilweise geständig, konnte sich nach eigenen Angaben aber nicht mehr an den genauen Ablauf des Abends erinnern.

„Innerhalb von sechs Stunden habe ich etwa 30 Gläser Bier getrunken. “, erklärte der Eutiner, der bereits wegen Drogenhandels in sechs Fällen vorbestraft ist. Er bereue seine Taten und habe erfolglos versucht, sich persönlich bei dem Polizeibeamten zu entschuldigen. Als er ihm allerdings im Gerichtssaal gegenüber saß, suchte er keinen Blickkontakt. Die Richterin räumte ihm mehrmals die Chance zur Entschuldigung ein, die er aber ungenutzt verstreichen ließ. „Ich gehe nicht davon aus, dass sich der Angeklagte vernünftig mit seinen Handlungen auseinander gesetzt hat“, schlussfolgerte die Staatsanwaltschaft .

Zudem war Kevin H. bereits nach dem Besuch einer Diskothek mit Polizisten in Konflikt geraten. „Meinen Kollegen war er bekannt“, berichtete der Polizist. Während der Verhandlung befragte Richterin Anja Farries Kevin H. wiederholt zu seiner Einstellung gegenüber der Polizei. „Mich stört, dass Polizisten so viel Macht haben und immer genau wissen, was erlaubt ist und was nicht“, sagte Kevin H. schließlich.

Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch Richterin Anja Farries kritisierten sein Verhalten im Amtsgericht. „Es kann eine gewisse Uneinsichtigkeit festgestellt werden“, sagte die Staatsanwaltschaft.

„Auch unter starkem Alkoholeinfluss machen Menschen nichts völlig Wesensfremdes“, ergänzte die Richterin. Es sei traurig, dass ein Abend, an dem eigentlich eine bestandene Reifeprüfung gefeiert werden sollte, ein solches Ende gefunden habe.

Die Richterin schloss sich dem Antrag der Staatsanwaltschaft an und verurteilte Kevin H. zu einer Geldstrafe von insgesamt 1350 Euro. „Wenn Sie sich nicht alles kaputt machen wollen, muss ab jetzt Disziplin herrschen. Ohne das Teilgeständnis wäre eine Freiheitsstrafe wahrscheinlich gewesen“, ermahnte sie den Angeklagten. Er verließ den Gerichtssaal mit einem Lächeln.


*Namen geändert.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen