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Eutiner Amtsgericht : Urteil gegen Malenter Schläger

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Im Mai 2016 traten zwei Männer auf Hans-Werner Salomon (60) ein, gestern fiel das Urteil gegen den Jüngeren der beiden Täter

shz.de von
erstellt am 06.Feb.2017 | 13:39 Uhr

Mit zehn Monaten auf Bewährung und Otto Witts Mahnung „Wenn Sie das jetzt nicht begreifen, wird es für Sie zappenduster“ verließ gestern ein 19-jähriger Angeklagter als freier Mann das Eutiner Gericht. Auf der Anklagebank saß der Malenter Pascal P.*, weil er im Mai 2016 gemeinsam mit einem Bekannten den damaligen Bürgermeisterkandidaten und CDU-Fraktionschef Hans-Werner Salomon attackiert hatte. Der Mittäter (32) war bereits zu einer Haftstrafe von 14 Monaten ohne Bewährung verurteilt worden.

Die Liste der Anklagepunkte war lang: räuberischer Diebstahl, Beleidigung, Bedrohung, Sachbeschädigung und Körperverletzung. Am Tattag, erinnerte sich Pascal P., sei er mit seinem Freund in Malente unterwegs gewesen. Sie hätten Whiskey getrunken, da war Pascal P. sicher, möglicherweise seien auch Betäubungsmittel im Spiel gewesen. Sein Begleiter habe in der Bahnhofstraße gegen Wahlplakate getreten. „Ich habe mich anstiften lassen“, sagte P. Als dann ein Mann – der pensionierte Polizeikommissar Wolfgang Kienle – hinzukam und die Männer aufforderte, die Plakate wieder aufzustellen, wandten sich P. und sein Kumpel zunächst ab, dann wurden sie aggressiv. So berichtete es Kienle im Zeugenstand: „Als ich sie das erste Mal angesprochen habe, sind sie weitergegangen. Beim zweiten Mal haben sie mir mit den Fäusten gedroht und nach mir getreten.“

Kienle erklärte, er sei infolge einer Verletzung am Bein nur eingeschränkt bewegungsfähig gewesen. Darum habe er auch Hans-Werner Salomon nicht beistehen können, als dieser hinzugekommen sei und die Angreifer zur Rede gestellt habe. „Ich habe gesehen, wie sie bedrohlich vor Herrn Kienle standen“, berichtete Salomon. „Ich habe gerufen ,Ey, was soll das?‘ und sie sind sofort auf mich los, haben mich geschlagen.“ Die ersten Schläge habe er abwehren können, dann habe ihn Pascal P. mit einem Sprungtritt umgeworfen. „Sie haben mit den Füßen auf mich eingetreten“, zudem habe der Angeklagte „einmal gezielt versucht, meinen Kopf zu treffen. Ich konnte das mit der Hand abwehren.“

Salomons Verletzungen – Becken-, Hüft- und Schulterprellungen, eine verstauchte Hand und diverse Abschürfungen – sind verheilt. Doch eines werde er so schnell nicht vergessen, berichtete der Gemeindevertreter: „Ich habe in meinem Leben schon viel gesehen, aber diese Form der Aggressivität ist mir unbekannt.“ Salomon beschrieb den Angeklagten als „weggetreten“, „völlig unzugänglich, wie irre“: „Sein Kumpel hat ihn irgendwann zurückgehalten und selbst dann wollte er sich noch losreißen und wieder auf mich losgehen.“

Seinen leiblichen Vater hat Pascal P. laut eigener Aussage nie kennen gelernt, mit seiner Mutter sei er als Kind viel umgezogen – Köln, Bonn und Malente seien nur einige der Wohnorte gewesen. Sein Stiefvater soll Pascal P. regelmäßig geschlagen haben, „wenn meine Mutter keine Lust dazu hatte“. Laut Gutachter ist der Hartz-IV-Empfänger 2011 zum ersten Mal durch aggressives Verhalten aufgefallen. Daraufhin habe ihn seine Mutter weggegeben und so wechselte Pascal P. von einem Kinder- und Jugendheim zum nächsten. Seit seinem zwölften Lebensjahr seien Cannabis, Heroin, Ecstasy und Speed seine ständigen Begleiter, erklärte Pascal P.

Der Angeklagte ist nach diversen Verfahren wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung oder Beleidigungen gegen Polizeibeamte kein Unbekannter für Amtsrichter Otto Witt. „Wir haben bei Ihnen die ganze Palette der Jugendstrafe durch, angefangen bei guten Worten bis zum Dauerarrest.“ Witt bescheinigte Pascal P. ein „sehr unkontrolliertes und gefährdendes Verhalten“, das der Angeklagte nur über entsprechende Therapien in den Griff bekommen könne. Darum knüpfte der Richter an die Bewährungsstrafe die Bedingungen eines unverzüglichen stationären Entzugs, eines gesetzlichen Betreuers und eines Bewährungshelfers. „Seien Sie sich dessen bewusst: Wenn die erste Kleinigkeit nicht funktioniert, geht es sofort ins Gefängnis“, mahnte Otto Witt ein letztes Mal.

*  Name redaktionell geändert

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