Urteil: 19 Monate Jugendhaft

Eutiner Amtsgericht warf Eutiner gewerbsmäßigen Betrug, Beleidigung und Vertrieb pornografischer Schriften vor

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15. Januar 2018, 11:11 Uhr

Wegen 17 Taten hat sich gestern ein 19-Jähriger vor dem Amtsgericht Eutin verantwortet. Der Eutiner war wegen des gewerbsmäßigen Betrugs, Beleidigung und Verbreitung pornografischer Schriften angeklagt. Am Ende verurteilte das Jugendschöffengericht den Mann zu einem Jahr und sieben Monaten Haft, erlegte ihm eine Therapie und einen Schulabschluss auf. Der Angeklagte hat den entstandenen Schaden von insgesamt rund 3000 Euro zu tragen. Damit folgte Richter Otto Witt den Forderungen der Staatsanwaltschaft. Die Verfahrenskosten braucht der Angeklagte, der über kein Einkommen verfügt, nicht zu tragen. Derzeit sitzt der junge Mann eine vorige Jugendstrafe von zehn Monaten im Jugendarrest in Schleswig ab. Die Strafe wurde bei dem Urteil berücksichtigt. Darüber hinaus kann bei einer erfolgreichen Therapie die Haft zur Bewährung ausgesetzt werden.

Der Eutiner hatte in der Zeit vom 13. September 2016 bis zum 9. Juni 2017 16 Mal Handys oder andere elektronische Kommunikationsgeräte über das Internet angeboten. Dafür nutzte der damals 18-Jährige Plattformen wie Facebook oder Flohmarktseiten. Die von den vermeintlichen Käufern überwiesenen Beträge in Höhen zwischen 100 und 300 Euro nahm der Eutiner an, ohne die angebotene Ware überhaupt liefern zu wollen. In sechs Fällen schloss sich dem bewussten Betrug auch noch eine kräftige Beleidigung dem Kaufwilligen gegenüber an, wenn der das Ausbleiben der Ware rügte. Einem von ihnen schickte der Angeklagte eine leere Tupperdose zu, einem anderen sogar eine Rauchfackel. Eine dritte Kontaktperson erhielt von dem Eutiner unaufgefordert eine Bilddatei mit pornografischem Inhalt.

„Sie neigen dazu, Straftaten zu begehen, wenn die Dinge nicht so laufen, wie Sie sich das vorstellen“, sagte Witt in seiner Urteilsbegründung. Zur Schule sei der Angeklagte kaum gegangen und Therapien habe er abgebrochen, berichtete die Mitarbeiterin der Kreisjugendhilfe. Sowohl der Richter als auch die Staatsanwältin und der Verteidiger waren sich einig, dass der junge Mann nach wie vor schädliche Neigungen habe – die Staatsanwältin wies auf Auseinandersetzungen im Jugendarrest hin. Doch erkannte Richter Witt erste Ansätze bei dem Angeklagten, dass dessen Erlebnisse der vergangenen Monate erste Früchte trügen.

Der junge Mann berichtete von einem strukturierten Tagesablauf in der Jugendhaftanstalt in Schleswig. Er arbeite dort, gehe zur Schule und mache seinen Hauptschulabschluss nach. Vor einem Jahr hätte Witt dem jungen Mann eine solch positive Wendung in der Entwicklung nicht zugetraut. Der Angeklagte ist für den Richter kein Unbekannter, saß der Eutiner doch schon wegen früherer Vergehen, unter anderem siebenmaliger Sachbeschädigung (Containerbrände), auf dem Anklagestuhl.

Die Staatsanwältin wollte der positiven Entwicklung noch nicht völlig trauen. „Der Angeklagte zeigt sich einsichtig. Es ist aber fraglich, wie ernst er das meint“, sagte sie und stellte fest, dass der Halt, den der Angeklagte in der Familie habe, zugleich immer auch Rahmen für die Straftaten gewesen sei. Einig waren sich alle Amtspersonen, dass eine erfolgreiche Therapie und der Abschluss wichtig seien. „Wir sind überzeugt, wenn Sie einen Job haben, dann ist es mit der Straffälligkeit bei Ihnen vorbei“, schloss Witt das Verfahren.

Der Angeklagte hatte alle Taten gestanden und auf die sichergestellten Gegenstände verzichtet. Den Schaden über 3005 Euro trägt er gemäß dem seit Sommer 2017 geltenden Gesetz zur Reform der strafrechtlichen Vermögensabschöpfung.

Der Verhandlung hörten 25 Anwärter der Landespolizeischule in Eutin zu Ausbildungszwecken zu.

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