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Ostholsteiner Anzeiger

24. August 2017 | 07:41 Uhr

Unverfänglich aufmerksam machen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Bundesweite Aktionswoche „Gewalt kommt nicht in die Tüte“ beginnt am Montag / Lokale Partner unterstützen mit Veranstaltungen

„Gewalt kommt nicht in die Tüte“ – die bundesweite Aktionswoche gegen häusliche Gewalt startet ab Montag, 23. November, und wird in Schleswig-Holstein vom Landesinnungsverband des Bäckerhandwerks unterstützt. 60 Bäckereien im Land machen im zwölften Jahr mit und verteilen 350  000 besondere Tüten mit Infoangeboten und der zentralen Nummer des Hilfetelefons (08000/116016) an Kunden im Aktionszeitraum – Bäckermeister Hans-Peter Klausberger aus Eutin ist von Anfang an dabei. Neben den Bäckereien und Gleichstellungsbeauftragten unterstützen lokale Partner wie der Frauennotruf Ostholstein, das Frauenhaus Ostholstein und Kik, „Netzwerk bei häuslicher Gewalt“, die Aktion.

„Das Thema Gewalt an Frauen wird so ganz unverfänglich mit der Brötchentüte aus der Tabuzone herausgeholt und unter den Menschen verteilt“, sagte Gudrun Dietrich, Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Ostholstein. Zwar seien nicht spürbar mehr Zuläufe nach der Aktionswoche in den Beratungsstellen oder Hilfe-Einrichtungen zu vermerken, aber das Bekanntmachen des Hilfetelefons und das Bewusstmachen des Themas sei wichtig.

Neben den bekannten Formen der Gewalt gegen Frauen werde auch immer mehr Stalking und Cybermobbing zum Problemfeld, mit dem Hilfesuchende in die Beratungsstellen gehen.

Sozialpädagogin Claudia Wolf vom Frauennotruf Ostholstein sieht Erfolge: „Früher wurden die Männer teilweise an unseren Infoständen von ihren Frauen vorbeigezogen mit den Worten ‚Das betrifft uns nicht‘. Ging es in den Anfangsjahren eher um Angst, das Thema öffentlich zu machen, ist es heute ein sichtbares Zeichen der Solidarität.“

Christa Feigl vom Frauenhaus Ostholstein betonte ebenso wie Wolf, dass häusliche Gewalt ein Thema ist, was in allen gesellschaftlichen Schichten eine Rolle spielt. „Einigen Frauen mag man es nicht ansehen. Aber es kommt überall vor.“ Jede dritte Frau sei nach aktuellen Studien laut Gleichstellungsbeauftragten schon einmal in ihrem Leben Opfer von häuslicher Gewalt gewesen. „Die Frauen kommen heute deutlich eher, als früher, gerade jüngere“, sagt Wolf. Aber es gebe auch immer noch oft genug den Fall, dass die Frauen Jahre lang psychische und körperliche Gewalt aushalten. Sind Kinder im Spiel, ziehen betroffene Frauen nach Erfahrung der Beraterinnen eher einen Schlussstrich und wagen die Anzeige oder den Auszug. Aber gerade bei jahrzehntelang gelebten Mustern sei oftmals die neue Freiheit fremder und angsteinflößender als die erlebte Gewalt. „Gerade ältere und hochbetagte Frauen brauchen oft mehrere Anläufe bis sie die Trennung schaffen“, sagt Feigl vom Frauenhaus.

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erstellt am 19.Nov.2015 | 00:32 Uhr

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