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Unterschlagung: Job weg und eine saftige Geldstrafe

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

shz.de von
erstellt am 07.Jan.2016 | 17:40 Uhr

Der Versuch, an seinem Arbeitgeber vorbei auf eigene Rechnung Geschäfte zu machen, wurde dem Mitarbeiter eines Ratekauer Spezialmaschinenbauers gleich doppelt zum Verhängnis. Er erhielt nicht nur die fristlose Kündigung. Als der soeben Geschasste im Beisein seiner Chefs seinen Spind leeren musste, fanden sich dort auch noch Maschinenteile aus Firmenbeständen im Verkaufswert von rund 2000 Euro. Die Quittung für den bereits über anderthalb Jahre zurückliegenden Vorfall erhielt der Industriemechaniker am vergangenen Dienstag. Amtsrichterin Rakel verurteilte ihn wegen Unterschlagung zu 1800 Euro Strafe.

Vor Gericht war die Angelegenheit gelandet, weil der Angeklagte einem Strafbefehl widersprochen hatte. „Ich hatte die Führungsscheiben aus dem Schrottcontainer genommen“, verteidigte sich der 37-Jährige. Seinen Vorgesetzten habe er an besagtem Tag nicht mehr um Erlaubnis fragen können, die Teile mitzunehmen, weil dieser nicht mehr im Hause gewesen sei. Deshalb habe er die Teile erst einmal beiseite gepackt. Am nächsten Morgen sei er dann gleich ins Büro des Geschäftsführers gebeten worden und habe seine Kündigung erhalten.

Der Geschäftsführer stellte die Situation allerdings ein bisschen anders dar: „Uns fiel auf, dass in dem Spind sauber eingepackte Teile lagen.“ Dabei habe es sich um 18 Führungsscheiben aus gehärtetem Stahl gehandelt. „Die Scheiben waren neu“, erklärte der Geschäftsführer. Das sei an noch vorhandenen Produktionsspuren zu erkennen gewesen und auch durch Vermessungen bestätigt worden. Verschleiß sei nicht feststellbar gewesen und die Teile hätten auch die korrekten Maße aufgewiesen. Deshalb sei es auszuschließen, dass sie in einem Schrottcontainer gelandet seien.

Keine rechte Antwort wusste der Angeklagte auf die Frage, was er denn eigentlich mit den Scheiben gewollt habe. Zwar erinnerte er sich noch grob, dass er sie für seinen Garten gebraucht habe; als die Richterin jedoch nachbohrte, wofür genau, erklärte der Angeklagte, daran könne er sich nicht mehr erinnern.

Eine mögliche Erklärung lieferte dagegen der Geschäftsführer. Auf einem Datenträger, den der Angeklagte liegengelassen habe, sei ein gefälschtes Angebot von Führungsscheiben gefunden worden. Vermutlich habe er die Teile auf eigene Rechnung verkaufen wollen und dies vielleicht auch nicht zum ersten Mal getan.

Während die Verteidigerin den Vorwurf „nicht mit hoher Wahrscheinlichkeit belegt“ sah, folgte Amtsrichterin Rakel der Forderung des Staatsanwalts und verhängte ein Strafmaß von 60 Tagessätzen à 30 Euro. „Ich bin überzeugt, dass Sie hier eine Unterschlagung begangen haben“, erklärte sie in der Urteilsbegründung. Immerhin hat der Mann inzwischen einen neuen Job. Er arbeitet jetzt in Rendsburg als Leiter einer Kaffee- und Backstube.

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