Von Lebenserfahrung und Potenzialen : Unterschätzt die Alten nicht

Prof. Dr. Friedhard Zastrow (rechts) sprach vor der Plöner Hospizinitiative über Entwicklungspotentiale im Alter.
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Prof. Dr. Friedhard Zastrow (rechts) sprach vor der Plöner Hospizinitiative über Entwicklungspotentiale im Alter.

Professor Dr. Friedhard Zastrow sprach über das Alter als Lebensabschnitt mit Entwicklungspotential und Grenzen.

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08. Juni 2014, 16:06 Uhr

Plön | Zwischen der Geburt und dem Tod steht das Leben. Es in seinen verschiedenen Phasen auszufüllen, ist nicht immer ganz einfach. Besonders im Alter tun sich viele Menschen oft schwer. Prof. Dr. Friedhard Zastrow appellierte am Donnerstag in einem Vortrag der Hospizinitiative in Plön, das Alter als Lebensphase zu akzeptieren. Das Leben sei nun mal begrenzt, unvollkommen und unvollendet.

„Willst Du alt werden, dann musst Du beizeiten damit anfangen“, zitierte Zastrow ein spanisches Sprichwort. Dabei habe sich das Bild vom Alter grundsätzlich verändert. Die Menschen gehen früher in den Ruhestand und werden immer älter. „Hier werden den Alten schon viele Jahre im Vergleich zu früher geschenkt“, rechnete Zastrow vor.

Er forderte positives Denken und Handeln von den „jungen Alten“. Nur 12 bis 15 Prozent der Senioren seien auf Hilfe und damit Zuschüssen aus der Pflegekasse angewiesen. Das heißt: 85 Prozent kommen selbst klar. „Wir wollen nicht am Defizit orientiert, sondern in die Zukunft gerichtet denken und handeln“, empfahl der Theologe und Psychologe, der selbst 40 Jahre an der Uni in Kiel wissenschaftlich arbeitete.

Viele Menschen wehren jedoch das Alter ab, wollen nicht darüber sprechen oder haben sogar Angst davor. „Wir haben doch eine Chance zur Gestaltung“, rief Zastrow den knapp 60 interessierten Senioren zu. Viele Menschen wollen nicht alt aussehen und nutzen „Anti-Aging“. Zastrow sieht einen völlig falschen Ansatz: „Ist das Alter etwas Negatives, ist das Alter etwa eine Krankheit?“ Den Alten werde es so jedenfalls suggeriert. Sein Tipp: Die Menschen sollten dazu stehen, alt werden zu wollen. Sie sollten aber auch die Realität des Todes akzeptieren. „Dabei ist jeder Mensch in der Lage, sich neu zu orientieren, etwas Neues anzufangen“, empfahl Zastrow sich mit dem Ruhestand nicht zur Ruhe zu setzen: „Eine Neuorientierung ist notwendig.“ Und dabei sollten die Alten ihre Defizite am Anfang nicht in den Mittelpunkt stellen, sie aber auch nicht verschweigen. Im Alter müsse man eigene Verluste bewältigen und lernen, damit umzugehen.

Besonders die Alten haben nach Einschätzung Zastrows Erfahrungswissen und Lebenserfahrung als große Schätze. Die sollten sie weitergeben, dabei aber nicht „besserwisserisch“ auftreten. Prof. Dr. Zastrow empfahl, das Ende der Erwerbstätigkeit flexibel zu gestalten. Warum sollte man über das Rentenalter hinaus nicht noch ein paar Jahre weitermachen? Aber auch ehrenamtliches Engagement von Alten werde gern genutzt.

In der sich anschließenden Diskussion kritisierten die Alten die „Vergötterung“ der Jugend durch schnelles Sprechen im Radio, laute Musik bei der Wettervorhersage. Es sei vieles auf die Jugend abgestimmt. Die Alten spielten keine Rolle mehr. So wird in der von der Hospizinitiative Plön organisierten Vortragsreihe auch das Problem thematisiert.

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