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Ostholsteiner Anzeiger

23. November 2017 | 22:54 Uhr

Unternehmer fehlen: 50 000 Jobs in Gefahr

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Tausende Firmeninhaber gehen in Rente / Nachfolgermangel bedroht Betriebe

von
erstellt am 25.Okt.2017 | 18:52 Uhr

Mindestens 10 000 Betriebe mit rund 48 000 Beschäftigten in Schleswig-Holstein brauchen in den nächsten fünf Jahren einen neuen Inhaber, dann sind die bisherigen Unternehmer im Rentenalter. Das hat die Norderstedter Unternehmensberatung „Kern“ auf Basis von Daten der Industrie- und Handelskammer (IHK) ermittelt.

Besonders betroffen vom Druck, die Unternehmensnachfolge zu regeln, sind die Baubranche, der Groß- und Einzelhandel, das Gesundheitswesen und die Metallverarbeitung. Die Studie erfasst 564 443 Unternehmen mit einem Umsatz zwischen 250 000 und fünf Millionen Euro sowie 65 000 Firmen mit mehr als fünf Millionen Euro Umsatz.

Nach Erkenntnissen des Unternehmensverbandes Nord (UV Nord) beläuft sich die Zahl der Betriebe, die in den nächsten Jahren aus Altersgründen einen Nachfolger brauchen, in Schleswig-Holstein sogar auf 13 000. Daran hängen 50 000 Arbeitnehmer. Wichtig für den Übergang sei, ein Gründungs- oder Nachfolgeklima zu schaffen, sagt UV-Nord-Sprecher Sebastian Schulze. Die Komplexität der Materie und Regularien für die Banken bei der Kreditvergabe schreckten Nachfolger zu oft ab. Damit jüngere Führungskräften Lust auf eine Übernahme hätten, müssten auch Rahmenbedingungen wie die Verkehrsanbindung, digitale Infrastruktur und Fachkräftenachwuchs stimmen.

Während die Beratung bei Existenzgründungen rückläufig sei, steige der Informationsbedarf für Nachfolgeregelungen, sagt Jörg Koll, Betriebsberater bei der Handwerkskammer Flensburg. „Daran sieht man, dass die Zahl der Chefs über 60 Jahren zunimmt.“ Sie gehören besonders geburtenstarken Jahrgängen an. Gibt es keine frühzeitige Nachfolgeperspektive, beobachtet Koll eine geringe Neigung, noch zu investieren. Das erschwere wiederum, dass sich Übernahme-Interessenten finden. Auch die IHK hat ihr Engagement für Firmennachfolgen verstärkt. So bietet sie eine Internet-Börse an.

Das Wirtschaftsministerium kündigte an, das Thema Nachfolge zum Bestandteil der geplanten Existenzgründungs-Initiative zu machen. Auch solle sich die vom Land angestrebte Meistergründungsprämie nicht nur auf Neugründungen, sondern auch auf die Nachfolge beziehen.

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