„Unsere Langmut übersieht solche Dinge“

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26. Juni 2014, 13:34 Uhr

Das stand vom 20. bis 26. Juni im Anzeiger:

Die Woche beginnt mit einem schockierenden Bericht über ein Attentat auf den Zaren. Nur durch einen Zufall sind die Zarenfamilie und ihr Gefolge dem Tod entronnen.
Am 23. Juni titelt der Anzeiger „Sind wir kriegslüstern?“ Auslöser ist ein Interview eines Diplomaten in der „Berliner Zeitung“, in dem Angesichts der internationalen Bündnisse dem deutschen Kaiserreich ein Gefühl der Unterlegenheit unterstellt wird. Der Artikel endet mit der Aussage: „Unsere Langmut übersieht solche Dinge und da brauchen wir wirklich nicht zu versichern, daß wir nicht ,kriegslüstern‘ seien“.

Unmittelbar vor dem Beginn der Kieler Woche freut sich die Stadt über das Eintreffen eines englischen Geschwaders. Für den folgenden Tag wird Kaiser Wilhelm mit der „Hohenzollern“ erwartet. Sogar die englische Presse betone, so heißt es in einem Artikel am 25. Juni, „daß man zur Zeit in den allerbesten Beziehungen zu dem Deutschen Reiche stehe“.

Das typische Kieler-Woche-Wetter ist kühl, wolkig und feucht. Die Königliche Eisenbahndirektion setzt Sonderzüge ein, damit die Nachtschwärmer nach Hause kommen können.

Die Erweiterungsbauten des Nord-Ostsee-Kanals sind nach siebenjähriger angestrengter Arbeit so weit gediehen, dass sie am 24. Juni sowohl der militärischen Nutzung als auch dem öffentlichen Handelsverkehr übergeben werden können.

Aus Anlass des Baltischen Musikfestes in Malmö begleitet Musikdirektor Andreas Hofmeier den Lübecker Lehrergesangverein als Pianist. Gräfin Juliane zu Rantzau aus Annettenhöhe bei Schleswig hat das an der Ecke Waldstraße / Plöner Straße gelegene Grundstück zum Preis von 37 500 Mark an den Hotelbesitzer Langbehn aus Klenzau verkauft. Die Mutter des Grafen Ulrich Brockdorff-Rantzau verlässt Eutin. Sie ist im Jahr 1880 hierher gezogen, ihr Sohn hat bis 1888 das Eutiner Gymnasium besucht. Nach dem Jurastudium arbeitet Graf Ulrich im diplomatischen Dienst.

In Norwegens Hauptstadt Christiana hält Landtagsabgeordneter Hauptmann a.D. Joachim von Levetzow aus Sielbeck einen Vortrag vor 3500 Landwirten. Der König führt ein längeres Gespräch mit dem Sielbecker.

Im Eutiner Postamt ist zur Hauptverkehrszeit in den Abendstunden ein dritter Schalter eingerichtet, der allerdings etwas abseits steht und so vom Publikum kaum wahrgenommen wird. Der Anzeiger spricht von „Flickwerk“ und artikuliert einmal mehr den Wunsch nach ei-nem Neubau des Postamtes.

Wie in jedem Jahr seit dem gewonnenen Deutsch-Französischen Krieg plant der Volkfestverein wieder das „Volks- und Erinnerungsfest mit allgemeinem Scheibenschießen“ am 12. und 13. Juli. Seit einigen Jahren können Eutiner und Gäste auch im Preiskegeln Fleischpakete und andere Trophäen erringen.

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