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Ostholsteiner Anzeiger

12. Dezember 2017 | 13:36 Uhr

Eutin : „Unsere Existenz ist bedroht“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Tagesmütter und -väter fordern eine rechtliche Gleichstellung mit den Krippen. In Eutin gibt es mehr U3-Plätze bei ihnen als in Kitas.

shz.de von
erstellt am 23.Nov.2014 | 04:00 Uhr

Sie sind für viele Berufstätige die einzige Rettung und der beste „Aufbewahrungsort“ für das eigene Kind: die Tagesmütter und -väter. Doch ihre Existenz sehen gerade diese Tageseltern bedroht.

Katja Behrends, selbst seit zehn Jahren selbstständig und im Verein Kindertagespflege Ostholstein aktiv, gibt – wie so viele – der einseitigen Förderung die Schuld: „Dass einige Tagesmütter nicht ausgelastet sind oder nicht genug ‚Kinder zum Leben‘ haben, ist eine Nachwirkung des Krippenausbaus.“ Die Politik fördere Plätze für unter Dreijährige, doch die Tagesmütter, die sich dieser Betreuung auch annehmen, bekommen nichts, so Behrends. Sie selbst betreut derzeit drei Kinder über den Kreis, heißt: Für jedes Kind bekommt sie 3,90 Euro pro Stunde. Behrends: „Von den rund 900 Euro Einnahmen im Monat bleiben abzüglich der Miete und Nebenkosten keine 600 Euro übrig.“ Sie habe das Glück, dass ihr Mann ebenfalls verdiene, sonst könnte sie sich diesen Job nicht leisten. „Viele andere Tagesmütter haben dieses Glück nicht und überlegen ernsthaft, aufzuhören.“

Stellvertretend für die im Verein organisierten Tageseltern fordert sie eine gesetzliche Gleichstellung mit den Krippen. So können Eltern derzeit täglich die Tagesmutter kündigen, aus dem Betreuungsvertrag aussteigen. In den Krippen gehe dies nur zum Ende des Betreuungsjahres am 31. Juli. Vom Kreis heißt es dazu: „Die Kündigungsfristen können die selbstständigen Tagespflegepersonen mit den Eltern frei vereinbaren.“ Doch die Tageseltern halten dagegen: „Man bleibt ja nicht konkurrenzfähig, wenn man mehr Betreuungsgeld verlangt oder andere Kündigungsfristen hat. Eltern schauen sich auch um und achten aufs Geld.“ Laut Verein wäre es ein gutes Signal vom Kreis, wenn er einheitliche Kündigungsfristen für Tagespflegepersonen und Krippen schafft.

Der zweite gravierende Unterschied zwischen Krippen und Tageseltern wird im Krankheitsfall deutlich: Ist ein Kind über eine gewisse Anzahl an Tagen hinaus krank, bekommt die Tagesmutter für den jeweiligen Monat gar kein Geld, ein Krippenplatz muss durchbezahlt werden – unabhängig davon, wie oft er im Monat in Anspruch genommen wird. Vom Kreis heißt es dazu: „Die Träger von Kindertagesstätten erhalten vom Kreis eine einrichtungsbezogene Förderung aus Kreis- und Landesmitteln und sind für die Kostendeckung selbst verantwortlich. Tagespflegepersonen sind selbstständig und haben das wirtschaftliche Risiko selbst zu tragen. Dies kann nicht vom Kreis übernommen werden.“

Anliegen der Tagesmütter und -väter ist es, besser planen zu können: „Wir würden uns deshalb eine genrelle Pauschale pro Kind wünschen und nicht den bürokratischen Aufwand mit Minuten- und Stundengenauer Abrechnung. Da kann man nicht kalkulieren.“ Auch entbehre es jeder Grundlage, in Krankheitsfällen die Nebenkosten (im Kreis Ostholstein 78 Cent) des kranken Kindes der Betreuungsperson abzuziehen. Behrends: „Ob drei oder vier Kinder da sind, Licht und Heizung werden gleich gebraucht.“ Eine landesweite Angleichung der Nebenkostenpauschale wäre ebenfalls wünschenswert für die Tageseltern, so Behrends. „In Flensburg beträgt diese Pauschale 1,42 Euro, in Kiel
1,80 Euro und selbst im benachbarten Plön gibt es 90 Cent. Wir sind mit 78 Cent wirklich am unteren Minimum, das nicht kostendeckend ist.“

„Wir haben das Wertvollste, das Eltern haben und erfüllen für den Kreis einen Rechtsauftrag, da kann man den Kreis nicht so einfach aus der Pflicht nehmen, wenn die Umstände sich so dramatisch für uns zuspitzen.“ Dieser signalisierte auf Nachfrage des OHA Gesprächsbereitschaft: „Der Kreis wird sich einer Diskussion über Anpassungsbedarf nicht verschließen.“

Was will der Verein machen, wenn er beim Kreis nicht weiterkommt? „Dann versuchen wir es über die SPD, da haben wir schon offene Türen eingerannt. Aber wir würden uns freuen, auf dem direkten Weg Gehör zu finden und weiter zu kommen“, sagt SPD-Frau Katja Behrends. Die Klagen in anderen Kreisen des Landes zeigen eines: Es ist ein langer Weg – aber Tagesmütter und -väter fangen an sich zu wehren.

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