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Kasseedorf : „Unser Recht dreist missachtet“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Wasser- und Bodenverband versuchte vergeblich, einen Zaun und eine Bepflanzung am Ufer der Schwentine bei Stendorf zu verhindern

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erstellt am 12.Apr.2017 | 16:19 Uhr

Ein Polizeieinsatz stoppte am Dienstag umfangreiche Pflanzarbeiten an der Schwentine bei Stendorf. Die Ordnungshüter aus Schönwalde wurden auf Anforderung des Wasser- und Bodenverbandes tätig, der durch die Baumsetzung unmittelbar am Flussufer seinen Anspruch auf einen fünf Meter breiten Räumstreifen verletzt sieht. Mittlerweile hat auch die Untere Naturschutzbehörde (UNB) des Kreises dem Pflanzvorhaben, das vom Kiesunternehmer Peter Stamer veranlasst wurde, die Genehmigung versagt.

Mit dem Einschreiten der Polizei eskalierte ein Konflikt, der seit Monaten schwelt. Bereits im Januar sei dem Unternehmer vom Wasser- und Bodenverband klar gesagt worden, dass er bei einer Pflanzaktion auf seinem Acker satzungsgemäß fünf Meter Abstand vom Uferrand der Schwentine halten müsse, sagte Verbandsgeschäftsführerin Hanna Kirschnick-Schmidt. Darauf sei er in der Vorwoche nochmals mit der Forderung nach einem Baustopp hingewiesen worden, als Arbeiter einer Firma aus Neumünster entlang des Flusses einen zwei Meter hohen Wildzaun um den Pflanzstreifen zogen. Doch auch diese förmliche Mahnung habe nichts bewirkt: „Ich hätte nicht gedacht, dass unser Recht so dreist missachtet wird“, empörte sich Kirchnick-Schmidt.

Nach ihren Worten hat der Unternehmer seine Pflanzpläne direkt an der Schwentine damit begründet, dass er dadurch einen Wunsch der Gemeinde Kasseedorf erfülle. „Das haben wir mit Herrn Stamer tatsächlich so vereinbart“, bestätigte Bürgermeisterin Regina Voß (SPD). Es handele sich um eine freiwillige Leistung im Sinne des Naturschutzes. Sie finde es nämlich gut, durch Bäume und Büsche den Nährstoffeintrag in die Schwentine einzudämmen, der durch das auf dem Hangacker übliche Ausbringen von Gülle drohe.
Auf die Frage, ob es ihrer Meinung nach bei der Anpflanzung nicht eher um einen Sichtschutz für späteren Kiesabbau auf der Fläche gehe, sagte Voß: „Daran habe ich in dem Zusammenhang gar nicht gedacht.“ Ihr komme es vielmehr „merkwürdig“ vor, dass der Wasser- und Bodenverband plötzlich auf die Einhaltung eines Räumstreifens poche, während jahrelang vorher ohne Probleme vom gegenüberliegenden Ufer aus Räumarbeiten vorgenommen worden seien.
Dazu sagte Verbandsvertreterin Kirchnick-Schmidt, dass satzungsgemäß die betroffenen Grundstücke abwechselnd für Räumaufgaben beansprucht werden sollten. Im konkreten Fall bestehe die Gutsverwaltung Stendorf auf Einhaltung dieser Vorgabe.

Im Übrigen sei es „fragwürdig“, dass der bereits aufgestellte Schutzzaun auf über 700 Meter Länge keinen einzigen Durchlass für Wildtiere aufweise. Und so begrüßenswert im Grundsatz Baumpflanzungen an Fließgewässern seien, so verwunderlich sei in diesem Fall die Art und Weise, wie dies an allen Renaturierungsplanungen für die Schwentine vorbei und ohne Rücksicht auf Betroffene durchgesetzt werden wolle.

Kirchnick-Schmidt kritisierte dabei auch das zögerliche Vorgehen der Kreisverwaltung, die vom Verband stets über mögliche Beeinträchtigungen an der als FFH-Gebiet besonders geschützten Schwentine informiert worden sei: „Ich hätte mir gewünscht, dass die UNB hier früher deutlich wird.“

Wie der Unternehmer Peter Stamer die Dinge sieht, war für den OHA bisher nicht zu erfahren. Nach zweitägigen Anfragen für eine Stellungnahme hieß es aus dem Firmensitz in Lensahn kategorisch, dass der Chef im Osterurlaub und nicht zu erreichen sei.



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