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Ungewohntes Geschäftsmodell: Feste und niedrige Preise statt des üblichen Feilschens

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Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Für die jüngere Geschichte der Stadt Eutin gibt es nicht nur viele Quellen, sondern auch sehr fleißige Historiker und Chronisten. Dazu zählt Regine Jepp, Vorsitzende der Bürgergemeinschaft Eutin, die gemeinsam mit ihrem Mann Karlheinz Jepp ein umfassenden Archiv zusammengetragen hat. Die Sammlung historischer Fotos dürfte die größte in Eutin.

Sie speist auch den Kalender, den die Bürgergemeinschaft jedes Jahr herausgibt. Die Eutiner Karstadt-Filiale war im Jahr 2014 das Thema eines Kalenderblattes. Hier Text und Fotos:

„Am 14. Mai des Jahres 1881 eröffnet der gelernte Einzelhandelskaufmann Rudolph Karstadt sein erstes Geschäft in Wismar. Das ‚Tuch-, Manufactur- und Confektionsgeschäft Karstadt‘ besteht lediglich aus einer Wagenladung Ware und dem mutigen Unternehmergeist seines Gründers. Karstadt legt den Grundstein für die wohl erfolgreichste Karriere im deutschen Einzelhandel mit einem unüblichen Geschäftsmodell: Statt des seinerzeit üblichen Feilschens setzt er auf feste, aber niedrige Preise mit Barzahlung, die ihm eine genaue Kalkulation ermöglichen. Mit sicheren, kontinuierlichen Einnahmen setzt der geschäftstüchtige Hanseate günstige Einkaufskonditionen durch, die er zum Teil an seine Kunden weitergibt. Bereits 1884 wird in Lübeck die erste Filiale eröffnet. Nach weiteren Geschäften in Neumünster und Braunschweig eröffnet Karstadt 1893 in Kiel ein Geschäft, das bald das führende Haus von Kiel und Schleswig-Holstein wurde.

Im Jahr 1896 wurde die Eutiner Filiale gegründet. Die Verkaufsfläche beträgt 300 qm, 20 Angestellte kümmern sich um die Kunden. Im Eutiner Adressbuch des Jahres 1907 taucht es in der Sackstraße 6 (Am Rosengarten) auf. Die Telefonnummer 71 ist noch zweistellig.

In der Schaufensterwerbung wird darauf hingewiesen, dass die Firma Karstadt bereits über Filialen in Wismar, Lübeck, Braunschweig, Kiel, Heide, Preetz, Mölln, und Neumünster verfügt. Die unternehmerische Risikobereitschaft im Zeitalter des aufstrebenden Kaisertums führt schnell dazu, dass 25 Jahre nach Firmengründung eine Filialkette von 14 Kaufhäusern in Norddeutschland vorhanden ist. 1912 wird in Hamburg ein Geschäft mit mehr als 10  000 qm Verkaufsfläche eröffnet, sensationell ist das 1929 erbaute modernste europäische Warenhaus ,Karstadt am Berliner Hermannsplatz‘.

Auch Eutin boomt in dieser Zeit, die Telefonnummern werden dreistellig, Karstadt erhält die Rufnummer 471. Aber die Wirkung der Weltwirtschaftskrise macht auch vor diesem Geschäft nicht halt. Zur Sanierung des Gesamtunternehmens werden zahlreiche kleine Filialen geschlossen. So verschwindet Ende der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts auch die Karstadt-Filiale Eutin aus der Stadt- und Firmengeschichte. Das Ladengeschäft wird von dem Eutiner Kaufmann Alouis Baus übernommen.“

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erstellt am 17.Feb.2016 | 11:50 Uhr

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