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Ostholsteiner Anzeiger

11. Dezember 2017 | 14:39 Uhr

Ungewohnt geradeaus

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 27.Mär.2015 | 09:13 Uhr

Es gibt ein Sprichwort, das besagt: Betrunkene und kleine Kinder sagen die Wahrheit. Was aber, wenn diese Wahrheit nicht gern gehört wird? Als Mama eines erzählfreudigen Zweijährigen komme ich mittlerweile regelmäßig in Situationen, in denen ich versuche, die ehrlich gemeinten Worte meines Sohnes für den Rest der Welt durch Erklärungen und Abschwächungen erträglich zu machen – was nicht immer glückt. Wie neulich – beim Geburtstag von Freunden: Der Gastgeber hatte auch seine alte Liebe eingeladen, früher bestimmt eine sehr attraktive Frau, doch das sichtbare Alter in ihrem Gesicht macht aus dieser „alten Liebe“ für einen Zweijährigen „eine Oma“. Fand sie ihn bis zu diesem Moment „süß“, herrschte jetzt sichtbare Eiseskälte in Kombination mit Schockstarre. Ich erklärte ihr dann, dass seine Oma eine ähnliche Frisur und die gleiche Haarfarbe hat und er das bestimmt verwechselt. Doch die Wahrheit des Kindes saß. Das Verständnis der kinderlosen Frau hielt sich in Grenzen. Ich habe mich danach gefragt, welche Alternativen es gegeben hätte. Die Antwort lautet: keine. Denn zwei Strophen eines weisen Liedes lauten wie folgt und daran wollte ich mich halten:
„Sind so kleine Münder,
sprechen alles aus.
Darf man nie verbieten, kommt sonst nichts mehr raus. Grade, klare Menschen
wär’n ein schönes Ziel.
Leute ohne Rückgrat
hab’n wir schon zuviel.“

Constanze Emde

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