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Unfallflucht: Anwältin in der Rolle der Angeklagten

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

An diese Rolle musste sich die Angeklagte erst einmal gewöhnen. Zwar war sie schon an einigen Verfahren beteiligt, doch da saß die promovierte Juristin als Anwältin im Gerichtssaal, manchmal auch in Strafverfahren. Gestern musste sich die 54-Jährige aus Timmendorfer Strand selbst verteidigen. „Unfallflucht“ lautete der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Doch es lief gut für die Juristin, die aufgrund einer Berufsunfähigkeit von einer kleinen Rente lebt. Der Vorwurf ließ sich nicht erhärten. Amtsrichterin Katrin Leinen stellte das Verfahren ohne Auflagen ein.

Die Angeklagte hatte für die Vorwürfe nur beißenden Spott übrig: „Das amüsiert mich sehr“, kommentierte sie sarkastisch die Behauptung, sie habe beim Einparken ein anderes Auto beschädigt und 600 Euro Schaden verursacht. Sie frage sich, wie es sein könne, dass sie mit
der Plastikstoßstange ihres alten zerbeulten Opels eine stählerne Anhängerkupplung zerdeppert habe. Sie bestritt, dass es überhaupt zu einer Berührung gekommen sei. Es habe sie auch niemand auf den Vorfall angesprochen, wie von der Staatsanwaltschaft behauptet.

Ein Zeuge stützte die Aussage der Angeklagten. Dagegen bestätigte eine Zeugin die Version der Staatsanwaltschaft. Allerdings beschrieb die Frau den Aufprall als eher undramatisch. Die Angeklagte habe das Auto, in dem sie als Beifahrerin auf den Fahrer gewartet habe, „angestupst“. Als sie die Fahrerin kurz darauf auf den Anstoß hingewiesen habe, sei diese einfach weitergelaufen – ob absichtlich oder nicht, blieb unklar: „Entweder hat sie mich nicht gehört oder sie wollte mich nicht hören.“

Richterin Leinen hielt beide Zeugen für „sehr glaubwürdig“. Angesichts der Widersprüche und da kein Sachverständiger die Fahrzeuge begutachtet hatte, stimmten Angeklagte und Staatsanwaltschaft einer Einstellung des Verfahrens zu.

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erstellt am 13.Feb.2014 | 17:06 Uhr

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