Unerwartete Kunst im Garten

Karin Lamp zeigt ihre Plastik „vernetzt“.
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Karin Lamp zeigt ihre Plastik „vernetzt“.

Am Wochenende waren Besucher und Nachbarn gleichermaßen überrascht, wo sie überall Kreative antreffen können

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06. Juni 2015, 15:20 Uhr

Zahlreiche Künstler öffneten am Wochenende ihre geheimsten Räume, um Einblicke in ihre kreative Arbeit zu gewähren. Das Erkennungssymbol – ein roter Stuhl vorm Haus – diente dabei nicht nur den Besuchern als Zeichen, sondern ließ nicht selten auch die Nachbarn erstaunen. Ein Besuch in vier offenen Ateliers in Eutin.

Das Charlottenviertel ist nicht die erste Eutiner Gegend, die auf der Suche nach kreativer Schaffenskraft in der Rosenstadt in den Sinn kommt. Umso beeindruckender, das hier gleich zwei Ateliers geöffnet sind. „Verständigung unmöglich“ lautet der Titel der mehr als lebensgroßen Plastiken in Karin Lamps Vorgarten. Die Künstlerin ist Giacometti-Fan, unschwer erkennbar. Das Typische für den Schweizer Bildhauer der Moderne sind die dünnen, langen und dunkel gestalteten Figuren mit vergleichsweise riesengroßen Füßen. „Ja, ich mag ihn sehr“, gesteht sie unumwunden und lächelt. Ihr Garten ist voll von ästhetischen Plastiken – klein, groß; weiblich, männlich – nur ihre Figuren haben keine Füße. „Ich arbeite immer zu einem bestimmten Thema, nie einfach so“, erzählt Karin Lamp. Mit Werken wie „Vernetzt“, „In die Hand gegeben“, „Menschlinge aus einem Ei“ oder „Verbrannte Erde – Der Präsident“, spielt sie auch mit aktuell politischen Themen. Sie habe nie studiert, sei Autodidaktin. Eingesessene Eutiner kennen sie vielleicht noch aus ihrer Zeit als Bauzeichnerin beim Bauamt – „doch das hier ist etwas völlig anderes“.

Ihr Nachbar, Jens Saffarek, ist Wikinger-Experte und erweckt scheinbar altes Holz zu neuem Leben als Kunstobjekt. Die Idee komme ihm mit dem „Rohstück“. Filigran gearbeitete Schreine, Erotisches aus Rosenholzwurzel oder altem Kuhkoppelzaun oder Tiefgründiges, wie sein Boot aus einer mehrere tausend Jahre alten Mooreiche. „Ich sehe das als Symbol für die Lebensfahrt. Der Bruch in der Granitplatte ist bewusst gewählt, weil es auch im Leben viele Brüche gibt. Und das ist gut so“, sagt er. Wer es am Wochenende nicht geschafft hat, Saffarek hat sein Atelier die ganze Woche von 11-17 Uhr für Interessierte geöffnet.

Ständig beim Arbeiten über die Schulter schauen, können Besucher auch den beiden Berufshandwerkern in der Riemannstraße. Manfred Ehmke arbeitet in seiner Goldschmiede derzeit an Eheringen für Irlandfans, die die Landschaft in ihren Ringen eingefräst haben wollen. Zig kleine Zangen, Pfeilen, Schmirgel und Metalle liegen auf der Werkbank. Gearbeitet wird über dem sogenannten Fell, eine an der Werkbank befestigte „Schürze“, in die Arbeitsgeräte und feinster Staub fallen. Siegel- und individuelle Eheringe, so Ehmke, seien in diesem Jahr wieder stärker nachgefragt.

Die Keramikerin Nicole Leggewie drehte vor den Augen der Besucher „lederharte“ Becher ab. Lederhart beschreibt den Trocknungsgrad des Tons. Bis aus einem Tonklumpen ein lasierter Becher wird, brauche es rund vier Wochen. Linnea Maining aus Ratekau fand das spannend und nutzte die offenen Ateliertage, um einen interessanten Handwerksberuf für ihr nächstes Schulpraktikum zu finden.

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