zur Navigation springen

Mensch des Jahres : Unermüdlicher Einsatz für Hospizverein

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Brigitte Maas ist die Vorsitzende der Hospizinitiative Eutin.

Warum habe gerade ich Krebs? Warum muss meine Mutter sterben? Warum hat es unsere Familie getroffen? – Mit der Frage nach dem Warum ist Brigitte Maas (64) täglich konfrontiert – als Vorsitzende der Hospizinitiative Eutin und als Hausärztin. „Die Frage nach dem Warum bringt uns nicht weiter, die blockiert uns in solchen Fällen nur“, sagt sie. Das habe sie auf ihren Reisen im asiatischen Raum gelernt – „dort ist diese Frage verpönt“.

Ihr Glas sei immer halb voll – nicht halb leer. „Ich bin Optimistin.“ Und das, obwohl der Tod schon in ihrer Kindheit allgegenwärtig war: „Mein Vater war Bergmann, hatte eine Staublunge. Früher waren diese Menschen dem Tode geweiht.“ Als sie 15 Jahre alt war, starb ihr Vater. „Aber das war für mich nicht so erschreckend, weil es einfach immer Fakt war.“

Brigitte Maas studierte Medizin und stellte danach sehr schnell eine Diskrepanz zwischen der Wirklichkeit im Krankenhaus und ihrer eigenen Vorstellung von der Betreuung am Lebensende fest. Später, als Hausärztin, sah sie regelmäßig, wie wichtig Betreuung für die Familien bis zum Tod ist. „Die Menschen müssen nicht zum Sterben in die Klinik, nur weil das Umfeld zu Hause überfordert ist“, sagt Maas. Das habe sie auch 1997 in einer Vortragsreihe eines Ethikers zum Thema bestätigt bekommen. Nach dem Vortrag sprachen sie sechs Leute an: „Wir möchten einen Hospizverein gründen, wollen sie nicht den Vorsitz übernehmen?“ Maas willigte ein: „Sie waren so überzeugend und mir wurde klar: Wenn ich das nicht mache, kommt das nicht zustande.“ Das konnte sie nicht zulassen, denn aus ihrer täglichen Arbeit wusste sie um die dringende Notwendigkeit eines solchen Angebots.

Heute gibt es diesen Verein mit Sitz in der Albert-Mahlstedt-Straße. Rund 50 Ehrenamtliche wurden von zwei hauptamtlichen Hospizmitarbeiterinnen bisher für die Sterbebegleitung ausgebildet. „Wir arbeiten eng mit der Palliativ-Station des St. Elisabeth-Krankenhauses oder der Onkologie in der Sana-Klinik zusammen“, erzählt Maas. Doch zum Verein kann jeder Betroffene oder Angehörige kommen. „Wir können dem Leben nicht mehr Tage geben, aber dem Tag mehr Leben“, erklärt Brigitte Maas das Motto des Vereins.

Bei der Betreuung gehe es hauptsächlich darum, eine Beziehung zum Sterbenden aufzubauen, nicht mitleidig am Bett die Hand halten, sondern Leben und Humor auch ans Sterbebett zu bringen. „Mitleid hilft den Menschen nicht weiter, denn am Sachverhalt ist nichts zu ändern. Aber wenn ich mit dem Menschen noch mal herzhaft lachen kann, hat der Sterbende doch gewonnen“, sagt Maas. Neben der direkten Sterbebegleitung sind die Ehrenamtlichen auch Stütze für die Familie, Ansprechpartner und Hilfe in den schweren Stunden auch nach dem Tod.

Was macht eine Frau, deren ständiger Begleiter der Tod ist, privat? „Der Hospizverein ist mein großes Hobby, denn mein Ehrenamt ist eine gute Sache: Dafür zu werben, dass Menschen am Lebensende nicht alleingelassen werden.“ Um sich vom Alltag zu erholen, brauche sie viele Aktivitäten im Urlaub. Ihr Mann, der ehemalige Süseler Bürgermeister, macht dabei gern mit: wandern, radeln, paddeln – in Nicaragua, Frankreich oder Deutschland. emd

 

 

 

 

 

 

zur Startseite

von
erstellt am 07.Nov.2014 | 18:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen