Umgeht Stadt eigene Regel?

Bürgergemeinschaft pocht auf Gestaltungssatzung

Avatar_shz von
04. Juni 2011, 06:45 Uhr

eutin | Wie ernst nimmt man im Rathaus die eigene Gestaltungssatzung für Bauvorhaben in der Innenstadt? Diese bange Frage stellt die Bürgergemeinschaft Eutin im Vorgriff auf die nächste Sitzung des Bauausschusses. Dort stehen für mehrere Projekte, darunter den Anbau der Weber-Schule, mögliche Befreiungen von den Vorgaben der Satzung zur Debatte.

2007 verabschiedete die Stadtvertretung unter maßgeblicher Mitwirkung der Bürgergemeinschaft ein neues Regelwerk fürs Bauen im Stadtzentrum, das die aus den 1980er Jahren stammende Gestaltungssatzung modernisierte. Grundsätzliches Ziel dabei ist die Bewahrung des tradierten Ortsbildes und die entsprechende Übernahme und Anpassung stilprägender Bauelemente auch bei Neubauten.

Dazu Regine Jepp, Vorsitzende der Bürgergemeinschaft: "Wir verkennen nicht, dass die Regularien dieser Satzung Einschränkungen für Bauherren und Architekten darstellen. Gleichwohl ist ein solches Werk zwingend erforderlich, kann doch nicht grundsätzlich von einem verantwortungsbewussten Umgang aller mit historischer Bausubstanz ausgegangen werden. Das Ziel der Satzung ist es, die Attraktivität der Altstadt und die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum zu erhöhen. Für die Bürger und ihre Gäste kann so ein urbanes und lebendiges Eutin erhalten werden."

Allerdings gebe es bei der praktischen Umsetzung noch Verbesserungsbedarf. Ohne dass sie die Dinge beim Namen nannte, weisen Zeitpunkt und warnender Ton von Jepps Presseerklärung auf sich konkret anbahnende Konflikte hin. So soll der Bauausschuss am 8. Juni über die Fassadengestaltung für den Anbau beim Weber-Gymnasium befinden, inklusive eines Beschlusssvorschlages der Verwaltung, wonach "die erforderlichen Befreiungen von der Gestaltungssatzung in Aussicht zu stellen" sein sollen. Das gilt zum Beispiel für die Dachform, Fenstergrößen und die Traufhöhe. Zudem würde der Wunsch der Volksbank, nach dem Umbau des ehemaligen Hotels "Residenz" zu einem Bürogebäude dort prominent den eigenen Firmennamen zu zeigen, eine Ausnahme von der Gestaltungssatzung erfordern.

Das alles lässt die Bürgergemeinschaft nicht kalt. Jepp: "Wir fragen uns, wie man Bürgerinnen und Bürger zu gesetzeskonformen Handeln bewegen will, wenn man sich selbst praktischerweise Ausnahmen erteilt. Dies lässt auch für private Bauherren Handeln erwarten, das dem historischen Stadtbild konkret schaden könnte."

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen