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Für und Wider bei Bauvorhaben in Bosau : „Uhlenbusch“ kritisch diskutiert

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Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

120 Bosauer zeigten bei der Dorfschaftsversammlung im Gasthaus „Zum Frohsinn“ Interesse an dem „Seniorendorf im Dorf“.

Eigentlich sind die Bosauer für das auf der Seekoppel oberhalb des Großen Plöner Sees an der Stadtbecker Straße geplante Seniorendorf „Uhlenbusch“. Viele finden es sogar richtig gut und zukunftsweisend. Einige sind allerdings auch skeptisch, ob sich das Projekt überhaupt realisieren lässt. Die Kritiker haben sogar Angst davor, dass aus dem jetzt geplanten Seniorendorf, wenn es nicht angenommen wird, irgendwann mal eine Ferienhaussiedlung wird.

Dorfvorsteherin Pamela Lepeschka und ihr Dorfvorstand erlebten am Freitag im Gasthaus „Zum Frohsinn“ eine Dorfschaftsversammlung, die wohl in die Geschichte eingehen wird: etwa 120 Interessierte wollten mehr über das von vier Unternehmern geplante Seniorendorf wissen und mussten sogar Gartenstühle in den „Frohsinn“-Saal schleppen. Doch manche zeigten sich in der zweistündigen Debatte eher skeptisch. Zu tief saßen bei ihnen offenbar die negativen Erinnerungen, die die Kinder auf Schmetterlingsflügel und jüngst auch der bekannt gewordene Verkauf des Grundstückes am Bosauer Strand für geplante Ferienhäuser hinterlassen haben.

Diesmal hatten die Gesellschafter der Uhlenbusch GmbH, Caroline und Ulrich Reimann (Bosau), Adolf Bollmann (Heringsdorf) und Frank Michelsen (Stockelsdorf-Horsdorf), Architekten und Planer dabei. Auf der fünf Hektar großen Seekoppel soll das Seniorendorf „Uhlenbusch“ entstehen und ein würdevolles Leben bis zum Ende ermöglichen. Keiner der Unternehmer wolle sich an dem sozialen, ökologischen und selbstbetreuten Leuchtturm-Projekt persönlich bereichern, versicherte Reimann: „Wir möchten mit unserem Projekt in Bosau willkommen sein.“

Adolf Bollmann sprach vom Bau einer autarken, altersgerechten und autofreien Siedlung mit 30 zum Teil zu mietenden oder zu kaufenden Häusern für zusammen etwa 45 bis 50 Menschen, die in Bosau kein Fremdkörper sein solle. Es werde allerdings erst gebaut, wenn man Zusagen von Menschen habe, die dort auch einziehen wollen. Bollmanns Traum sei der Bau eines Schwimmbades, das auch für Bosauer zugänglich sei. Nach ersten Gesprächen würden sich sogar Möglichkeiten einer Zusammenarbeit mit dem benachbarten DJO-Heim ergeben.

Die Landschaftsarchitektin Anna Schwinge (Hannover) sagte, das Seniorendorf wachse in mehreren Ausbaustufen. Architektin Maria Breuer (Böbs) stellte die Aufteilung von Einzel-, Doppel- und Reihenhäusern vor. Unternehmerin Caroline Reimann forderte emotional Mut, um die Zukunft anzupacken: „Wir haben schon einen großen Zuspruch.“ An der Wand hingen vergrößerte E-Mails von Menschen mit guten Ideen und Anfragen – darunter ein Herr von 82 Jahren.

Die Diskussion im Gasthaus „Zum Frohsinn“ war zunächst von einigen Kritikern dominiert. Ob ambulante Pflege im „Uhlenbusch“ möglich sei (Antwort: ja) oder, was das Wohnen für Interessierte koste und ob sie kaufen müssten oder mieten könnten. Doch so weit seien die Planungen noch gar nicht. Man werde mieten oder sich mit einem Miet-Vorschuss beteiligen können. Fest steht jedoch: Die Gemeinde Bosau muss nichts bezahlen. Die Planungen seien vorhabenbezogen und könnten auch auf Wünsche, Anregungen und sogar Befürchtungen der Bosauer eingehen, bot Ulrich Reimann an.

„Wenn wir das Projekt nicht wollen, dann wird es jemand anders nehmen“, brach Bürgermeister Mario Schmidt eine Lanze für die Uhlenbusch GmbH. Beim derzeitigen Stand der Planungen könnten noch keine verlässlichen Zahlen genannt werden. Der Kreis Ostholstein jedenfalls sei auch von dem Projekt begeistert. „Uhlenbusch soll sich selbst tragen“, sagte Adolf Bollmann. Es gebe kein Interesse, Geld daran zu verdienen. Und unter den Bewohnern solle auch ein sozialer Ausgleich hergestellt werden, damit besser Situierte mit wenig besser Situierten zusammenleben können.

Während sich Hans-Jürgen Landsetzer von der „Uhlenbusch“-Idee begeistert zeigte, empfand es Roland Bickel als „abstruses Projekt wie Kinder auf Schmetterlingsflügel“. Andere fürchteten, dass sich die Bewohner des Seniorendorfes abschotteten. Auch für Alt-Dorfvorsteher Gustav Harm hört sich das Konzept „Uhlenbusch“ gut an. Doch es werde ein „Dorf im Dorf“. Und ein dort installierter kleiner Kaufmannsladen für 45 Menschen habe keine Zukunft – jedenfalls nicht für die Bosauer. Jürgen Sibbert schätzte sich für den Bosauer Seniorenbeirat glücklich über die Planung, obgleich er persönlich auch noch skeptisch sei. Ein großer Teil der vorgetragenen Bedenken sei aber nicht das Problem der Bosauer, sondern der Unternehmer.

Ein bewegendes Schlusswort sprach Ulrich Reimann: „Das Misstrauen einiger Bosauer und besonders unserer Nachbarn und wie man hier behandelt wird, das tut mir sehr weh.“ Es sei bisher sehr viel Arbeit in das Projekt investiert worden. Die Versammlung der Dorfschaft sei doch kein Verhör. Übrigens: Der gemeindliche Bauausschuss befasst sich am 24. Juni wieder mit dem Thema „Uhlenbusch“.



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erstellt am 19.Mai.2014 | 05:00 Uhr

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