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Malente : Ufo-Sichtung oder: Wenn die Welt dich für betrunken hält

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Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Der „Welt-Ufo-Tag“ am 2. Juli wird auch von Menschen in der Region gefeiert.

Schaut man sich Kinofilme und Fernsehserien an, dann ist die Antwort ganz klar: Natürlich gibt es Außerirdische, die mit ihren Ufos auf der Erde landen. Und auch die „Welt-Ufo-Tag-Organisation“ ist davon überzeugt. Aus diesem Grund ernannte sie im Jahr 2001 den 2. Juli zum offiziellen „Welt-Ufo-Tag“. Dadurch soll „das Bewusstsein für die zweifellose Existenz von Ufos“ geschaffen werden. Ein Bewusstsein, dass eine Dorte Seemann nach einem denkwürdigen Abend im Sommer 1982 längst hat.

Der 2. Juli ist für Ufo-Gläubige ein besonderer Tag. Denn am 2. Juli 1947 will ein Ehepaar in Roswell ein glühendes Objekt am Himmel gesehen haben. Wenige Tage später, am 8. Juli 1947, teilte General Roger Ramey mit, dass es sich dabei nicht um ein abstürzendes Ufo, sondern um einen Wetterballon gehandelt habe.

Genau 35 Jahre nach dieser Pressekonferenz, am 8. Juli 1982, saß Seemann gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten, ihrer Schwester und ihrem Schwager vor ihrem Gartenhäuschen am Malenter Ortsrand. Die Gruppe hatte sich den Fernseher nach draußen gestellt, denn es lief das Halbfinale der Fußball-Weltmeisterschaft, es spielte Deutschland gegen Frankreich. „Es war spät geworden und ich ging rein, um nach meinen schlafenden Kindern zu schauen“, erinnert sich die heute 70-Jährige. Als sie nach einigen Minuten zurückkam, starrten die anderen gebannt an den Himmel und behaupteten, ein Ufo gesehen zu haben. „Ihr habt in der kurzen Zeit aber ganz schön zugeschlagen“, habe sie mit Blick auf den Alkoholkonsum der Gruppe gescherzt. Doch dann entdeckte auch sie das Objekt.

Am Himmel in Richtung Plön stand ein leuchtendes, hellorangenes Flugobjekt, das sich lautlos in einem langsamen Zick-Zack-Kurs bewegte. „Es war klein, etwa wie die Venus“, erinnert sich die Rentnerin noch ganz genau. Wie groß das Objekt war oder in welcher Entfernung es sich befand, das konnte sie nicht einschätzen.

Angst habe sie zu keiner Zeit gehabt. Vielmehr habe sie die Erscheinung für sehr interessant gehalten. „Ich dachte nur: Wir sind nicht alleine.“ Nach rund zehn Minuten war das Objekt plötzlich verschwunden. „Mein Schwager war damals bei der Marine und rief bei der Polizei an, ob es an dem Abend irgendwelche Manöver gab“, erzählt Seemann. Doch bei der Polizei seien sie nicht ernst genommen worden. „Die dachten, wir seien betrunken.“

Eine Reaktion, die wohl auch heute noch viele Menschen von einem Anruf bei der Polizei abhält. Ulli-Fritz Gerlach, Pressesprecher der Polizeidirektion Lübeck, sind jedenfalls keine Ufo-Meldungen bekannt. „Die Leute rufen eher wegen Drohnen an“, so seine Erfahrung.

Drohnen, Heliumballons, Linsenreflexionen oder Himmelslaternen – die Erklärungen, die auf der Internetseite „Ufo-Datenbank.de“ verzeichnet sind, sind vielfältig. Mehrere Tausend Sichtungen sind dort gemeldet. Alleine für das Jahr 2017 bereits 62 Stück, teilweise auch aus Schleswig-Holstein. Am 20. April will jemand auf der Zugfahrt über die Fehmarnsund-Brücke eine Objekt gefilmt haben. Wahrscheinlich handelt es sich hierbei um eine Reflexion auf der Zugscheibe. Hinter manchen Einträgen steht auch die Bemerkung „Schwindel“. Wie hinter der Sichtung einer Hamburgerin, die am 1. Juni 2016 ein dreieckiges, hupendes Objekt eine Straße entlang fliegen sah.
Dorte Seemann ist sich sicher, dass sie damals auf keinen Schwindel reingefallen ist. Ob es noch andere Zeugen für ihre Sichtung gab, weiß sie nicht. „Wir haben es für uns behalten, aus Angst, für verrückt gehalten zu werden.“ Bis heute habe sie viel spekuliert, was genau sie damals wohl gesehen hat. Ein Wetterballon sei es aber auf keinen Fall gewesen. „Denn einen Wetterballon entdeckten wir an diesem Abend auch noch.“ Der habe komplett anders ausgesehen – „ein großes, weißes Ding mit einem Seil und einem Gerät dran, das sich langsam absenkte.“

Inzwischen, mit 70 Jahren, sei es ihr egal, was die Leute über sie dächten: „Ich weiß, was ich gesehen habe.“

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erstellt am 01.Jul.2017 | 04:00 Uhr

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