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Ostholsteiner Anzeiger

21. November 2017 | 16:59 Uhr

Übung offenbart Not der Wehren

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Aufwendig vorbereitete Probe eines Ernstfalls endete mit Abbruch

Aus den Dachfenstern eines alten Bauernhauses direkt am Sagauer See kam Feuerschein, Rauchschwaden zogen durchs Dorf. Dazu drangen Hilferufe durch die Nacht. Erschrocken standen Nachbarn im Regen und bangten um die Opfer. Schnell entpuppte sich alles als eine aufwendig vorbereitete Übung für die drei Feuerwehren der Gemeinde Kasseedorf. Doch diese offenbarte in erster Linie die Personalnot bei den freiwilligen Helfern – nach einer Stunde wurde die Übung abgebrochen.

Die Geheimhaltung hatte bestens funktioniert. Die Wehrführer der Gemeinde waren nicht vor Ort. Die Leitung für den Einsatz, der selbst für erfahrene Feuerwehrleute sehr herausfordernd geween wäre, lag bei Sagaus Gruppenführer Moritz Dieckmann, der erst seit dem Frühjahr im Amt ist. Aber auch an Atemschutzträgern herrschte akuter Mangel, so dass erst nach Eintreffen der Kasseedorfer Wehr mit der Personenrettung begonnen werden konnte.

20 Minuten nach Auslösung der Melder wurden dann die Wehren aus Zarnekau und Schönwalde nach alarmiert, um der Situation Herr zu werden. Die von ihnen gemeldete Zahl an Atemschutzträgern veranlasste vermutlich die Leitstelle, weitere Wehren zu alarmieren, um bei dem angenommenen Wohnhausbrand mit zahlreichen vermissten Personen die erforderlichen Helfer an die Einsatzstelle zu bringen. Über die Alarmschleife für Atemschutzträger der Gemeinde Süsel wurden acht weitere Wehren nach Sagau kommandiert, was in der Planung nicht vorgesehen war. In dieser Situation brach Schönwaldes stellvertretender Gemeindewehrführer Bastian Walkhoff, gerade mit seinen Kameraden in Sagau eingetroffen, die Übung ab. Vor dem Hintergrund der Sicherstellung des Brandschutzes sah er die Verhältnismäßigkeit der eingesetzten Kräfte zum Übungseffekt der Kasseedorfer Gemeindewehr als nicht mehr gegeben.

Der stellvertretende Amtswehrführer Tim Hamann sagte dem Ostholsteiner Anzeiger: „Bei einem Ernstfall mit diesem Ausmaß wären schon bei der Erstalarmierung Wehren aus der Nachbarschaft mit alarmiert worden, dann wären auch austeichend Führungskräfte und Atemschutzträger vor Ort gewesen.“ Die Vorbereitung und der Ablauf der Übung bieten, wie Hamann einräumte, reichlich Stoff zur Nachbereitung. Die soll in Zusammenarbeit mit der Amtswehrführung sehr schnell erfolgen.

Das Übungsszenario hatte Rolf Nötzold mit Unterstützung von einem guten Dutzend Laienschauspielern und viel Licht- und Soundtechnik ausgearbeitet. Die Übungsidee: Im alten und verwinkelten Wohnhaus sind zahlreiche Personen im Dachgeschoss eingeschlossen, da es im Erdgeschoss brennt. In der benachbarten Scheune feiern zu der Zeit Jugendliche, die erst während der Löscharbeiten versuchen, mitzuhelfen und ebenfalls ins Haus zu gehen. Um die Arbeit der Einsatzkräfte zu beurteilen, waren auch im Haus Feuerwehrleute aus Eutin als Beobachter verteilt.

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