Überfall nur vorgetäuscht

28-Jähriger missbraucht Notruf und wird nicht verurteilt

shz.de von
20. Januar 2015, 12:09 Uhr

Er hatte die Polizei gerufen und vorgegeben, geschlagen und beraubt worden zu sein. Ein 28-Jähriger musste sich gestern vor dem Amtsgericht Eutin wegen Vortäuschen einer Straftat verantworten. Und konnte den Gerichtssaal nach nur knapp zehn Minuten wieder verlassen – als freier Mann.

Der vorgetäuschte Überfall geht zurück in die Weihnachtszeit 2013. Ein Bekannter lud den Angeklagten zu sich nach Hause zum Essen ein. Im Verlauf des Abends blieb es allerdings nicht nur bei fester Nahrung; reichlich Alkohol wurde konsumiert. In der Nacht dann ein Anruf bei der Polizei: Der 28-Jährige meldet, er sei vom Bekannten geschlagen worden. Außerdem hätte dieser ihm das Handy gestohlen.

Nachweisen konnten die Beamten nichts dergleichen. Der Notruf „110“ war missbraucht worden, eine Straftat war nicht erkennbar. Und den Angeklagten plagen bis heute Gedächtnislücken. Er gab sich kleinlaut vor Gericht: „Ich kann nicht viel dazu sagen“, sagte der Wedeler (Kreis Pinnenberg) mit kaum hörbarer Stimme. Er war selbst verblüfft, dass die Polizei sagte, er hätte sie alarmiert. „Ich weiß da nix von“, sagte er. „Ich habe öfter solche Tage gehabt, wo ich Blackouts gehabt habe.“ Der Richterin Katrin Leinen schilderte der 28-Jährige, regelmäßig Drogen und – „von morgens bis abends“ – Alkohol konsumiert zu haben. Fast das gesamte vergangene Jahr verbrachte der junge Mann deswegen in Therapie-Einrichtungen. Zunächst in Rheinland-Pfalz, dann in Hamburg. Jetzt lebt der Unverheiratete in einer betreuten Gruppe und hat seit Dezember einen Teilzeitjob als Hausmeister.

Noch bevor die Richterin zwei Zeugen hereinbitten konnte, meldet sich der Staatsanwalt zu Wort. „Ich denke, wir wollen dem Angeklagten keine Steine in seinen weiteren Weg legen.“ Das Verfahren solle eingestellt werden. Richterin Leinen stimmte dem zu; die Kosten des Verfahrens trägt die Staatskasse.

Den Kontakt zu seinem Bekannten habe der 28-Jährige zwischenzeitlich abgebrochen, sagte er in der Anhörung. Dennoch hatten sich beide vor der Verhandlung im Wartebereich des Gerichts unterhalten. Zumindest getrennt verließen beide den Saal – der 28-Jährige zurück in die Freiheit.

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