Selbsterfahrung in Eutin : Überall Stolperfallen

Die Ampel an der Albert-Mahlstedt-Straße macht Kimberly Großmann Probleme. Der Kantstein ist zu weit rechts abgesenkt.
1 von 3
Die Ampel an der Albert-Mahlstedt-Straße macht Kimberly Großmann Probleme. Der Kantstein ist zu weit rechts abgesenkt.

Fachschüler für Sozialpädagogik erkundeten die Barrieren für Rollstuhlfahrer

Avatar_shz von
16. Juni 2012, 08:20 Uhr

Eutin/Kiel | Der barrierefreie Tourismus in Schleswig-Holstein hinkt hinterher, hieß es kürzlich bei einem Fachforum im Kieler Landeshaus. Auch in Eutin gibt es viele Stolperfallen.

Was Rollstuhlfahrer und Sehbehinderte beim Spaziergang durch die Innenstadt erleben, versuchten acht Schüler der Fachschule für Sozialpädagogik nachzuempfinden. Ihre Ergebnisse präsentierten sie jüngst eindrucksvoll dem Bau- und Umweltausschuss.

"Wir haben uns selbst in einen Rollstuhl gesetzt und sind in Supermärkten, Banken und auf der Straße unterwegs gewesen", berichtete Indra Vorköper. Ihre Mitschülerin Kimberly Großmann resümierte erstaunt: "Man glaubt gar nicht, welchen Schwierigkeiten Gehbehinderte bei ihren Einkäufen gegenüberstehen."

In ihrem Abschlussbericht listeten die Schüler viele verbesserungswürdige Aspekte für die Verhältnisse in Eutin auf:

Die Kantsteine sind oft nicht genug abgesenkt.

Bankautomaten sind für Rollstuhlfahrer kaum zu erreichen.

Viele Geschäfte sind nur über Stufen erreichbar.

Gullydeckel stehen an vielen Stellen über das Pflaster hinaus und werden zu Stolperfallen.

Die Kundentoilette bei LMK ist durch eine schwer zu öffnende Tür und Treppenstufen nicht für Rollstuhlfahrer zu erreichen.

Rollstuhlfahrer kommen in der Stadtbibliothek nicht in das erste Stockwerk.

Doch es gab auch positive Erlebnisse: Die Eingänge von Sky, LMK, Kloppenburg, der Volksbank und der Sparkasse seien ebenerdig, Gänge in den Einkaufsläden sind breit genug für Rollstuhlfahrer. Und: Weil die Tourist-Info nicht barrierefrei zugänglich ist, kam eine Mitarbeiterin nach draußen und beantwortete Fragen.

Die Mitglieder des Bauausschusses dankten den Schülern für ihre Arbeit. Viele Probleme seien typisch für eine Altstadt, seien aber nicht zu ändern, so die Politiker. Bei zukünftigen Bauvorhaben wolle man mehr auf Barrierefreiheit achten. Damit haben die Schüler ihr Ziel erreicht: "Wir haben die Politiker für die Problematik sensibilisiert", freute sich Indra Vorköper.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen