Über unseren Umgang mit der Zeit

Als plötzlich der Strom ausfällt, hilft nur noch die Aufziehuhr.
Als plötzlich der Strom ausfällt, hilft nur noch die Aufziehuhr.

Im neuen Mischpoke-Stück „Jetzt aber schnell“ setzen sich die Darsteller humorvoll mit der Bedeutung des kostbaren Gutes auseinander

shz.de von
03. September 2018, 19:17 Uhr

Im „Binchen“ fand am vergangenen Samstag die Premiere der satirischen Komödie „Jetzt aber schnell!“ von Holger Klän, aufgeführt vom bekannten Theater Eutiner Mischpoke, statt.

In dem Stück geht es zunächst um Zeitoptimierung, Schnelligkeit und Effizienz und die Blüten, die diese treiben können, wenn sie zum einzigen Credo einer Firmenpolitik werden und von einzelnen Mitarbeitern mit allem Ernst und bis zur Hysterie verfolgt werden. Ein Seminar, in dem die Kollegen das Setzen von Prioritäten und Selbstkontrolle mit dem Ziel der unbedingten Effizienzsteigerung lernen sollen, wird durch einen Stromausfall unterbrochen, da zur Präsentation „Beamer“ und andere technische Geräte gehören, die ohne Strom nicht eingesetzt werden können. Zusätzlich bleibt die elektrisch geregelte Tür verschlossen, so dass niemand das Haus verlassen kann. Wie die Einzelnen, deren Handys, weil es keinen Empfang gibt, Computer und elektrische Uhren nicht funktionieren, damit umgehen oder besser gesagt, nicht in der Lage sind, damit umzugehen, zeigt das Stück. Es zeigt auch, dass Not erfinderisch machen kann, da ein völlig neuartiges, technisch höchst einfaches, Zeitmessgerät kreiert wird und – sozusagen im Nebensatz – weist es darauf hin, wie sehr sich der Effektivitätswahn verselbständigen kann, so dass es lange dauert, bis die Armbanduhr des Hausmeisters, deren Mechanismus noch zum Aufziehen ist, mit ihrer Nützlichkeit überhaupt bemerkt wird. So weit so gut.

Dass das Stück als Satire geschrieben ist und seitens der „Mischpoke“ in erster Linie als Komödie interpretiert wird, hat zur Folge, dass das Publikum viel zu lachen hat und nicht gezwungen wird, über den anderen Aspekt des Stückes, nämlich „Was wäre denn, wenn der Strom wirklich ausfiele? Länger. Welche Konsequenzen hätte das tatsächlich?“ nachzudenken. So spielen die Laienspieler der „Mischpoke“ das Stück mit Engagement und Spielfreude, manchmal auch ein bisschen klamaukig, ohne aber dem bedrohlichen Aspekt des Themas Raum zu geben. Das ist Absicht, sie wollen unterhalten und nicht erschüttern. Am Ende ist der Strom wieder da und alle Mitarbeiter stürzen sich erleichtert in die zuvor notgedrungen unterbrochenen Aktivitäten.

Da das Stück mit einer guten Stunde Aufführungsdauer überraschend kurz ist, bleibt den Zuschauern bei aller Heiterkeit vielleicht doch noch etwas Zeit an so einem Abend, über eigene Abhängigkeiten von Medien und den Umgang mit dem kostbaren Gut „Zeit“ nachzudenken und sich bei einem Glas wein darüber auszutauschen.
Die Aufführung ist im Binchen oder im Torhaus an der Opernscheune noch an vier Tagen zu sehen.


Weitere Termine sind am Donnerstag 6. September ab 19.30 Uhr, Sonntag 9.September um 18 Uhr, Donnerstag 13. September um 19.30 Uhr sowie am16. September um 18 Uhr.





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