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Ostholsteiner Anzeiger

20. August 2017 | 02:43 Uhr

EUTIN : Über die Bühne zu einem neuen Job

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Erstmals gab es in Ostholstein ein Theaterprojekt als besonderes Bewerbungstraining für Langzeitarbeitslose und Berufsrückkehrer.

Im Grunde ist ja das ganze Leben ein Theater, weiß der Volksmund. Und sind nicht besonders bei Bewerbungsgesprächen schauspielerische Fähigkeiten gefragt?

Mit einem Ja beantwortet ein Projekt für Langzeitarbeitslose diese Frage. In der Bildungseinrichtung Pulverbeck der Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft (BQOH) haben 19 Menschen ein halbes Jahr lang unter professioneller Anleitung ein Theaterstück selbst erarbeitet. Das Stück mit dem Titel „Der Aufbruch“ über Menschen, die auf der Suche nach sich selbst sind und dabei überraschende Entdeckungen machen, wird kommende Woche zweimal im Neustädter Forum aufgeführt.

Als zweiter Teil des Projektes folgen für die Teilnehmer mehrmonatige Praktika. Da noch nicht alle einen Platz haben, hofft die BQOH-Bewerbungsmanagerin, Alexandra Griebsch, dass unter den Zuschauern im Theater auch Arbeitgeber sind, die noch Praktika anbieten. „Auf jeden Fall haben wir Arbeitgeber besonders zu den Aufführungen eingeladen,“ sagte sie gestern bei einem Pressetermin.

Die Arbeit an dem Theaterstück hat der Theaterpädagoge Julian Meyer-Radkau begleitet. Die Handlung wurde selbst erarbeitet, ebenso Kostüme und Bühnenbild geschaffen. Und neben dem Theater gab es ein Bewerbungsmanagement.

In Ostholstein war das Theaterprojekt für Langzeitsarbeitslose und Berufsrückkehrer eine Premiere. Bundesweit werden damit seit neun Jahren Erfahrungen gesammelt – mit außergewöhnlichen Erfolgen, sagte Carsten Marzian, Chef des Jobcenters Ostholstein, das dieses Projekt bezahlt. Nach Auskunft von Birgit Merunke, Bereichsleiterin der gemeinnützigen „Projektfabrik“, liegt die Vermittlungsquote der Teilnehmer in die Berufswelt bei 60 Prozent. 239 derartige Projekte habe es in den vergangenen neun Jahren gegeben. Normal seien Vermittlungsquoten von 40 Prozent, ergänzt Marzian.

Theaterspiel schaffe Teamgeist und festige Selbstbewusstsein, sagt Julian Meyer-Radkau, beides von Vorteil bei der Suche nach Arbeit. Der Titel des Stücks, „Aufbruch“, sei bewusst gewählt: Für die Teilnehmer stelle es einen Aufbruch zu sich selbst dar, zu einem besseren Selbstverständnis. Und es sei auch der Aufbruch zu neuen Ufern, einer neuen Arbeitsstelle, vielleicht sogar zu einem Job in einem neuen Beruf. Tatsächlich möchte etwa die Hälfte der Teilnehmer nicht mehr im früheren Beruf arbeiten, sondern Neues wagen.

 

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erstellt am 26.Feb.2015 | 06:00 Uhr

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