U-Boot-Fahrer üben für den Ernstfall

1,25 Millionen Liter Wasser fasst der Tieftauchtopf. Aus einer Tiefe von bis zu 36 Metern ist theoretisch ein Auftauchen möglich. Aus Sicherheitsgründen wird zurzeit meist aus zehn Metern Tiefe geübt.
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1,25 Millionen Liter Wasser fasst der Tieftauchtopf. Aus einer Tiefe von bis zu 36 Metern ist theoretisch ein Auftauchen möglich. Aus Sicherheitsgründen wird zurzeit meist aus zehn Metern Tiefe geübt.

40 Jahre Tieftauchtopf der Marine in Neustadt / 120 000 Aufstiege seit 1977 / Übungen trotz moderner Rettungstechnik gefährlich

shz.de von
26. März 2017, 04:00 Uhr

Die Luft feucht-warm, das Wasser hat rund 33 Grad. Eigentlich ideale Badebedingungen. Doch zum Vergnügen ist niemand hier. Im Neustädter Tieftauchtopf geht es darum, im Ernstfall Menschenleben zu retten. Und zwar das von U-Boot-Fahrern.

Seit genau 40 Jahren bildet die
Marine im Einsatzausbildungszentrum Schadensabwehr Soldaten unter realistischen Bedingungen aus. „Es ist nicht die günstigste Ausbildung – aber die beste“, sagte Kapitän zur See Mathias Metz, seit 2010 Kommandeur des Einsatzausbildungszentrums.

Herzstück ist der 36 Meter hohe Tieftauchtopf, der in einem 42,5 Meter hohen Gebäude untergebracht ist. Aus diversen Luken können die angehenden U-Boot-Männer in unterschiedlichen Höhen ins Wasser gehen und Aufsteigen. Diese Notaufstiegsübungen sind nicht ungefährlich. Während des gesamten Aufstieges muss ausgeatmet werden, da sich die Luft in der Lunge stark ausdehnt. „Ein Fehler beim Aufstieg hätte schnell einen Lungenriss zur Folge“, sagt Kapitänleutnant Martin Kalmring, Fachleiter der U-Boot-Rettungsausbildung. Aber: Seit 1996 habe es keinen schweren Unfall mehr gegeben, sagt Kalmring stolz. „Das spricht für unsere Ausbildung“, ergänzt Metz

Geübt wird in roten Rettungsanzügen – jeder kostet rund 5000 Euro. Dieses Training sei so, als würde jemand mit seinem Auto auf dem Verkehrsübungsplatz herumfahren, sagt Metz augenzwinkernd. Das Training in Neustadt ist so begehrt, dass mittlerweile 20 Nationen hier ihre U-Boot-Besatzungen ausbilden. Und die Ausbildung ausländischer Soldaten soll noch weiter ausgebaut werden, so Metz. „Das freut uns, fordert uns aber noch mehr.“

Grundsätzlich habe sich in den Jahren wenig verändert, sagt Frank-Michael Kluge. Der Kapitänleutnant a.D. war bis 2008 hier Fachleiter, hat viele Männer ausgebildet. „Die Technik hat sich sehr verändert, das macht das Ganze nicht einfacher“, sagt Kluge. Das Risiko bleibt aber. Deshalb stehen Sicherungstaucher und ärztliches Personal bei jeder Übung bereit.

Das Jubiläum des Tieftauchtopfes nutzen die Soldaten – nach der gestrigen Feierstunde mit hochrangigen Offiziere und Vertretern der Industrie – an diesem Wochenende für ein Wiedersehen mit Ehemaligen. „Wir sind eine eingeschworene Gemeinschaft“, sagt Kluge. Besuchstouren durchs Ausbildunsgzentrum gibt es insofern nicht. „Wir sind ja kein Aquarium“, sagt Kalmring und schmunzelt.

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