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Ostholsteiner Anzeiger

20. Oktober 2017 | 13:49 Uhr

Türkischer Gast aus Thüringen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Fahri Basarslan leistet in Rudolstadt ein Freiwilliges Soziales Jahr und besuchte Familie Grimm in Sereetz

shz.de von
erstellt am 30.Dez.2016 | 21:53 Uhr

Eines ist Fahri Basarslan ganz wichtig, als er sich verabschiedet: „Ich fühle mich wie zu Hause!“ Seit dem 20. September absolviert der 24-jährige Türke in Deutschland ein Europäisches Freiwilliges Soziales Jahr in Rudolstadt in Thüringen, er besuchte über die Weihnachtstage die Familie Grimm.

Jürgen Grimm hatte für eine Jugendgruppe des Sereetzer SV ein Erasmus-plus-Sportprojekt organisiert, bei dem die Jugendlichen im April in der Region Antalya zu Gast waren und die türkische Gastfreundschaft erlebten. Einige Kontakte bestehen über das Projekt hinaus, so blieben Fahri Basarslan und Familie Grimm in Verbindung. Fahri Basarslan nutzte die freien Tage zwischen den Jahren und machte sich Heiligabend aus Thüringen auf die Reise nach Schleswig-Holstein. Um 21 Uhr nahmen die Grimms ihren Besuch auf dem fast menschenleeren Lübecker Hauptbahnhof in Empfang. „Am 24. Dezember reist so spät kaum jemand mit dem Zug“, sagt Beate Grimm. Für ihren Gast hatte Weihnachten keine große Bedeutung. „Wir feiern am Neujahrstag Noel Kutlamasi, das ist auch ein großes Fest, aber es dauert nur einen Tag“, erläutert Fahri Basarslan.

Er genoss das Fest im Familienkreis, mit der Ente „halal“ als Festmahl, die dem Muslimen erlaubt ist, den Gesprächen, dem Austausch von Geschenken und den Gesellschaftsspielen.

Die große Weihnachtsüberraschung bereitete Familie Grimm dem jungen Türken am Mittwoch. Erst hatte Fahri Basarslan an eine lockere Party gedacht – bis er gewahr wurde, dass nach und nach die Teilnehmer der Antalyareise eintrudelten und ihn herzlich begrüßten. „Jeder wusste sofort, dass ich Fahri bin, aber ich konnte mich an einige Namen nicht mehr erinnern“, sagt Basarslan, immer noch berührt von der Herzlichkeit der Begegnungen.

Fahri Basarslan hat in Antalya Psychologie und Soziologie studiert und das Studium mit dem Bachelor abgeschlossen. Praktische Erfahrungen hat er bei dem Verein „Büyük Hedef“ gesammelt, übersetzt „großes Ziel“, das Murat Dinc leitet. Beruflich hat Basarslan eine Laufbahn bei der Fluggesellschaft „Türkisch Airlines“ ins Auge gefasst. Er wolle sich für eine Aufgabe beim Kabinenpersonal bewerben, erläutert der 24-Jährige, der mit seiner Familie in Istanbul lebt. Voraussetzung sei, dass er zwei Sprachen spreche, in seinem Fall Englisch und Deutsch. So kam er auf die Idee, sich in Deutschland für ein Soziales Jahr zu bewerben. In Rudolstadt ist er als Sozialpsychologe an der „Fröbel-Grundschule“ beschäftigt.

An die Ankunft auf dem Flughafen in Leipzig erinnert er sich nur ungern: „Es war kalt, es regnete und es war dunkel. So ein Wetter macht mich traurig.“ Der Winter hat bislang noch nicht das gebracht, was sich der Gast erhofft hat: „Ich will so gerne Schnee sehen!“ Thüringen sei ein grünes Land.

In seiner Freizeit hat er dort ein neues Hobby für
sich entdeckt: Thüringische Volkstänze. Die Gruppe übt jeden Freitag vier Stunden lang. „Bei jedem Training studieren wir eine neue Figur aus dem Tanz ein“, berichtet Fahri Basarslan. Bei den Tänzen geht es turbulent zu, da laufen junge Männer über Bierkrüge, die auf Tischen stehen, wirbeln junge Frauen durch die Luft und zeigen artistische Einlagen. „Einmal ist ein Tisch zu Bruch gegangen, als ich mich etwas zu stürmisch draufgesetzt habe“, erinnert sich Fahri Basarslan. Aber der sei inzwischen in der Reparatur. Er will dabei sein, wenn das Tanzensemble Rudolstadt auf Städtetour geht, unter anderem tritt die Formation in Bremen auf. „Das ist ja gar nicht so weit weg, vielleicht gucken wir uns den Auftritt an“, sagt Beate Grimm, die den Gast ins Herz geschlossen hat.

In Rudolstadt gebe es nicht viele Türken, aber er fahre oft mit dem Fahrrad nach Jena, wo er Freunde gefunden habe. Jena sei eine Stadt, die von den rund 23  000 Studenten geprägt werde. Für sein Studium ist Fahri Basarslan für fünf Jahre nach Antalya gegangen. „Das war eine gute Erfahrung“, stellt er fest.

Seine Erfahrungen in Schleswig-Holstein hat Fahri Basarslan in fünf Punkten zusammengefasst: Die Geschenke und die Spiele haben ihn am meisten beeindruckt, dann die Zaubertricks, die Gastgeber Jürgen Grimm vorgeführt hat. Die Städte Lübeck und Hamburg seien besonders schön, der Blick von der Elbphilharmonie sei beeindruckend. Dann der Besuch an der Ostsee in Timmendorfer Strand und als überragender Höhepunkt die Party, „mit der mich die ganze Gruppe überrascht hat“.

Am Tag vor Silvester hat Fahri Basarslan die Reise zurück nach Thüringen angetreten. Er wird der Familie Grimm fehlen, auch weil er sie jeden Morgen mit der besonderen türkischen Art der Teezubereitung, „Çay“, verwöhnt hat, bei der zwei Kannen mit einer eigenen Technik zum Einsatz kommen. „Das war immer ein besondere Start in den Tag“, sagt Beate Grimm und in ihrer Stimme klingt ein wenig Wehmut mit.

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