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Ostholsteiner Anzeiger

23. November 2017 | 22:51 Uhr

Eutin : Trostpflaster für 21 Polizeibeamte

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Hilfs- und Unterstützungsfonds für Polizisten bedachte Beamte, die bei „G 20“ in Hamburg verletzt wurden, mit Reisegutscheinen.

von
erstellt am 23.Okt.2017 | 14:19 Uhr

21 Polizisten der 1. Hundertschaft aus Eutin wurden beim G-20-Gipfel in Hamburg teilweise schwer verletzt. Für weitere Erholung nach ihrer Genesung und als Dank und Anerkennung erhielten sie gestern in der Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung (PD  AFB) je einen Reisegutschein über 600 Euro und Bahn-Tickets aus dem Hilfs- und Unterstützungsfonds für Polizeibeschäftigte und deren Familien in Not (Hupf).

Die Zuwendung überreichten Hupf-Vorsitzender Klaus Schlie und der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Oliver Malchow. Schatzmeister Karl-Hermann Rehr steuerte weitere Gutscheine bei, die von touristischen Betrieben aus Dahme und Umgebung gespendet worden waren.

„Es war ein denkwürdiger Einsatz, herausragend in jeder Hinsicht, und eine große Herausforderung. Ich bin mega stolz auf die Einsatzleistung. Gott sei Dank kamen die meisten Kollegen unversehrt wieder, zumindest körperlich“, erinnerte PD  AFB-Leiter Michael Wilksen an den 7. und 8. Juli, als die Polizeibeamten bei Ausschreitungen im Schanzenviertel verletzt wurden.

Ein Beamter erzählte, wie er bei dem Versuch, Demonstranten zurückzudrängen, am linken Knöchel einen Stein abbekam. Sein Kollege wurde vor der Roten Flora an der rechten Schulter und der rechten Hand durch Steinwürfe verletzt. Ein dritter Polizist erlitt einen Hörsturz und Tinnitus, nachdem direkt neben ihm ein Böller explodierte. Diensthundeführer Marcus Grotzky (45), stellvertretender Leiter des Fachbereichs Diensthundewesen, wurde am letzten Einsatztag von einem fremden Diensthund in den rechten Arm gebissen und fiel sechs Wochen aus. „Der Biss ging bis auf den Knochen“, erzählte Grotzky und zeigte dennoch Verständnis für die Überreaktion des Tieres. Das sei Folge des Stresses in der ungewohnten Umgebung.

Der Einsatz für die Hundeführer und ihre in Objektschutz und Sprengstoffsuche ausgebildeten Vierbeiner habe 16 Tage gedauert, weil Objekte vor dem Treffen der Regierungschefs durchsucht werden mussten. Seinen eigenen Hund „Onyx“ hatte Grotzky nicht mit nach Hamburg genommen, da ihm mit einem Lübecker Kollegen die Gesamtkoordinierung oblag.

„Die Polizei ist laufend von Gewalt betroffen, das muss entsprechende strafrechtliche Folgen haben und politisch aufgearbeitet werden“, betonte Schlie. Er sei erschüttert über den blanken Hass, der sich in Hamburg Bahn gebrochen habe. Das notwendige Recht auf Protest habe mit solchen Gewaltexzessen nichts zu tun. Mit der kleinen Anerkennung wolle man zeigen, dass die Gesellschaft wahrgenommen habe, was es bedeute,
in einer solchen Situation Polizist zu sein und für
die Grundwerte einzutreten.

Malchow nannte es wichtig, zum Ausdruck zu bringen, dass die Polizisten nicht nur einen Beruf erfüllen, sondern dass auch eine emotionale Ebene dazugehört. „Die hohe Zahl der Verletzten lenkt den Blick auch auf die Frage, was ist eigentlich in der Gesellschaft los? Warum werden Polizisten daran gehindert, ihre Arbeit zu tun, und Retter daran, Menschen zu helfen?“, warnte Malchow davor, nicht einseitig nach Fehlern zu suchen.

Polizisten spürten als erste die Enttäuschung der Menschen über den Staat. „Bei aller Tragik: Es musste zu Ausschreitungen kommen, um einen anderen Blick auf Eure Arbeit zu bekommen.“ Er verwies auf die hohe Belastung der Beamten, die im Einsatz 30 Stunden am Stück arbeiteten. Für die Mitte des Jahres geänderte Höhe der Mindeststrafe gegen Flaschen- und Steinewerfer habe man über zehn Jahre lang gestritten.

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