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Ostholsteiner Anzeiger

20. August 2017 | 17:39 Uhr

Malente : Treckertour bis an Russlands Grenze

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Der ehemalige Bühnenbauer Alfred Lübbehusen aus Bochum landete auf der Reise mit seinem ungewöhnlichen Gespann in Kiebitzhörn.

Quietschbunt ist es und langsam und laut – das Gefährt, das derzeit über die Straßen Ostholsteins schnauft. Das Gespann besteht aus einem kleinen, roten Traktor der Marke McCormick und einem Anhänger, auf dem sich eine Holzhütte befindet. Mit Tempo 20 bewegt Alfred Lübbehusen sein Feriendomizil durch die Lande und bleibt damit stehen, wo es ihm gerade gefällt. „Die Fahrt meines Ruhestandes“ nennt der 63-Jährige seinen Ausflug, der ihn von Bochum bis an die Grenze Russlands und nun nach Ostholstein führte.

Als Tanja Eckardt den Reisenden mit seinem ungewöhnlichen Fahrzeug im Feldweg bei Kiebitzhörn vorfand, war sie überrascht. Wollte hier jemand so nah der Straße kampieren? Nach einem kurzen Gespräch bot sie ihm einen Standplatz neben ihren Ferienhäusern nahe dem Schwonauer See an, dort wo es so leise ist, dass man glaubt, die Stille hören zu können. Dort erzählt er seine Geschichte.

Alfred Lübbehusen ist Rentner und bastelt gern an großen Dingen, was ein Rückgriff auf seine Zeit als Bühnenbauer, er nennt das „Kulissenschieber“, im Theater Bochum sein mag. Sein mobiles, selbstgebautes Heim hat Platz für ein Bett, einen Schreibtisch, eine Toilette und etliche Ablagemöglichkeiten an den Wänden. Strom für den wandhängenden Fernseher und die Lampe gewinnt Lübbehusen über zwei Solarmodule auf dem Dach des Hauses und speichert ihn in einer Batterie jeweils für ein bis zwei Tage.

Eine Küche ist auch an Bord, sie hängt in einem Extraschrank außen am Haus und wird mit Gas befeuert. Alfred Lübbehusen legt Wert darauf, unabhängig zu sein. „Meine grenzenlose Freiheit“ nennt er das. Diese wird akkurat in einem Reisetagebuch festgehalten.

Angeregt durch das Buch „Aachen – Berlin – Königsberg“ der englischen Autorin Patricia Clough, hegte er den Wunsch, auf der alten Reichsstraße 1 (heute Bundesstraße 1) zu reisen, die auf ihrem Weg auch seinen Heimatort quert. Die Straße folgt einem alten Handelsweg, der schon vor mehr als 1000 Jahren den belgischen Hafen Brügge mit der russischen Hansestadt Nowgorod verband. An ihrem Rand liegen viele historisch bedeutsame Orte und Gebäude.

Im April machte sich Lübbehusen auf den Weg und besuchte in gemächlichem Reisetempo das Schloss Sanssouci in Potsdam, die Glienicker Brücke, den Potsdamer Platz in Berlin, das „Rote Rathaus“ und den Alexanderplatz, ein Abstecher zum Reichstag gehörte selbstverständlich dazu.

Nach wochenlanger Reise, die ihn beispielsweise in Polen mit sehr netten, hilfsbereiten Menschen zusammenbrachte, erreichte er die russische Grenze, die er nicht queren durfte. Seither befindet sich Lübbehusen auf dem Heimweg, der ihn mit seinem 30 PS starken Gespann über Usedom und Rügen bis ins ostholsteinische Kiebitzhörn führte. Nach ein paar erholsamen Tagen, die von Fischbrötchen am See und einem Besuch seines Sohnes gekrönt waren, soll es über Fehmarn und die Mecklenburgische Seenplatte dann tatsächlich heimwärts gehen. Seine Frau erwartet ihn irgendwann im August zurück.

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erstellt am 25.Jun.2016 | 16:11 Uhr

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