Trauriges Ende für weißen Hirsch

Da war noch alles in Ordnung: Der weiße Hirsch, kurz nachdem er Ende 2016 in das Malenter Wildgehege gekommen war.
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Da war noch alles in Ordnung: Der weiße Hirsch, kurz nachdem er Ende 2016 in das Malenter Wildgehege gekommen war.

Weil das Tier auf Besucher des Wildparks losging, entschloss sich Födona, es aus dem Bestand des Malenter Wildparks zu nehmen

shz.de von
09. Januar 2018, 17:05 Uhr

Ein weißer Hirsch gilt als Attraktion. Doch dem Förderverein Dorf und Natur in der Gemeinde Malente (Födona) haben die Tiere mit der exklusiven Fellfärbung bislang kein Glück gebracht. Im Oktober 2016 lief der einzige weiße Hirsch des Malenter Wildparks im zarten Alter von drei Jahren einem Jäger vor die Flinte, nachdem das Tier aus dem Gehege ausgebrochen war. Sein Nachfolger ist nun ebenfalls tot, auch er wurde nur etwa drei Jahre alt. „Wir haben ihn aus dem Bestand herausgenommen“, erklärte Jörg Graage. Er ist Vorsitzender des Fördervereins Dorf und Natur in der Gemeinde Malente (Födona), der sich im Auftrag der Gemeinde um den Wildpark kümmert.

Graage sah sich gezwungen, den Hirsch zur Strecke zu bringen, nachdem das Tier auf eine Familie losgegangen war und diese sich – geschockt vom Verhalten des Hirschs – beim Verein gemeldet hatte. „Wir waren nur spazieren und sind auch auf dem Weg geblieben“, schilderte die Betroffene, die namentlich nicht genannt werden will. Dann sei der weiße Hirsch aus dem Rudel aufgestanden und auf sie zugelaufen. „Er hat meine 18-jährige Schwester voll auf die Hörner genommen und gegen einen Baum gedrückt.“ Diese habe zum Glück eine dicke Jacke getragen, so dass ihr nichts passiert sei. Ihren zweijährigen Sohn habe sie gerade noch wegziehen können, berichtete die Frau. Um den Hirsch zu vertreiben, habe ihr Mann laut in die Hände geklatscht. „Der Hirsch ist noch kurz hinter uns hergelaufen, hat dann aber von uns abgelassen.“

Am Freitag vor Silvester erfuhr Graage von dem Zwischenfall im Gehege. „Ich habe am Sonnabendmorgen sofort gehandelt“, sagte der Jäger. Aus seiner Sicht war Gefahr im Verzug, das habe der komplette Vorstand so gesehen. „Wir fanden das alle schade, aber ich hätte es schlimmer gefunden, wenn durch das Tier ein Kind verletzt worden wäre – das wäre für mich das Allerschlimmste“, betonte Graage. Deshalb habe es für Alternativen, etwa den Hirsch umzusiedeln, keine Zeit gegeben.

Der langjährige Födona-Vorsitzende Gerd Schumacher bestätigte, dass der weiße Hirsch wenig Respekt vor Menschen gezeigt habe. „Der ging den Leuten auch an die Wäsche, um zu sagen: Hast du mir nichts mitgebracht?“, schilderte er. Der Hirsch habe aus einem Gehege im Lauenburgischen gestammt, in dem er von Geburt an engen Kontakt zu Menschen gehabt habe. Im Nachhinein sei es ein Fehler gewesen, das Tier aus einem solch kleinen Gatter zu holen, räumte Schumacher ein.

Es war nicht das erste Mal, dass der weiße Hirsch auffällig wurde. Während der Brunftzeit im vergangenen Jahr hatte er eine Hirschkuh buchstäblich auf die Hörner genommen und ihr dabei mit seinem Geweih so schwere Verletzungen in der Flanke zugefügt, dass sie schließlich erlegt werden musste. Graage führt diesen Zwischenfall auf die Ausnahmesituation der Brunft zurück, allerdings sei ihm ein solches Verhalten auch neu gewesen. Er betont, dass es sich beim Damwild immer noch um Wildtiere handele. „Das darf man nicht vergessen.“

Schumacher macht sich unterdessen Gedanken, wie das Verhältnis zwischen Tier und Mensch im Wildpark künftig besser geregelt werden könnte. Ihm ist vor allem unsachgemäßes Füttern ein Dorn im Auge. „Wildpark-Besucher halten den Tieren die Futtertüte vor die Nase, und wenn die Tiere dann ihren Kopf reinstecken, stoßen sie automatisch mit ihrem Geweih zu“, erklärte er. Je älter die Hirsche würden, desto größer werde ihr Geweih und die damit verbundene Gefahr.

Schumacher rät Wildpark-Besuchern deshalb dringend, die Tiere auf keinen Fall mit der Schnauze in Futtertüten hineinlangen zu lassen, sondern das Futter auf den Boden zu schmeißen. „Sonst passiert schnell etwas“, warnte der Jäger. Ihm schweben Warnschilder vor, die mit bildlichen Darstellungen vor der Gefahr warnen.

Der Malenter Wildpark zeichnet sich durch sein freilaufendes Damwild aus. „Das ist in Malente seit 50 Jahren so“, sagte Graage. Ihm liegt sehr viel daran, diese Besonderheit zu erhalten. Ob es jedoch wieder einen weißen Hirsch geben wird, muss sich erst noch erweisen. Wenn Födona erneut ein solches Tier anschaffe, müsse es angesichts der gesammelten Erfahrungen mit großer Sorgfalt ausgewählt werden, ließ Graage durchblicken. Schumacher hält einen weißen Hirsch zwar für eine Besucherattraktion. Es müsse aber auf jeden Fall ein Tier gefunden werden, das nicht zu stark an Menschen gewöhnt sei.

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