„Traurige Spitzenstellung“

Ein Vermummter greift einen Beamten in Rostock am 2. Juni 2007 vor dem G8-Gipfel in Heiligendamm an.
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Ein Vermummter greift einen Beamten in Rostock am 2. Juni 2007 vor dem G8-Gipfel in Heiligendamm an.

Gewerkschaft der Polizei sieht weiterhin alarmierende Zahlen bei der Gewalt gegen Beamte in der Region

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21. März 2018, 14:18 Uhr

Die am Montag vorgestellte Polizeiliche Kriminalstatistik (wir berichteten) belegt es erneut: Das Phänomen einer steigenden Aggressivität und Gewalt gegen Polizisten ist auch im Bereich der Polizeidirektion Lübeck gegenwärtig. Nach Angaben der Regionalgruppe Lübeck-Ostholstein der Gewerkschaft der Polizei (GdP) seien im vergangenen Jahr laut Statistik alleine in der Polizeidirektion Lübeck 301 Straftaten zum Nachteil von Polizisten registriert worden, mit insgesamt 666 betroffenen Beamten. „Vier teilweise schwer und 99 leicht verletzte Beamte
im Bereich Lübeck und Ostholstein sind eine bittere Tatsache“, stellen der Regionalgruppenvorsitzende Jörn Löwenstrom und GdP-Landesvorstandsmitglied Thomas Gründemann fest.

Nach Angaben der GdP-Vertreter weise die Statistik für das vergangene Jahr 161 Widerstandshandlungen gegen Polizeivollzugsbeamte aus. Und 114 Strafanzeigen wegen Körperverletzungen bei der Ausübung dienstlicher Maßnahmen. „Damit nimmt die Polizeidirektion Lübeck landesweist eine traurige Spitzenstellung ein“, so Gründemann. Zum Vergleich: In den Polizeidirektionen Kiel und Neumünster seien in 2017 laut Kriminalstatistik 122 und 121 Widerstandshandlungen zur Anzeige gebracht worden.

„Dieses Ausmaß der vielen Angriffe auf die Polizisten im Streifen- und Einsatzdienst macht immer wieder sprachlos und bereitet uns großen Kummer“, so Jörn Löwenstrom.

Die körperlichen Schäden bei den Attacken auf die Einsatzkräfte der Polizei seien die eine Seite. Aber auch psychisch würden derartig erlebte Gewaltexzesse häufig auch langfristig oder dauerhaft an den betroffenen Polizisten nagen. Und das durchaus auch bei erfahrenen Polizisten, ergänzte Gründemann. Und die Betroffenheit über die Auswüchse an Gewalt lasse die Polizisten nachdenklich werden. „Sie machen schließlich ihren Job so gut wie möglich und wollen
ihn auch nah am Bürger machen“, sagte Gründemann.

Die unerfreuliche Entwicklung der Gewalt gegen Polizisten würde auch landesweit registriert, weiß Thomas Gründemann. Um 14,7 Prozent hätten Widerstandshandlugen gegen Polizeibeamte im Jahre 2017 bei der Durchsetzung polizeilicher Maßnahmen zugenommen. Insgesamt seien 1268 Gewaltdelikte gegen 2443 Beamtinnen und Beamte der schleswig-holsteinischen Landespolizei registriert worden. Auch dies ist nach Erkenntnissen der GdP eine Zunahme von 17,7 Prozent.

Nach Ansicht der Gewerkschaft der Polizei seien die erschreckenden Zahlen der Höhepunkt einer sich verstetigenden Entwicklung. „Die Hemmschwelle sinkt zusehends“, so Gründemann. In keinem anderen Beruf gebe es ein so hohes Gefährdungspotenzial für Leib und Leben wie bei der Polizei, sagte der GdP-Vertreter. Löwenstrom und Gründemann fordern Solidarität für ihre Kollegen ein. Gerade weil Polizisten enorme Belastungen zu schultern hätten. „Diejenigen, die für diesen Staat eintreten, müssen sich auf den Rückhalt von Politik und Gesellschaft verlassen können“, so Gründemann.

Hilfreiche Erkenntnisse erhofft sich die GdP auch von den Ergebnissen einer von der Polizeidirektion Lübeck initiierten und vom Land mit rund 30 000 Euro unterstützten aktuellen Untersuchung zu „Ursachen für Gewalt gegen Polizeibeamte in Lübeck“. Die besorgniserregende Entwicklung zwinge die Führung der Polizeidirektion allerdings schon augenblicklich aus fürsorgerischen Gründen zu einem verstärkten Personaleinsatz. Das wiederum sei aus dem Bestand des vorhandenen Personals nur kurzfristig zu gewährleisten. Deshalb erwartet die GdP Unterstützung durch Innenminister Hans-Joachim Grote. „Eine angemessene Personalverstärkung für die Polizeidirektion Lübeck ist in Anbetracht dieser Gefahrenlage für die Polizisten im Streifen- und Einsatz unumgänglich“, so Löwenstrom.


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