Ostholstein : Trauer um Ex-Landrat und Musikfan Horst-Dieter Fischer

Horst-Dieter Fischer  im vergangenen Jahr.  Fotos: OHA-Archiv
Horst-Dieter Fischer im vergangenen Jahr. Fotos: OHA-Archiv

Der einzige gewählte Landrat Ostholsteins mit einem SPD-Parteibuch erlag im Alter von 76 einer schweren Krankheit.

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21. Februar 2020, 18:05 Uhr

Bosau | „Ich bin süchtig nach Musik. Davon bin ich abhängig,“ hatte Horst-Dieter Fischer dem Ostholsteiner Anzeiger verraten. Das war am 30. Dezember 2000 beim Abschiedsinterview für den Landrat Ostholsteins, der nach neun Jahren als Staatssekretär in das Kieler Sozialministerium wechselte.

Diese Passion, die vor allem der Rock- und Bluesmusik galt, hat Fischer sein Leben lang gepflegt. Viele Freunde hat er bei seinen regelmäßigen, unzähligen Festivalbesuchen in Europa und in den USA gewonnen, im Publikum wie unter Musikern. Und es gibt viele berufliche und politische Weggefährten, die den einzigen gewählten Landrat des Kreises Ostholstein, der ein SPD-Parteibuch hatte, vermissen werden. Der Vater von vier Kindern, der seit Anfang der 1990er Jahre in Bosau lebte, ist am Dienstag an den Folgen einer schweren Krankheit im Alter von 76 Jahren gestorben.

Nach dem Abitur Ausbildung zum Verwaltungsbeamten

Horst-Dieter Fischer wurde am 5. Dezember 1943 in Aue im Erzgebirge geboren. In Kiel absolvierte er nach dem Abitur ab 1963 die Ausbildung für den allgemeinen gehobenen Verwaltungsdienst des Landes. Von 1966 an war er in verschiedenen Bereichen des Landesinnenministeriums tätig und stieg in den höheren Dienst auf.

Überraschende Mehrheit im Kreistag

Fischer leitete 1991 das Büro des Innenminister Hans Peter Bull (SPD), als er im Frühjahr 1991 überraschend vom Kreistag zum Landrat des Kreises Ostholstein gewählt wurde – überraschend, weil Amtsinhaber Volker Steffens (CDU) wegen eines unbekannten Abweichlers in der CDU-Fraktion die rechnerisch vorhandene Mehrheit im Kreistag verpasste.

„Seit seinem Dienstbeginn hat sich der gelernte Verwaltungsbeamte durch seine durchdachte, überaus fleißige Arbeitsweise und seinen freundlichen, die persönliche Wertschätzung betonenden Umgangston viele Sympathien bei Mitarbeitern und in der Bevölkerung erworben“, hieß es im November 2000 zum bevorstehenden Abschied vom Amt des Landrates von Fischers im OHA. Auch da war schon seine „kenntnisreich gepflegte Vorliebe für Rock- und Bluesmusik“ erwähnt worden.

Motto „Ostholstein – ein Kreis für Kinder“

Als Landrat hatte Fischer nach neun Jahren ein in weiten Teilen gut bestelltes Feld hinterlassen. Viele werden sich noch an seine ausdauernd verfolgte Losung „Ostholstein – ein Kreis für Kinder“ erinnern, mit der Fischer viele Belange verknüpft sah: Ob Kindergärten, Schulwegsicherung, Drogenberatung oder Beteiligung von Jugendlichen an kommunalen Planungen, womit Ostholstein landesweit Vorreiter wurde.

Nur ein Häkchen fehlte auf der zum Amtsantritt vorgelegten Liste der Ziele: Eine neue Organisationsstruktur in der Kreisverwaltung überließ er seinem Nachfolger Reinhard Sager.

Horst-Dieter Fischer Anfang 2001 bei seinem Amtsantritt als Staatssekretär.
Horst-Dieter Fischer Anfang 2001 bei seinem Amtsantritt als Staatssekretär.
 

Am 1. Januar 2001 (Foto aus dieser Zeit)  folgte Fischer der Berufung zum Staatssekretär der Sozialministerin Heide Moser. In dieser Funktion war er Mitglied des Aufsichtsrats des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein und des Verwaltungsrats der Investitionsbank Schleswig-Holstein. Sechs Wochen nach der Übernahme der Ressortleitung durch Ministerin Gitta Trauernicht verabschiedete sich Fischer in den Ruhestand.

Baltic-Blues-Vorsitzender

Damit hatte er viel mehr Zeit, sich der Musik zu widmen. Als Vorsitzender des Vereines Baltic Blues half er dabei, dem in Eutin seit 1990 organisierten Bluesfestival neue Förderwege zu eröffnen und ihm internationale Bedeutung zu verleihen. 2006 übernahm der Verein die Organisation des Festivals, das zum größten deutschen Bluesfest bei freiem Eintritt avancierte. Von 2009 an wurden in Eutin nationale Wettbewerbe ausgerichtet, deren Sieger an der Internationalen Blues-Challenge in Memphis teilnehmen können.

Die Stadt des Blues und Elvis’ Anwesen war ebenso regelmäßiges Reiseziel von Horst-Dieter Fischer wie New Orleans oder das Bluesfestival im schweizerischen Bellinzona, unzählige Fotos machte er von Musikern bei Auftritten.

Als Landrat mit einem Taxi zu Terminen

Alle Reisen absolvierte Fischer, der nie einen Autoführerschein besaß, mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Eine Besonderheit in seiner Zeit als Landrat war der Versuch, ob ein Abonnement bei einem Taxiunternehmen günstiger sein könnte als ein Dienstwagen samt Fahrer. Die Ankunft bei Terminen mit einem Taxi gehörte zu den unkonventionellen Seiten Fischers, der zwar als Landrat und Staatssekretär Anzug trug, in seiner Freizeit aber legere Bluejeans bevorzugte.

Unkonventionelle Abschiedsfeier

Unkonventionell wird auch der Rahmen, in dem Familie, Freunde und Weggefährten Abschied nehmen können: Horst-Dieter Fischer hat sich, wie zu Lebzeiten, ein fröhliches Fest mit viel Musik gewünscht. Die Vorbereitungen dazu laufen, es wird vermutlich im März in Bosau stattfinden.

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