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Ostholsteiner Anzeiger

24. August 2017 | 09:31 Uhr

Trauer im Lindenbruchredder

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

30-jähriger Syrer starb am frühen Mittwochnachmittag aus bisher ungeklärter Ursache / Helfer und Mitbewohner sind fassungslos / Zuständigkeiten müssen geklärt werden

Khaled (30) gelang die 4000 Kilometer lange Flucht aus Syrien. Unterwegs lernte er zwei Brüder kennen, freundete sich mit ihnen an und teilte sich seit August sogar mit ihnen eine Wohnung in den Baracken im Lindenbruchredder. Doch nach dem Frühstück am Mittwoch kippte Khaled einfach um.

Die Reanimationsversuche des gerufenen Notarztes blieben erfolglos. Zahlreiche Flüchtlinge – insgesamt leben derzeit etwa 60 in den Baracken – kamen aus ihren Häusern zur Wohnung der drei Freunde. Unzählige Tränen und Gebete.

Auch engagierte Ehrenamtler waren vor Ort und versuchten zu trösten, auch sie sind fassungslos. „Er war der Beste, das sagen alle“, sagt eine Helferin, die täglich vor Ort ist und sich um die Belange und Wünsche „ihrer Jungs“ kümmert. „Er war immer hilfsbereit, hatte immer ein offenes Ohr und er konnte immer vermitteln, wenn es Sprachprobleme gab, das schätzten alle an ihm.“

Der Tod des jungen Syrers reißt nicht nur ein Loch in die Gemeinschaft am Lindenbruchredder, er offenbart auch die kulturellen Unterschiede, die nur mit Fingerspitzengefühl vermittelt werden können.

Eine Obduktion ist in ihrem Kulturkreis beispielsweise undenkbar. Staatsanwalt Ralf Anders sagte: „Wir haben uns für eine Obduktion entschieden, was nicht außergewöhnlich ist und häufiger vorkommt. Ein junger 30-Jähriger kippte nach dem Frühstück einfach um. Das ist für uns ein unnatürlicher Tod, dem man nachgehen muss.“ Anzeichen für ein Verbrechen liegen derzeit nicht vor. Mit einem Ergebnis rechnet er nicht vor Montag. Er soll in den Tagen vorher häufig stark geschwitzt, eine junge Frau auch nach dem Weg zum Krankenhaus gefragt und dabei auf sein Herz gezeigt haben.

Für die Muslime drängt die Zeit, da sie eigentlich binnen 24 Stunden am liebsten in der Heimat gen Mekka ausgerichtet im Leichentuch bestattet werden wollen. Die beiden Mitbewohner haben die noch in Syrien lebenden Eltern angerufen, die Frage nach dem Bestattungsort versucht zu klären. Die Mutter sei zusammengebrochen, heißt es. Wenn gar nichts anderes möglich sei, dann müsse Khaled zumindest nach muslimischem Ritual in Lübeck bestattet werden, so der Wunsch im Lindenbruchredder. In Lübeck gibt es nicht nur ein muslimisches Bestattungsfeld, sondern auch eine arabische Moschee, in der der Imam das Totengebet sprechen kann.

Im Kreis Ostholstein gibt es so etwas nicht. Karin Wiese, Friedhofsleiterin in Eutin, sagte: „Wir sind für alle Konfessionen offen und können das Grab der Himmelsrichtung entsprechend ausrichten.“ Eine Bestattung sei aus hygienischen Gründen allerdings nur im Sarg möglich.

Unterdessen versuchen ehrenamtliche Helfer Ansprechpartner für die Menschen vor Ort zu sein. Die generelle Zuständigkeit liegt nach Auskunft des Kreises beim städtischen Ordnungsamt. Die Kosten für die Bestattung eines Leistungsbeziehers werden gesetzlich geregelt von der Gemeinde übernommen und erfolgen in ähnlicher Form wie für Sozialhilfeempfänger.      emd

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erstellt am 19.Dez.2015 | 00:34 Uhr

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