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Ostholsteiner Anzeiger

20. August 2017 | 21:58 Uhr

Transitverkehr über den Wolken

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Zahlreiche Routen internationaler Fluglinien führen über das Kreisgebiet von Ostholstein und Plön. Ein „Radar für Jedermann“ enträtselt im Internet die Flugrouten.

Wer in Ostholstein oder im Kreis Plön wohnt, für den ist das Thema Flugbetrieb nicht unbedingt alltäglich; schließlich liegen Flughäfen weit entfernt. Ebenso fern sind Diskussionen über Fluglärm. Dennoch ist die Region von der Fliegerei direkt betroffen – quasi als Transitland. Minütlich überqueren Passagiermaschinen das Kreisgebiet.

Wie die A 1 am Boden ist auch der Luftraum zwischen Hamburg und Fehmarn eine wichtige Transitschneise – nicht für Auto- und Lkw-Fahrer, sondern für Fluggesellschaften aus ganz Europa, die Verbindungen zwischen Skandinavien, Süd- und Westeuropa bedienen. Helsinki-Paris, Kopenhagen-London, London-Stockholm, Brüssel-Helsinki, Oslo-Madrid, Amsterdam-Riga, Tampere-Alicante, Rom-Billund – diese Liste ließe sich fortsetzen. Auf verschiedenen Internetseiten lässt sich inzwischen der Transitverkehr über den Wolken in Echtzeit nachvollziehen.

Und die Seiten geben nicht nur Aufschluss über den derzeitigen Standort eines Fliegers auf einer Satellitenkarte, sondern auch wo er herkommt, hin will und was er zurzeit in der Luft so treibt – Höhe, Sinkrate, Geschwindigkeit sind ebenfalls abrufbar.

Wie so etwas nur für ein Zeitintervall von 15 bis 20 Minuten aussehen kann, zeigt die nebenstehende Grafik. Fünf Verkehrsmaschinen kreuzten am Donnerstag zwischen 10.50 und 11.10 Uhr die Region. Darunter befand sich Flug SK1624 von Düsseldorf nach Stockholm. Die Boeing 717 „Blue 1“ der schwedischen Airline SAS überflog gegen 10.50 Uhr in gut 10000 Metern Höhe Eutin und den Kreis Ostholstein.

Mit ebenfalls mehr als 800 Stundenkilometern war kurz darauf auch die anderen vier in der Region unterwegs: Der Airbus A319 der Brussels Airlines (auf dem Weg von Kopenhagen nach Brüssel), eine Boeing 737 von Ryanair (von Riga nach London), ein A319 der Air France (Strecke: Paris St. Petersburg) und um 11.10 Uhr die Canadair CRJ-900 von SAS (auf dem Weg von Kopenhagen nach Düsseldorf).

Eine Übersicht über die Flugbewegungen eines gesamten Tages liefert die Deutsche Flugsicherung GmbH, kurz DFS. Deutlich heben sich in der Streifen-Darstellung (siehe Abbildung oben) die Anflüge der drei Flughäfen Hamburg, Kiel und Lübeck ab. „Man kann deutlich erkennen, dass die Anflüge immer in einer geraden Linie geführt werden (das wird vom Instrumentenlandesystem so vorgegeben), bei Hamburg sieht man die sogenannten ,Eindrehvorgänge’, das heißt, hier werden Flüge zu der geraden Linie geführt“, erklärt Ute Otterbein vom DFS.

Und ist beispielsweise am Hamburger Flughafen „Stau“, ziehen die Flieger auch über Ostholstein und Plön ihre Kreise. „Die Anflüge finden nicht immer statt, weil an Flughäfen die Betriebsrichtung – also die Richtung, in der die Start- und Landebahnen genutzt werden – wechselt. Da Flugzeuge immer mit Gegenwind starten und landen, passt sich die Betriebsrichtung dieser Windrichtung an“, sagt Otterbein. Das heißt für Ostholstein und Co., dass der Kreis nur dann überflogen wird, wenn Wind aus West vorherrscht, also entsprechend der Ausrichtung der Lande- und Startbahnen beispielsweise in Fuhlsbüttel.

In der Regel bekommen die Menschen am Boden nichts von alledem mit. Fluglärm ist meist kein Thema, da die Maschinen durchweg in einer Höhe zwischen 30 000 und 36 000 Fuß, also zwischen 9700 und 11 000 Metern, fliegen. Lediglich Maschinen, die sich bereits im Landeanflug auf Lübeck-Blankensee oder Hamburg-Fuhlsbüttel befinden, fliegen deutlich tiefer. Erkennen kann man die Maschinen vom Boden aus nur als kleine glitzernde Punkte, die einen Kondensstreifen hinter sich herziehen – allerdings auch das nur bei klaren Himmel.

Damit am Himmel über Schleswig-Holstein nichts schief geht, werden sämtliche Verkehrsflugzeuge von Lotsen in Karlsruhe und Maastricht überwacht. Dies gilt für Flughöhen ab 25 000 Fuß (7600 Meter) und betrifft damit nahezu alle großen Verkehrsmaschinen, die den Norden überfliegen. „Bei einer Höhe unter 25 000 Fuß ist unser Kontrollzentrum in Bremen zuständig“, sagt Kristina Kelek von der Deutschen Flugsicherung. Im Raum Lübeck kommt der Tower des Flughafens Lübeck-Blankensee hinzu, der den Flugverkehr in seinem Bereich überwacht und koordiniert.

Flüge in Echtzeit beobachten können Interessierte im Internet unter www.flightradar24.com. Die Deutschen Flugsicherung bietet unter www.dfs.de den Service, Flugzeuge wie an einem Radar zu verfolgen.

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erstellt am 11.Nov.2014 | 16:40 Uhr

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