Träume aus den Tiefen der Galaxis

Dorgon: der Held aus den Geschichten von Hirseland.  Foto: Zechner
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Dorgon: der Held aus den Geschichten von Hirseland. Foto: Zechner

Der 50. Geburtstag der Heftroman-Serie "Perry Rhodan" ist für Nils Hirseland und viele tausende Fans ein ganz besonderes Ereignis

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24. September 2011, 08:05 Uhr

Sierksdorf | "Das Tarnfeld seines Gegners hatte das Spiegelbild der Sterne für einen kurzen Moment verwischen lassen, als er hinter Cau Thon stand, bereit seinen letzten tödlichen Schlag auszuführen. Doch der Sohn des Chaos war schneller gewesen."

Nein, der "Krieg der Sterne" wurde nicht kurzfristig nach Sierksdorf an die Ostseeküste verlegt. Vielmehr entsprangen diese Sätze dem Kopf einer ihrer Bewohner: Nils Hirseland. Im wirklichen Leben ist er freiberuflicher Sportjournalist und IT-Kundenbetreuer. Doch nach Feierabend versenkt er sich in die Science-Fiction-Welt Perry Rhodans. Für den "Perry Rhodan Online Club", dessen Vorsitzender er ist, schreibt er eigene Fantasie-Geschichten wie die über den "Sohn des Chaos".

Perry Rhodan ist der Titelheld der gleichnamigen deutschen Heftroman-Serie, die seit dem 8. September 1961 wöchentlich erscheint. Bisher gibt es 2613 Hefte dieser Science-Fiction-Serie, die von einem Team aus etwa einem Dutzend Autoren und fünf Gastautoren der Verlagsunion Pabel-Moewig mit Sitz in Rastatt (Baden-Württemberg) erdacht wird.

Seit 1961 sind allein im deutschsprachigen Raum mehr als eine Milliarde Exemplare verkauft worden. Damit gehört die Serie zur erfolgreichsten Science-Fiction- und Heftroman-Serie der Welt und zugleich zum ältesten, langlebigsten und meistgelesenen Produkt der deutschen Nachkriegsliteratur.

Zum Perry-Rhodan-Jubiläum findet in Mannheim eine Welt-Convention statt, bei der sich Fans austauschen, Vorträge anhören und verschiedene Veranstaltungen besuchen. "Dahin zu fahren ist für einen Fan Pflicht", sagt Hirseland. Und weil dies für ihn ein solch wichtiges Ereignis ist, übernimmt er am Wochenende 30. September bis 2. Oktober die Live-Berichterstattung im Internet für die offizielle Perry-Rhodan-Webseite.

Wer denkt, ein solches Fantreffen werde nur von einigen Sonderlingen besucht, der irrt. Etwa 2000 bis 3500 Leute erwartet Hirseland - und diese nicht nur aus Deutschland. "Bei der letzten Weltcon waren sogar Besucher aus Japan dabei", erzählt der 32-Jährige.

Zu den Fans gehörten vor allem gebildete Menschen aus einem technischen oder wissenschaftlichen Umfeld. "So heißt es zumindest. Ich persönlich kenne auch Banker, die Perry Rhodan lesen. Grundsätzlich sind es aber typische Leseratten."

Er wurde schon als Kind mit dem Perry-Rhodan-Virus durch seinen Bruder infiziert. 1998 gründete er die Web-Seite (www.proc.org ) mit Texten und Grafiken von Fans und Wissenswertem rund um die Serie. Hirseland selbst hat inzwischen 150 Folgen der Fanserie "Dorgon" geschrieben, die auch ins Japanische und Französische übersetzt wurden.

Doch was macht den Erfolg von Perry Rhodan aus? "Vielleicht ist es der positive Blick in die Zukunft, schließlich ist Science-Fiction ja meist eine bessere Vision der heutigen Welt", vermutet der IT-Fachmann. Grundsätzlich sei aber vor allem die Kontinuität und der durchgehende rote Faden etwas Besonderes. "Die meisten anderen Serien haben zwar gute Einzelfolgen, aber die stehen oft allein für sich", sagt er und blickt in ein 50 Jahre altes Heft. Das erste trug den "Unternehmen Stardust". Die Seiten sind vergilbt und riechen etwas muffig. Es beginnt: "Flammenspeere durchzucken die Nacht, als die Stardust inmitten einer Feuersäule abhebt und die Erde hinter sich lässt. Ihr Ziel ist der Mond. Chefpilot und Expeditionsleiter ist ein Major der US Space Force. Sein Name: Perry Rhodan."

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