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Ostholsteiner Anzeiger

24. November 2017 | 21:42 Uhr

Trägerverein sorgt sich um das Heimatmuseum

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Heimatkreis Neustettin beschließt Suche nach neuem Standort

shz.de von
erstellt am 01.Okt.2017 | 16:39 Uhr

Im Februar 1992, vor 25 Jahren, eröffnete das „Heimatmuseum Kreis Neustettin“ neben dem Ostholstein-Museum. Nun droht das Aus, wegen der Sanierung der Schlossterrassen muss das Heimatmuseum Ende August 2018 umziehen. Ein neuer Standort ist noch nicht in Sicht (wir berichteten). Am Wochenende trafen sich rund 65 Mitglieder des Trägervereins, der Heimatkreis Neustettin, in Eutin. Der Vorsitzende Uwe Thiel zeigte sich beim Zusammensein im Brauhaus besorgt: „Ich möchte mir nicht vorstellen, dass das Museum ganz aus Eutin verschwindet. Wir wollen hier auch in Zukunft unsere Heimattreffen durchführen“. Selbstkritisch gab er zu: „Es ist auch unser Verschulden, dass wir uns erst in letzter Zeit konsequent um neue Räumlichkeiten gekümmert haben.“ Der neue Vorstand habe sich erst einarbeiten müssen. „Ich vermisse hier ein bisschen das Engagement von Kreis und Stadt, doch natürlich müssen wir uns auch selber kümmern.“ Schon vor vier Jahren habe der Verein die Stadt eindrücklich gebeten, das Museum zu erhalten.

Landrat Reinhard Sager würdigte die Leistung des Museums: „Es ist wichtig, sich mit unserer Geschichte zu befassen und daraus zu lernen.“ Zudem sei die Integration einer Million Vertriebener die größte Leistung der Nachkriegszeit in Schleswig-Holstein. Vergleiche mit der aktuellen Flüchtlingssituation verbat er sich aber: Die heutigen Flüchtlinge hätten eine andere Kultur, eine andere Religion und einen anderen Wertekanon, der mit dem Grundgesetz nicht kompatibel sei. Für die Vertriebenen fand Sager wärmere Worte: „Die Patenschaft zu dem Kreis Neustettin ist nicht nur formell, sondern durch tiefe Verbundenheit gekennzeichnet. Ihre Bräuche und Traditionen sind ein wichtiger Bestandteil unserer Kultur geworden“, sagte Sager. „Das Museum ganz aufzugeben, wäre ein Verlust“, bekannte er, vermied aber konkrete Zusagen: „Wir werden schauen, wir ihr Anliegen unterstützen können.“ Bürgervorsteher Dieter Holst wurde deutlicher: „Wir müssen alles versuchen, damit das Museum einen neuen Platz findet. Die Initiative muss aber auch von Ihnen kommen“, appellierte er an den Heimatverein. Trotz der Probleme sei der Umbau der Schlossterrassen aber gut für Eutin. „Das wird richtig toll“, versicherte Holst. Der Vorsitzende Thiel zeigte sich hoffnungsvoll: „Vielleicht wird es so doch noch ein positives Ende geben.“

Dr. Wolfgang Kessler, ehemaliger Bibliotheksdirektor in Herne, begriff in seinem Festvortrag den Umzug als Chance zur Erneuerung: „Zu der damaligen Zeit war die kritische Auseinandersetzung mit dem Thema eine außerordentliche Leistung.“ Die Präsentation sei auf eine angenehme Art altmodisch. Doch im digitalen Zeitalter hätten sich auch die Formen musealer Präsentation verändert. Der Umzug sei eine Chance, das Museum zu modernisieren und die Zielgruppe zu erweitern. Kessler appellierte: „Wir brauchen eine Erinnerungsarbeit, die sich für die heutige Zeit öffnet.“

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