Kreis Plön : Tourismus ist Teamwork: Kreis organisiert Workshop für Urlaubsstrategien

Lebhafte Diskussionsrunden steuerten viele Einzelthemen bei.
Lebhafte Diskussionsrunden steuerten viele Einzelthemen bei.

Die Veranstaltung soll das „Wir-Gefühl“ der touristischen Akteure stärken.

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05. September 2019, 17:19 Uhr

Schönberg | Dass der Kreis Plön mit der Ostsee, den Binnenseen und der Holsteinischen Schweiz eine beliebte Urlaubsregion in Deutschland ist, belegen die Zahlen. Doch wer meint, er könne langfristig auf den „Status Quo“ setzen, hat schon verloren. „Wir müssen für die Reise den Kompass suchen, der uns den Weg anzeigt“, formulierte es Landrätin Stephanie Ladwig. Deshalb hatte der Kreis in dieser Woche Vertreter der Branche, aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung nach Schönberg ins Hotel am Rathaus geladen, um neue Ideen zu entwickeln und Strategien für die Zukunft zu diskutieren.

Wir haben einen hervorragenden Freizeitzeitwert, deshalb sollten wir nun die Vorteile des Tourismus in den Vordergrund rücken. Stephanie Ladwig, Landrätin
 

„Schleswig-Holstein ist beliebt wie nie zuvor. Der Tourismus wirkt dabei wie ein Motor. Wir haben einen hervorragenden Freizeitzeitwert, deshalb sollten wir nun die Vorteile des Tourismus in den Vordergrund rücken“, so Ladwig. Weil beim Tourismus „alle in einem Boot sitzen“ kamen zunächst einmal andere zu Wort, die über ihre erfolgreichen Strategien berichteten.

Erfolgreiche Beispiele als Vorbilder

So Hans-Jürgen Lütje, Bürgermeister von Büsum. „Ich will Ihnen Mut machen“. Derzeit steht Büsum auf Platz sechs der Beliebtheits-Skala der Urlaubsziele im Land. Allerdings hat der Ort dafür auch die entsprechende Infrastruktur geschaffen. 32 Millionen Euro hat der Ort – teilweise mit Zuschüssen – investiert. Die Ankünfte haben sich dadurch aber verdoppelt, die Übernachtungszahlen von 1,2 auf über 1,9 Millionen erhöht. „Wichtig ist es dabei, die Bürger mitzunehmen.“

Ein weiteres Beispiel ist das Hotel „Strandkind“ in Pelzerhaken, 1917 als Ferienunterkunft gebaut. Weil „eine Butze heute niemand mehr vermieten kann“, ließ Andrea Iskra in vierter Generation das Familienhaus 2016 abreißen. Damals lag die Auslastung bei 45 Prozent, heute, mit dem Neubau bei 75 Prozent mit „Luft nach oben“. Realisiert hat sie das Projekt mit Darlehen, Fördergeldern der I-Bank, etwas Eigenkapital – und viel Mut und Zuversicht.

Viele Fragen

Für die Landrätin gilt es, „vorauszudenken, sich nicht hinzusetzen und auszuruhen auf dem Erfolg.“ Wo sollten die Schwerpunkte künftiger Vermarktung sein, wie sieht es mit der Nachhaltigkeit aus und wie lässt sich ein Netzwerk bilden? Wo gibt es Fördermittel und wie können diese vermittelt werden? In erster Linie sieht der Kreis es als seine Aufgabe, die Infrastruktur zu unterstützen. „20 Prozent unserer Wirtschaftskraft macht der Tourismus aus“, sagt Lutz Schlünzen als Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses und damit zuständig auch für den Tourismus. „Wir haben tolle Zeiten aber es fehlt an einer zukunftsorientierten Infrastruktur.“ Radwege, Wanderwege und die Beschilderung sieht er als direkte Verpflichtung des Kreises.

Letztlich entscheidend ist der Mut der Politik, Zeichen zu setzen. Lars Winter, Bürgermeister
 

„Politik und Verwaltung müssen dabei gut zusammenarbeiten. Letztlich entscheidend ist der Mut der Politik, Zeichen zu setzen“, ergänzt der Bürgermeister von Plön, Lars Winter. Er setzt darauf, auch die Wirtschaft bei der Umsetzung stärker einzubinden wie bei der Neugestaltung des Strandweges und des Weges vom Markt zum See, um nur einige Beispiele zu nennen. Dass die Gemeinde etwas macht, betonte auch Schönbergs Bürgermeister Peter Kokocinski und verwies auf die Planungen für Schönberg 2030. Als Beispiel nannte er die Vorhaben mit dem T-Konzept für Kalifornien, den Empfangsbereich bis zum Deich umzugestalten, „die Seebrücke an Land zu holen.“ Ein weiterer Schwerpunkt sei die Digitalisierung – von der Buchung bis zum W-Lan vor Ort. „Warum soll man mechanische Parkuhren mit neuen mechanischen ersetzen statt mit einer digitalen Bezahlmöglichkeit?“, stellt er fragend in den Raum. Wirtschaft und Politik arbeiteten in Schönberg schon im Ortsmarketing bestens zusammen – zum Wohle des Tourismus. Aber – erst müsse die öffentliche Hand investieren, dann würden die privaten Investoren nachziehen.

Wünsche und Klagen

Konkrete Wünsche wurden dann auch in den Diskussionsforen von den Teilnehmern geäußert. Dabei ging es vor allem Nachhaltigkeit, Barrierefreiheit, Wege-Infrastruktur und Fachkräfte. Beklagt wurde beispielsweise, dass Urlauber, die mit dem Zug anreisen würden, in Kiel wieder auf Busse umsteigen und dann vor Ort noch einmal kompliziert umsteigen müssten. Einige Campingplätze in der Region seien einfach zu weit von der nächsten Bushaltestelle entfernt. Überhaupt lasse die Vernetzung der Urlaubsorte zum Binnenland und entlang der Küste für die Urlauber gerade mit dem Fahrrad zu wünschen übrig. „Mobilität in der Region“ wurde gefordert, zum Beispiel über ein Regional-Ticket, das die Gemeinden mit höherer Kurabgabe finanzieren müssten. Und – die einheimische Bevölkerung sollte dabei nicht vergessen werden.

Personal durch Wertschätzung halten

Ein weiterer und letztlich auch entscheidender Punkt für die Anbieter ist die Personalfrage. Letztlich sei es nicht nur eine Frage, Personal zu gewinnen sondern es durch Wertschätzung auch länger zu halten. Vor allem mache dies Sinn, wenn die Belegung in der Vor- und Nachsaison gesteigert werden könne. Wichtig sei es, in die Schulen zu gehen und dort für Ausbildungen im Tourismus zu werben.

Jetzt ist es an den Beteiligten, die vielen gesammelten Einzel-Ideen und Vorstellungen zu bündeln und entsprechend umzusetzen. Denn „abends die Bürgersteige hochzuklappen geht nicht mehr“, wenn man die Urlauber auch in Zukunft zufrieden stellen möchte. Deshalb sollte die Veranstaltung des Kreises auch das „Wir-Gefühl“ der touristischen Akteure im Kreis stärken. Denn gerade im Binnenland gibt es Orte, die sich „abgehängt“ fühlen und in stärker in das Tourismus-Konzept eingebunden werden sollten.


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