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Ostholsteiner Anzeiger

24. Oktober 2017 | 14:20 Uhr

Eutin : Tote Fische: Aufregung am See

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Fischerin ärgert sich über zu späte Information: „Das wäre vermeidbar gewesen“. Bauarbeiter und Spaziergänger versuchten zu retten.

shz.de von
erstellt am 18.Feb.2015 | 04:00 Uhr

Aufregung herrschte am Großen Eutiner See: Eine Spaziergängerin entdeckte Montagabend zahlreiche kleine Fische in der Baustelle am Verbindungsstück mit dem Stadtgraben. „Sie rief mich an, wir schöpften in zwei Stunden rund 150 Kilogramm Fisch in den See und kamen dank der Feuerwehr, die die großen Platten entfernte, gut an die Tiere ran“, erzählt Fischerin Sabine Schwarten.

Bereits den ganzen Tag über hatten die Bauarbeiter Plötze, Brassen und Barsche aus dem historischen Stadtgraben, der laut Boris Sobota von den Städtischen Betrieben unter dem Ostholsteinmuseum entlang läuft, in den Großen Eutiner See befördert. Doch es kamen immer neue Tiere nach, wie die Arbeiter vor Ort sagten. Auch gestern Morgen waren sie mit dem Abkeschern beschäftigt, um an der Baustelle weiterarbeiten zu können. Eigentlich wollen sie hier neue Regenentwässerungsrohre verlegen, das Verbindungsstück zum Stadtgraben erneuern. Wie viele Fische es insgesamt schon waren, die die Bauarbeiter aus dem Stadtgraben per Eimer in den See befördert haben, können sie nicht sagen. Schwarten schätzt alleine die Zahl der Fische, die sie mit der Spaziergängerin in zwei Stunden „gerettet“ hat, auf 15  000 Tiere.

Doch weshalb gibt es jetzt überhaupt so viele Fische im Stadtgraben? Schwarten erklärt: „Im Winter suchen die Tiere Schutz vor Fressfeinden wie den Kormoran. Normalerweise finden sie den unter der Eisdecke oder im Schilf, doch beides haben wir am Eutiner See nicht mehr ausreichend, deshalb fliehen sie vor Feinden in die Gräben.“ Doch wegen der Bauarbeiten werde dort auch nachts das Wasser in den See abgepumpt und das kostete laut Schwarten einigen Fischen das Leben. Schwarten: „Es wäre vermeidbar gewesen. Man hätte mich nur eher kontaktieren müssen. So habe ich es gestern per Zufall durch eine Spaziergängerin erfahren.“ Den Fischen habe im Stadtgraben durch das Abpumpen einfach der Sauerstoff gefehlt. Die Bauarbeiter haben, so weiß Schwarten, einem Mitarbeiter der Stadt Bescheid gesagt, aber der habe es nicht an sie weitergemeldet. Boris Sobotta: „Die Bauarbeiter haben am Montag in Eigenregie ihr Möglichstes getan, um die Tiere zu retten.“ Erst am Abend haben sie den Graben dicht gemacht und mit dem Pumpen begonnen. Als am Dienstag das „Fischproblem“ immer noch da war, wurden die Städtischen Betriebe informiert und schickten sofort einen Mitarbeiter. „Im Vergleich zu den Fischen, die wir gerettet haben, macht die Anzahl der toten Fische im See unter ein Prozent aus“, sagt Schachtmeister Jan-Tobias Cruse. Die Fischerin bezweifelt das. Denn Unzählige der „geretteten“ Fische schwimmen jetzt tot im See. Schwarten: „Die kleinen Fische sind empfindlich. Es waren einfach zu viele Fische in zu wenig Wasser. Sie waren, auch wenn sie noch lebten, vorgeschädigt.“

Die Feinde – Möwen, Stockenten, Blesshühner und Krähen – umkreisten gestern die Stadtbucht, pickten sich teilweise die gefrorenen Fische aus der dünnen Eisschicht auf dem See. „Es sind jetzt genug Tiere da, die die toten Fische im See auffressen können“, sagt Schwarten und entwarnt damit. Das schockierende Bild, dass zahlreiche Fußgänger gestern zu Anrufen bei der Zeitung veranlasste, wird es bald nicht mehr geben.

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