Torsten Albig will mehr verbinden

Etwa 150 Gäste aus dem Mittelstand hörten am Mittwochabend in der Förde Sparkasse den Vortrag von Torsten Albig.
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Etwa 150 Gäste aus dem Mittelstand hörten am Mittwochabend in der Förde Sparkasse den Vortrag von Torsten Albig.

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident sprach in der Förde Sparkasse in Plön vor Vertretern des Mittelstandes aus dem Kreis Plön

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19. Oktober 2012, 08:36 Uhr

Plön | Das muss so richtig nach dem Geschmack von Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) gewesen sein. Um ihn herum waren Dekorationen, Tischdecken oder Stellwände in knalligem Rot gehalten. Rot gehalten waren auch die Schlipse und Schals der Gastgeber. Rot ist nicht nur die politische Farbe der SPD, sondern auch die Farbe der Sparkassen. Und als Gast der Förde Sparkasse war Albig am Mittwochabend nach Plön gekommen. Hier warteten rund 150 Vertreter der mittelständischen Wirtschaft aus dem Kreis Plön auf die Aussagen zur Zukunft des Landes mit der SPD.

Als ehemaliges Mitglied des Verwaltungsrates der Förde Sparkasse lobte Albig zunächst die "vorbildliche Fusion" der Sparkassen aus Kiel, Rendsburg-Eckernförde und Plön zur Förde Sparkasse. So würden 500 000 Menschen im Wirtschaftsraum verbunden. Es habe keine Angst vor der Zusammenarbeit gegeben. Es sei Stärke gebündelt worden.

Albig ließ die Antwort auf seine Frage offen, warum dieses Modell des sich "erfolgreich Unterhakens" nicht bei anderen funktioniere. Im Gegenteil werde oft gegeneinander in einem permanenten Wettbewerb gearbeitet. Albig forderte ein "stärkeres Gefühl von Gemeinsamkeit" und damit Synergien. Partnerschaften sollten nicht vor Gericht definiert werden: "Man soll mehr miteinander sprechen."

Dabei dürfe die Landeshauptstadt Kiel kein Feindbild für die Region Plön-Ostholstein sein. Albig fragte: "Was kann das Land leisten, wenn es Qualitäten bündelt, sich nicht abgrenzt, sondern synergetisch arbeitet?" Alle sollten an einem Strang ziehen und im gemeinsamen Schulterschluss die Schwächen verringern. So sei die Christian-Albrechts-Universität nicht die Hochschule der Stadt Kiel, sondern Innovationsmotor im gesamten Kieler Raum.

Vor dem Hintergrund der anstehenden Haushaltskonsolidierung könnten im Land keine Strukturen mehr doppelt oder sogar dreifach angeboten werden. Das sei bisher nicht konsequent umgesetzt worden. Jeder, so forderte Albig Solidarität, muss ein bisschen dazu beitragen.

Ministerpräsident Torsten Albig machte schon jetzt deutlich, dass das Land am 1. August 2013 den Rechtsanspruch von Kindern auf einen Platz in der Kindertagesstätte nicht einhalten kann. Weniger Schüler benötigten weniger Lehrer. Die demografische Entwicklung sei jetzt nicht mehr veränderbar. Für Arbeiten würden auch in 50 Jahren noch Menschen benötigt und keine Computer. Deshalb sollten die Unternehmer auch weiterhin Menschen ausbilden.

Die Landesregierung wolle deshalb ein Fachkräftebündnis etablieren. Albig: "Hier werden gemeinsam verbindlich konkrete Schritte vereinbart." Es solle ein System mit Talentschmieden entwickelt werden. Handwerksmeister und Mitarbeiter von Jobcentern sollen in die Schulen gehen und damit schon frühzeitig auf die Probleme der Schüler eingehen. Albig: "Spätere Fördermaßnahmen kosten pro Schüler rund 10 000 Euro im Jahr." Eine gute Wirtschaftsstruktur benötige qualifizierte Menschen und eine gute Infrastruktur.

Beispielhaft nannte Torsten Albig die maroden Schleusen im Nord-Ostsee-Kanal bei Brunsbüttel. Viele internationale Gäste sehen die maroden Schleusen als Synonym für die Deutsche Wirtschaft. Doch das Land sei eine Brücke zwischen Wirtschaftsräumen. "Wir wollen in Europa einen Brückenschluss", erinnerte Albig. Metropolen sollten miteinander verbunden werden - so auch Kopenhagen und Hamburg über eine feste Fehmarnbelt-Querung.

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